Macht endlich Tempo bei der Verkehrswende – Dortmunds Schneckentempo ist unerträglich

mlzKlare Kante

Tempo-30-Zonen auf großen Achsen, Umweltspur: Ein Einstieg in die Verkehrswende soll das Konzept sein, auf das sich Stadt und Deutsche Umwelthilfe geeinigt haben. Nötig ist aber vor allem mehr Tempo.

Dortmund

, 27.01.2020, 04:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Tempo 30 auf Hauptverkehrsstraßen, Ampeln, die mit längerem Rotlicht schrecken: So sollen Autofahrer von der Ruhrallee und der Brackeler Straße ferngehalten werden. Dort wurden an Messstellen zuletzt Belastungen mit gesundheitsschädlichem Stickstoff-Dioxid registriert, die über den erlaubten EU-Grenzwerten liegen.

Der Beifall für den Kompromiss, auf den sich die Stadt und der allenthalben klagende und nicht unumstrittene Verein Deutsche Umwelthilfe geeinigt haben, ist groß. Sogar die Wirtschaft freut sich, bleibt Dortmund doch das befürchtete Diesel-Fahrverbot erspart.

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Der Kompromiss wirft Fragen auf. Wo fahren die Autofahrer künftig her, um den Staus vor Ruhralle und Brackeler Straße zu entgehen? Wird die Luft dann nicht in anderen Straßen dicker, weil dort mehr Autos fahren?

Schadstoff-Problem nicht nur örtlich begrenzt

Schließlich gibt es das Schadstoff-Problem nicht nur dort, wo gemessen wird, sondern an vielen eng bebauten Hauptverkehrsstraßen. Am Ende könnte die Einigung ein fauler Kompromiss sein.

Eine andere Frage ist, welche Alternativen man Pendlern bietet, um auf das Auto verzichten zu können. Für Park-and-Ride-Parkplätze soll stärker geworben werden, heißt es im Konzept. Pendler sollen ihr Auto am Rande der Innenstadt abstellen und mit der U-Bahn ins Zentrum fahren.

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Neu ist die Idee nicht. Und sie wurde auch schon einmal offensiv propagiert. „City-Express“ hieß ein Angebot, mit dem vor allem Einkaufsbummler aus dem Sauerland dazu gebracht werden sollten, das Auto am Remydamm stehen zu lassen. Eine komplette Pkw-Besatzung konnte samstags für zuletzt 4 Euro mit dem City-Express hin und zurück fahren.

Angebot wieder gestrichen

Allerdings: 2009 wurde das Angebot gestrichen, ebenso wie das Gepäckdepot, in dem man seine Einkäufe zwischenlagern konnte. Vielleicht besinnt man sich nun eines Besseren.

Auch die Überlegungen, das Park-and-Ride-Angebot auszubauen, sind nicht neu: An der Semerteichstraße gibt es eine städtische Brachfläche in bester Lage, nur knapp 100 Meter von der Stadtbahnstation Voßkuhle entfernt. Kleingärtner hatten 2009 die Fläche verlassen müssen, weil hier eine Einfahrt für den B1-Tunnel entstehen sollte. Das Milliarden-Projekte platzte wenig später vor Gericht.

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2016 ließ die Stadt die Fläche roden, 2017 stellte sie Überlegungen an, sie für einen P+R-Parkplatz zu nutzen, um das Parkchaos bei BVB-Heimspielen zu lindern. Passiert ist seitdem: nichts.

Das bringt uns zum Hauptproblem bei den vielen schönen Konzepten zur Verkehrswende: Sie kommen oft nur im Schneckentempo voran. Vom viel propagierten Radschnellweg Ruhr, der Pendler aufs Rad bringen soll, ist in Dortmund noch nicht ein Meter realisiert.

Neues Parkleitsystem lässt auf sich warten

Ein neues Parkleitsystem, das den Parksuchverkehr verringern soll, wurde 2018 beschlossen. Es sollte 2019 geplant und 2020 umgesetzt werden, hieß es damals. Und nun? Der letzte Statusbericht des Tiefbauamtes, Stand Oktober 2019, vermeldet. dass das EU-weite Vergabeverfahren für den Planungsauftrag (!) laufe. „Umsetzungsende offen“, heißt es weiter.

Die Liste lässt sich fortsetzen: 1000 neue Fahrrad-Abstellbügel für die Innenstadt werden seit Jahren angekündigt. Aber es gibt sie immer noch nicht. Man habe zweieinhalb Jahre auf die Förderzusagen warten müssen und könne erst seit Mai 2019 Geld ausgeben, erklärt die Verwaltung. Das ist auch schon wieder neun Monate her...

Mehr Tempo ist besser

Warum es noch mehrere Jahre braucht, ein zweites Fahrrad-Parkhaus in der City zu bauen? Ich kann es nicht verstehen.

Mit Blick auf diese Liste des unerträglichen Schneckentempos hat der Kompromiss mit der Umwelthilfe vor allem einen Pluspunkt: Er macht für die Akut-Maßnahmen Zeitdruck, lässt zur Umsetzung nur wenig Zeit. Manchmal ist mehr statt weniger Tempo sinnvoll.

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