„Magnet vom Meylantviertel“: Rampe dient als Anlaufstelle für Trinker

mlzWohnen in Dortmund

Sie sind laut, urinieren und hinterlassen Müll: Fast täglich versammeln sich alkoholisierte Personen an der Rampe im Meylantviertel. Anwohner sagen, sie wurden bereits angefeindet.

Wickede

, 04.07.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Ich habe schon eine Frau gesehen, die ihr Fahrrad die Treppe hochgetragen hat, obwohl es daneben extra eine Rampe dafür gibt“, sagt eine Anwohnerin, die mit ihrer Familie in der Meylantstraße in Wickede wohnt und aus Angst vor Anfeindungen anonym bleiben möchte. „Manche Leute trauen sich nicht einmal, die Rampe zu nutzen, weil sie blockiert wird.“

Der Grund dafür ist, dass sich an dieser Rampe in der Nähe des Netto-Supermarktes an der Rauschenbuschstraße fast täglich und über mehrere Stunden Personen aufhalten, die dort trinken und die Rampe blockieren. Diese befindet sich in unmittelbarer Seh- und Hörweite des Reihenhauses der Familie.

An dieser Rampe und der Treppe versammeln sich fast täglich und stundenlang mehrere Personen, die dort trinken und laut sind. Das berichtet eine Anwohnerin.

An dieser Rampe und der Treppe versammeln sich fast täglich und stundenlang mehrere Personen, die dort trinken und laut sind. Das berichtet eine Anwohnerin. © Tobias Larisch

„Wir kriegen davon alles mit, wenn die sich stark alkoholisiert und teilweise bis spät in die Nacht oder am frühen Morgen dort aufhalten“, sagt die Anwohnerin. „Wenn wir die Leute auf ihr Verhalten aufmerksam machen, werden wir beschimpft oder uns werden Schläge angedroht.“

Am Dienstag (30.6.) habe sogar die Polizei kommen und die Leute wegschicken müssen, weil es so laut gewesen wäre. Die Beamten wurden auch schon mal gerufen, weil die Familie gesehen hatte, wie dort mit Drogen gedealt wurde. Aber nicht nur während die Personen vor Ort sind, würden sie für Ärger sorgen – auch danach.

So sieht die Treppe aus, wenn die Personen weg sind. Ihren Müll nehmen sie nicht mit.

So sieht die Treppe aus, wenn die Personen weg sind. Ihren Müll nehmen sie nicht mit. © privat

„Sie lassen dort ihre ausgetrunkenen Flaschen und anderen Müll einfach liegen. Manche urinieren dort sogar“, sagt die Frau, die mit ihrer Familie dort seit 20 Jahren wohnt. „Ich habe denen schon gesagt, dass ich das gleiche bei ihnen zuhause machen würde, wenn sie das für in Ordnung hielten, da wurde ich beleidigt.“

Dem Netto, der in unmittelbarer Umgebung liegt und von dem der Alkohol oft stamme, würde die Anwohnerin keine Vorwürfe machen. Auch die Polizei habe ihrer Meinung nach in diesem „sozialkritischen Bereich“ Wichtigeres zu tun, als wegen „so etwas“ immer auszurücken.

LEG Immobilien bestätigt Situation

Als Hauptgrund sieht die Anwohnerin die im vergangenen Jahr von LEG Immobilien gebaute Rampe. „Die Idee ist gut, aber in dieser Ausführung lädt sie nur dazu ein, sich dort zu versammeln“, sagt sie. „Das ist wie ein Magnet für das Meylantviertel.“ Sie und die anderen Bewohner der Reihenhäuser würden sich nur wünschen, dass etwas dagegen getan werde.

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Deswegen habe der Familienvater, stellvertretend für die anderen Anwohner, im November des vergangenen Jahres auf Anraten der Polizei in Asseln einen Brief an das Ordnungsamt und LEG Immobilien, denen das Grundstück gehört, geschrieben. Das Wohnungsunternehmen sehen sie besonders in der Pflicht, da auf einem Schild sogar verboten werde, auf dem Grundstück zu trinken. Eine Antwort hätten sie aber bis heute nicht erhalten.

Dieses Schild hängt im Meylantviertel und verbietet eigentlich den Verzehr von Alkohol auf dem Grundstück der LEG. Zum Grundstück gehören auch die Rampe und die Treppe.

Dieses Schild hängt im Meylantviertel und verbietet eigentlich den Verzehr von Alkohol auf dem Grundstück der LEG. Zum Grundstück gehören auch die Rampe und die Treppe. © Tobias Larisch

Im Zuge einer Wahlinitiative vor den Landtagswahlen 2017 sei es damals zu einem Gespräch mit Dirk Sanke und Sabine Poschmann von der SPD gekommen. Die Anwohnerin folgte einem Aufruf zur Benennung von Problemen vor der eigenen Haustür.

Zweimal seien die beiden Politiker zu Gesprächen gekommen und wurden auf die Problematik an der alten Rampe aufmerksam gemacht. Daraufhin wurde die neue Rampe gebaut – an den Trinkereien und der Vermüllung habe sich laut der Anwohnerin aber nichts geändert.

An der Rampe wurde ein Wäschekorb als Mülleimer umfunktioniert. Viel Müll landet da allerdings nicht drin.

An der Rampe wurde ein Wäschekorb als Mülleimer umfunktioniert. Viel Müll landet da allerdings nicht drin. © Tobias Larisch

Auf Anfrage dieser Redaktion bestätigt LEG Immobilien, dass sie von der Situation wüssten und diese bedauern würden. Laut dem Unternehmen würden Objektbetreuer während der Dienstzeiten regelmäßig an der Rampe vorbeischauen und Treffen auflösen. Das sei aber nicht den jeden Tag möglich.

Der Stadt Dortmund sei eine Beschwerde aus dem November 2019 nicht bekannt. „Der (unerwünschte) Aufenthalt von Personen beziehungsweise der Verzehr von Alkohol wäre dann vorrangig durch die jeweiligen Eigentümer zu regeln/zu unterbinden“, heißt es auf unsere Anfrage.

Trotzdem werde der kommunale Ordnungsdienst dort zukünftig die Situation kontrollieren, so die Stadt.

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