„Ohne uns kein Geschäft“ lautete ein Slogan bei der Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes auf dem Dortmunder Friedenplatz. © Schaper
Tag der Arbeit

Mai-Kundgebung des DGB: Abstand, Livemusik und Wut auf Corona-Leugner

Früher war es eine Großkundgebung, am Samstag waren die Teilnehmer froh, dass sie stattfinden konnte: die DGB-Kundgebung zum 1. Mai. Es ging um Solidarität, Corona und einen klaren Gegner.

Eine Großveranstaltung angesichts steigender Corona-Fallzahlen und einer Sieben-Tage-Inzidenz über 200: Nicht immer war klar, dass die traditionelle Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes zum „Tag der Arbeit“ überhaupt stattfinden konnte. Schon früh war klar: wenn überhaupt, dann nur in einer abgespeckten Version.

Während in Vor-Coronazeiten Tausende in Sternmärschen in den Westfalenpark strömten, war die Kundgebung an diesem 1. Maisamstag auf 200 Menschen beschränkt. Delegierte durften sich unter strengen Auflagen auf dem Friedensplatz versammeln, für alle anderen wurde die Veranstaltung live im Internet übertragen. Den Menschen vor Ort rief die Dortmunder DGB-Vorsitzende Jutta Reiter zu „Ihr repräsentiert die Tausenden, die sonst im Westfalenpark dabei sind.“

„Die schwarze Null brauchen wir nicht!“ Die Dortmunder DGB-Vorsitzende, Jutta Reiter, forderte die Regierung auf, auch nach der Krise Geld in die Hand zu nehmen.
„Die schwarze Null brauchen wir nicht!“ Die Dortmunder DGB-Vorsitzende, Jutta Reiter, forderte die Regierung auf, auch nach der Krise Geld in die Hand zu nehmen. © Schaper © Schaper

Bei den Zuschauern im Livestream bedankte sie sich, dass sie zuhause geblieben waren. „Wir wahren Distanz“, erklärte Reiter, aus Solidarität mit allen, die Gesundheitswesen arbeiten oder denen eine schwerer Verlauf der Covid-Infektion drohen könnte.

Trotzdem wolle man draußen sein. „Wir wollen die Plätze nicht denen überlassen, die Corona leugnen.“ Sie machte unter großem Applaus Querdenker und Leugner der Pandemie als klaren Gegner aus, So auch ihre Folgerednerin, Ayla Celik, stellvertretender Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft.

Strenge Auflagen für Teilnehmer

Die Auflagen für eine Veranstaltung dieser Art waren enorm. Ordner hatten den Friedensplatz mit Flatterband abgeteilt. Es gab einen Eingang und einen Ausgang, Bierbänke sorgten dafür, dass der erforderliche Abstand von zwei Metern gewahrt blieb. Immer wieder wurden die Teilnehmer erinnert, diesen auch zu wahren. Am Eingang erhielt jeder Teilnehmer eine Marke. Als alle 200 erreicht waren, durfte niemand weiteres in den abgesperrten Bereich. Es galt die Maskenpflicht.

Der guten Stimmung tat dies keinen Abbruch, denn wie einzelne Teilnehmer berichteten, fühlte sich diese Kundgebung ein wenig nach Freiheit an, denn auf der Bühne gab es Livemusik und wann sei man im vergangenen Jahr mal auf so viele unterschiedliche Menschen getroffen. Auch für die Band war dies ein Erlebnis: „Wir haben seit 14 Monaten nicht mehr live gespielt.“

„Frauen haben mehr zu stemmen“

In ihrer Rede unterstrich Jutta Reiter die Erfolge der Gewerkschaften während der Pandemie. Ob Kurzarbeitergeld, Arbeitsschutz, das Kinderkrankengeld und die Verlängerung der Bafög-Zahlen – die Gewerkschaften seien mit ihren Forderungen auf Gehör bei der Politik gestoßen.

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Kundgebung zum „Tag der Arbeit“ auf dem Friedensplatz

„Corona hat die Missstände im Land wie unter einem Brennglas deutlich gemacht und noch einmal verschärft“, sagte sie. Die Schere zwischen Arm und Reich sei weiter auseinandergegangen. Viel Applaus erhielt sie für eine Feststellung: „Frauen haben in dieser Krise viel mehr zu stemmen als Männer.“

Auch wenn jetzt viel getan werde, fest stehe: „Ein Weiter so nach der Pandemie darf es nicht geben.“ Deswegen forderte sie den Bund auf, Schulden zu machen, um die folgen der Coronakrise abzumildern und für öffentliche Investitionen, Klima, Wohnen, Mobilität und Dekarbonisierung auszugeben. „Eine schwarze Null brauchen wir nicht.“

Bildungspolitik während der Krise

Als stellvertretender GEW-Vorsitzende nah Ayla Celik das Thema Bildung in den Blick. Sie warf der Regierung einen fehlenden willen und Konzeptlosigkeit vor, was die Umgang mit Bildung und Kinderbetreuung in der Pandemie angehe. Besonders hart getroffen worden seien aber auch Auszubildende und Studierende.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Leitender Redakteur, seit 2010 in der Stadtredaktion Dortmund, seit 2007 bei den Ruhr Nachrichten.
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