Die Hohensyburg bietet jede Menge Natur und Sehenswürdigkeiten - von der Kirche St. Peter (vorn) über die Spielbank (links) bis zum Kaiser-Wilhelm-Denkmal (hinten Mitte). © Dieter Menne (Archiv)
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Mal leicht, mal schwer: Tipps für zwei besondere Wanderungen in Dortmund

Wandern ist weiter erlaubt in Corona-Zeiten. Und zwischen Ruhr und Emscher ist in Dortmund viel zu entdecken. Wir empfehlen zwei Touren, die an Orte mit besonderer Geschichte führen.

Zoo, Kinos und Theater sind geschlossen, Sportplätze und Fitnessstudios ebenfalls. Der Corona-Lockdown hat die Freizeitmöglichkeiten stark eingeschränkt. Weiterhin möglich und sogar empfohlen sind aber Spaziergänge.

Wir haben dazu zwei Tipps, die an die entgegengesetzten Enden von Dortmund führen – im Süden an die Ruhr und im Norden an die Emscher. Die eine Tour ist eine Wanderung mit besonderen Herausforderungen, die andere ein leichter Spaziergang. Beide zusammen zeigen die Vielfalt an Landschaften und die besondere Natur, die Dortmund bietet – verbunden mit Industriegeschichte.

Die leichte Tour: Die Emscher-Auen bei Mengede

„Emscher-Auen“ – so heißt die Landschaft an der Stadtgrenze von Dortmund zu Castrop-Rauxel seit August 2020 offiziell. Und wie eine Auenlandschaft wirkt sie auch. Wenn da nicht die Häuser von Ickern, die Hochspannungsmasten und das Rauschen der nahen Autobahn 2 im Hintergrund wären, würde man nicht ahnen, dass man mitten im Ruhrgebiet unterwegs ist.

Es ist ein Stück Natur aus zweiter Hand. Denn die Auenlandschaft wurde künstlich geschaffen. Über mehrere Jahre hinweg haben Bagger den Boden rechts und links der Emscher umgepflügt und tiefergelegt.

Im Rahmen des Milliarden-Projekts Emscherumbau hat die Emschergenossenschaft hier zwischen den Orten Mengede und Ickern drei Rückhaltebecken anlegen lassen.

Das Luftbild zeigt die Emscher-Auen mit dem Rundweg um die Rückhaltebecken. Links ist die Autobahn 2. Im oberen Bereich ist die Rittershofer Straße zwischen Waldrand und Rückhaltebecken zu sehen. Parkplätze gibt es im direkten Umfeld der Emscher-Auen nicht. © Jörg Saborowski/EGLV © Jörg Saborowski/EGLV

Es ist eine Art Versicherung gegen Hochwasser für die emscherabwärts liegenden Städte. Im Falle einer Sturzflut etwa nach Starkregen kann die durch die Becken fließende Emscher über ein Drosselbauwerk aufgestaut werden und die Becken fluten.

Die sind zwischen fünf und sechs Metern tief und fassen zusammen rund 1,1 Millionen Kubikmeter Wasser – soviel wie in 7 Millionen Badewannen passt. Zusammen sind die Emscher-Auen 33 Hektar groß – das entspricht der Fläche von 46 Fußballfeldern.

Was im Sommer 2011 als Riesen-Baustelle begann, hat sich bis heute zu einem Naturparadies entwickelt, das immer mehr Spaziergänger, Radler und Naturliebhaber anlockt. Denn die Emscher-Auen sind inzwischen ein wertvolles Areal für teils seltene Tier- und Pflanzenarten.

Rund um die Rückhaltebecken an der Emscher ist ein Naturparadies entstanden.
Rund um die Rückhaltebecken an der Emscher ist ein Naturparadies entstanden. © Oliver Volmerich © Oliver Volmerich

Und ein beliebtes Wanderziel. Eine gute Stunde braucht man für den etwa drei Kilometer langen Rundweg, der an beliebigen Stellen begonnen werden kann.

Wir sind an der Rittershofer Straße gestartet, die als Anliegerstraße erst durch ein Wohngebiet, dann durch einen Wald und unter der Autobahn A45 hindurch zum Rückhaltebecken führt.

Den Rundweg kann man von fast allen Positionen aus gut überblicken. Er führt um die Becken herum, zunächst zum Hof Emschertal. Das historische Gehöft ist von der Emschergenossenschaft saniert und zu einer Art Rastplatz ausgebaut worden.

Im Sommer kann man an den Wochenenden im Biergarten Kaffee oder kühle Getränke genießen – wenn nicht gerade Corona-Lockdown herrscht.

Der sanierte Hof Emschertal inmitten der Emscher-Auen bietet Gelegenheit zur Rast - wenn nicht gerade Corona-Lockdown herrscht.
Der sanierte Hof Emschertal inmitten der Emscher-Auen bietet Gelegenheit zur Rast – wenn nicht gerade Corona-Lockdown herrscht. © Oliver Volmerich © Oliver Volmerich

Vom Hof Emschertal aus kann man den Rundweg bis zur Rittershofer Straße fortsetzen oder noch einen Schlenker über die Emscher in Richtung Süden machen. Hier gibt es an der Emscherbrücke auch einen Aussichtsturm.

Der Weg ist beliebig erweiterbar. Denn auch die Umgebung ist von Natur und Landwirtschaft geprägt. Die Strecke ist flach und nahezu barrierefrei und deshalb als leichter Familienspaziergang zu empfehlen.

Die schwere Tour: An den Ruhrhängen in Syburg

Die Hohensyburg ist der wohl geschichtsträchtigste Ort in Dortmund. Die Spuren reichen hier bis ins frühe Mittelalter zurück. Auch der frühe Bergbau hat seine Spuren hinterlassen.

Und mit dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal hoch über der Ruhr, der Burgruine, der Kirche St. Peter und der seit 1985 bestehenden Spielbank ist die Hohensyburg seit Generationen ein beliebtes Ausflugsziel.

Die Anlage ist aber weitläufig genug, um auch in Corona-Zeiten Platz für Spaziergänge mit ausreichendem Abstand zu bieten.

Vor allem lädt die weitere Umgebung zu Wanderungen ein, die angesichts der Höhenunterschiede aber etwas Kondition und „Kletterkunst“ erfordern.

Gestartet sind wir unterhalb der Hohensyburg an der Syburger Dorfstraße in Höhe der verwaisten Gaststätte Haus Weitkamp – da, wo einst die Talstation für eine Bergbahn zur Hohensyburg lag. Hier gibt es Parkplätze vor dem Campingplatz und an der Naturbühne Hohensyburg.

Hinter dem alten Gasthaus beginnt auch der schmale Wanderpfad, der um den Campingplatz herumführt. Vorsicht am Ende, hier geht es steil bergab. Nicht ausrutschen!

An der Lennemündung liegt ein Biergarten.
An der Lennemündung liegt ein Biergarten. © Oliver Schaper (Archiv) © Oliver Schaper (Archiv)

Der Weg mündet auf den Uferweg am Hengsteysee in Höhe der Lennemündung, an der eine gleichnamige Gaststätte mit Biergarten einlädt – wenn es nicht der Corona-Lockdown verhindert.

Weiter geht es rechts am Ufer entlang. Und auch hier ist Vorsicht geboten. Denn als Teil des Ruhrtal-Radwegs sind auf dieser Strecke viele Radfahrer unterwegs, auf die man als Fußgänger achtgeben muss.

Der Uferweg am Hengsteysee ist Teil des beliebten Ruhrtal-Radwegs.
Der Uferweg am Hengsteysee ist Teil des beliebten Ruhrtal-Radwegs. © Dieter Menne (Archiv) © Dieter Menne (Archiv)

Dann beginnt die Bergtour. Bevor man die Hengsteystraße mit den Serpentinen und der Ruhrbrücke erreicht, führt rechts ein Weg auf die Ruhrhänge, der sich in engen Windungen nach oben schlängelt. Hier sind echte Bergwanderer-Qualitäten gefragt.

Doch die Anstrengung lohnt sich: An mehrere Stellen gibt es Aussichtspunkte, die tolle Ausblicke auf das Ruhrtal und das Sauerland bieten. Schade nur, dass die Nachbarstadt Hagen ein Industriegebiet direkt ans südliche Seeufer gepflanzt hat.

Die Wanderwege an den Ruhrtalhängen bietet tolle Ausblick auf den Hengsteysee.
Die Wanderwege an den Ruhrtalhängen bietet tolle Ausblick auf den Hengsteysee. © Dieter Menne (Archiv) © Dieter Menne (Archiv)

Wichtig ist, auf den Wegen zu bleiben. Die Höhenretter der Dortmunder Feuerwehr haben schon mehrfach leichtsinnige Wanderer und Kletterer bergen müssen, die an dem steilen Berghang abgestürzt sind.

Weiter oben bietet der schmale Wanderweg zwei Alternativen. Wenn man sich rechts hält, landet man über einen steilen Pfad und eine Treppe nahe der Plattform unterhalb des Kaiser-Wilhelm-Denkmals.

Nach links führt der Weg über mehrere Kehren über den Syburger Bergbau-Pfad. Schautafeln erläutern die frühe Bergbau-Geschichte rund um die Stollen des Bergwerks Graf Wittekind, das vom Förderverein Bergbauhistorischer Stätten wiederbelebt wurde.

Der Weg endet an der Hohensyburgstraße in Höhe des Spielbank-Parkplatzes. Von hier aus kann man Abstecher zu den diversen Sehenswürdigkeiten wie Kaiser-Denkmal, Vincketurm (mit Kiosk für eine Rast), Burgruine und Kirche St. Peter mit seinem historischen Friedhof machen.

Zwischen Spielbank-Gebäude und Kirche führt auch unser Wanderweg weiter – zurück in den Wald und dann nach links über einen Pfad bergab.

St. Peter gilt als älteste Kirche Westfalens.
St. Peter gilt als älteste Kirche Westfalens. © Dieter Menne (Archiv) © Dieter Menne (Archiv)

Nach knapp zehn Minuten landet man auf der Syburger Dorfstraße, der man noch einige hundert Meter folgen muss, bis man wieder am Haus Weitkamp ankommt.

Drei bis vier Stunden sollte man auch mit Blick auf die diversen Rast- und Ausguck-Möglichkeiten für die Tour einplanen – und gutes Schuhwerk.

Info

So kommt man hin

Emscher-Auen:

  • Mit dem Auto: Das Hochwasserrückhaltebecken zwischen Mengede und Ickern ist mit dem Auto schwer zu erreichen. Kleine inoffizielle Schotterparkplätze gibt es an der Rittershofer Straße, die vor der Unterführung der A45 zur Anliegerstraße wird, und nahe der Strünkedestraße 248.

  • ÖPNV: Ab Dortmund Mengede Bahnhof mit dem Bus 482 (Richtung Castrop Schwerin Seniorenheim). Aussteigen an Haltestelle: Stadtgrenze CAS/DO. Von hier aus kann man in etwa 10 Minuten zum Hochwasserrückhaltebecken laufen.

Syburg:

  • Mit dem Auto: Über B54 und Hohensyburg Straße in Richtung Campingplatz/Naturbühne. Hier kann man parken. Die Parkplätze an der Spielbank sind zeitweise kostenpflichtig.

  • ÖPNV: Ab Hörde Bahnhof mit den Buslinien 432 und 442 bis Dortmund-Syburg. Dort kann man die Tour dann ab der Spielbank über die angegebene Schlussetappe mit dem Wanderweg zum Campingplatz bzw. zur Naturbühne starten.
Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
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Oliver Volmerich

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