Mehr als nur Malen und Basteln: Was eine Kulturkita von anderen Kitas unterscheidet

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Wenn in einer Kita Kinder aus 35 Nationen betreut werden, kann es mit der Verständigung kompliziert werden. Doch es gibt Einrichtungen, die darin eine Chance sehen - und das sieht so aus.

Borsigplatz

, 29.07.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der kleine Ibrahim trägt eine Katzenmaske und tanzt mit zwei anderen Kindern im Kreis. Das Lied ist ein bekanntes Kinderlied. „Und die Katze tanzt allein“, singt Erzieherin Daniela Neubauer, dabei spielt sie auf ihrer Gitarre. Ibrahim tanzt und lacht. Den Text kann er gut.

Aus einem anderen Raum kommen unverkennbar Trompetengeräusche. Dort übt sich gerade die vierjährige Daniela an einem Instrument, das sie mit einem Schlauch und einem Trichter selbst gebastelt hat.

Mehr als nur Malen und Basteln: Was eine Kulturkita von anderen Kitas unterscheidet

Daniela (4) probiert ihr selbst gebasteltes Instrument aus. © Martina Niehaus

Auf dem Flur sitzt Petra Arslan auf einem Sessel. Gemeinsam mit Zoey, die vier Jahre alt ist, schaut sich die Erzieherin ein Bilderbuch an. Nicht irgendein Buch: „Otto, die kleine Spinne“ ist in zehn Sprachen übersetzt.

Angebote nicht nur für Kinder, sondern für die ganze Familie

Fünf Dortmunder Kindertageseinrichtungen sind Anfang Juli als Kulturkitas zertifiziert worden. Eine davon ist das Fabido-Familienzentrum an der Lünener Straße, mit acht Gruppen die größte städtische Kita. Leiterin Claudia Libor ist stolz auf die Zertifizierung durch das Kulturbüro.

Mehr als nur Malen und Basteln: Was eine Kulturkita von anderen Kitas unterscheidet

Claudia Libor ist Leiterin der FABIDO-Kita an der Lünener Straße. © Martina Niehaus

„Unsere Angebote sind nicht nur für Kinder, sondern wir haben die Möglichkeit, unsere Einrichtung für den gesamten Sozialraum zu öffnen“, sagt die 58-Jährige. Das bedeutet, dass es nach der Betreuungszeit noch zusätzliche Angebote gibt. Besonders die Eltern der 155 Kinder werden aktiv einbezogen.

Die Zertifizierung zur Kulturkita gehört zum kommunalen Gesamtkonzept „Kulturelle Bildung in Dortmund“. Die Kitas haben an der Entwicklung ebenso mitgearbeitet wie das Gisbert-von-Romberg-Berufskolleg, das Erzieherinnen und Erzieher ausbildet. „Außerdem gibt es ein Netzwerk mit Einrichtungen der Caritas oder der Awo, mit dem wir jetzt stärrker verknüpft sind“, sagt die Leiterin.

Das Konzept ist an jeder Ecke sichtbar

Natürlich wird auch in anderen Kitas gesungen, gemalt, musiziert oder Theater gespielt. Aber in der Lünener Straße ist das Konzept an jeder Ecke sichtbar. So zeigt der sechsjährige Finn stolz die Garderobe mit bunten Kostümen, die für die Vorstellungen der Theatergruppe genutzt werden - so wie zuletzt beim Stück „Plastian, der Fisch“, zu dem die Kinder auch ihr eigenes Drehbuch entworfen hatten. „Die Eltern haben viele dieser Kostüme genäht“, erklärt Claudia Libor.

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Der sechsjährige Finn zeigt die Theatergarderobe. © Martina Niehaus

Im Instrumenteraum gibt es „Musikkoffer“. darin werden selbst gefertigte Instrumente der Kinder gesammelt. Erzieherin Daniela Neubauer ist Fachkraft für musikalisch-ästhetische Erziehung und hat gerade eine Fortbildung an der Kinderoper gemacht.

„Durch die Zertifizierung als Kulturkita können wir die Stärken der Kollegen viel besser nutzen“, sagt auch Petra Arslan, die sich besonders um die Theatergruppe kümmert. „So entsteht mehr Professionalität - auch dadurch, dass wir in unserem Alltag mit Künstlern zusammenarbeiten.“

Ein Ausflug zum Theater wird für viele zum Abenteuer

Auch regelmäßige Ausflüge in die Oper und ins Theater sind für die Kinder etwas Besonderes. „Man muss auch sehen, dass wir hier in einem Bereich wirken, der von Armut geprägt ist“, sagt Claudia Libor. Und bei einem Theaterbesuch, bei dem auch viele Eltern mitkommen, ginge der Effekt über das rein ästhetische Erlebnis hinaus. Die Fahrt mit Bus und U-Bahn, das Zurechtfinden im Straßenverkehr, die Sprache: Hier wird alles angesprochen.

Mehr als nur Malen und Basteln: Was eine Kulturkita von anderen Kitas unterscheidet

Petra Arslan (51) liest mit Zoey ein Buch. Das Buch ist in zehn Sprachen übersetzt. © Martina Niehaus

Wichtig ist den Erzieherinnen, dass die Muttersprache der Kinder und ihrer Familien einen hohen Stellenwert hat. „Die Kinder sollen die Muttersprache nicht verlieren, sie ist für uns wichtig. Deshalb singen wir auch Lieder in ihrer Sprache oder bitten Eltern darum, in der Muttersprache vorzulesen.“

Und in der Zwischenzeit lernt Ibrahim weiter mit großem Spaß den Text der tanzenden Katze kennen.

Die vier weiteren neuen Kulturkitas sind:

  • FABIDO-Familienzentrum Lange Straße
  • Familienzentrum Bartoldus (Träger: Katholische Kindertageseinrichtungen östliches Ruhrgebiet gGmbH)
  • Kita der DSW21 (Träger ist die AWO)
  • FABIDO-Kita Hugo-Sickmann-Straße
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