Rentnerin (73) bekommt Hausverbot bei Bäcker Malzers in Dortmund

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Dorlies Beloch ist entrüstet. Für ein Café der Bäckerei-Kette Malzers in Dortmund hat sie Hausverbot bekommen – was sie überhaupt nicht nachvollziehen kann. Schuld ist eine defekte Toilette.

von Johannes Bauer

Mitte

, 03.12.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Es hätte ein gemütlicher Nachmittag werden können. Wie an jedem Freitag trifft sich Dorlies Beloch auch in der vergangenen Woche gegen 15 Uhr mit ihren Freundinnen im Café Malzers an der Kuckelke. Die Frauenrunde trinkt Kaffee, isst ein Stück Kuchen und plauscht. „Wir sind ein gutes Geschäft“, ist sich Beloch sicher.

Doch heute haben die Stammkundinnen dasselbe Problem wie jeder andere Gast: Die Toilette ist defekt. Eine Woche ist das schon so. Beloch habe die Verkäuferinnen darauf angesprochen und sogar bei der Hauptverwaltung von Malzers in Gelsenkirchen angerufen. Gebracht hat das nichts.

Krankheitsbedingte Blasenschwäche

Irgendwann hält die 73-Jährige es nicht mehr aus: Sie ignoriert die Bitte einer Verkäuferin und die mit Edding auf einen umgedrehten Pappteller geschriebene Warnung „Defekt!“ und geht aufs Klo.

„Ich hatte Brustkrebs und nachdem mir auf der linken Seite die Lymphknoten entfernt wurden, läuft meine Nase ständig und ich muss häufiger pinkeln“, erklärt Beloch. In jedem Fall sorgt der bei ihr diagnostizierte Diabetes Typ II oder „Zucker“ – wie die Rentnerin es nennt – für eine gewisse Blasenschwäche.

Malzers spricht von „gewaltsamer“ Toilettennutzung

In einer Erklärung betont Oliver Hein, Unternehmensberater von Malzers, dass ein kleiner Transportwagen vor der Toilette gestanden habe, da man diese nicht abschließen könne. Frau Beloch habe den Wagen zur Seite schieben müssen, um zur Toilette zu gelangen. Weiter ist von einer „gewaltsamen“ Toilettennutzung die Rede.

Außerdem möchte er darauf hinweisen, dass nur wenige Meter von der Filiale entfernt eine öffentliche Toilette an der U-Bahn-Station Reinoldikirche zur Verfügung stehen würde. Öffentliche Toiletten genießen in Dortmund allerdings nicht den besten Ruf. Die Toilette im Café sei bereits verstopft gewesen und eine weitere Benutzung folglich leider nur schwer hinzunehmen.

Toilettengang mit umstrittenen Folgen

Laut Dorlies Beloch hätte die Toilette einwandfrei funktioniert. Als sie in die Stube zurückkommt, soll sich ihr jedoch eine Verkäuferin in den Weg gestellt haben. „Ich erteile Ihnen Hausverbot“, hätte sie das Verhalten der 73-Jährigen verurteilt.

Ob wirklich ein ausdrückliches Hausverbot ausgesprochen wurde, konnte Unternehmenssprecher Hein bis Redaktionsschluss dieses Textes weder bestätigen noch verneinen. Er führt aber aus, dass es im Eifer des Gefechts durchaus so gewesen sein könnte.

„Alle haben zu uns rübergesehen.“
Dorlies Beloch (73)

Rentnerin reagiert schockiert

Bei Dorlies Beloch kam es jedenfalls als Hausverbot an. Aufgebracht kehrte sie daraufhin zum Tisch mit ihren Freundinnen zurück und verließ mit ihnen umgehend das Café. Die Art und Weise, wie mit ihr umgegangen wurde, schockiert die Rentnerin noch Tage später.

Für die Beschreibung der Verkäuferin benutzt Beloch das Wort „Furie“ – und als sie die Szene schildert, zittert ihre rechte Hand ein wenig: „Alle haben zu uns rübergesehen.“

Kaffeerunde dreimal die Woche

Erst drei Stunden nach dem Vorfall hätte sich die Rentnerin wieder beruhigt. In das Café an der Kuckelke möchten auch ihre Freundinnen künftig keinen Fuß mehr setzen. Dreimal die Woche fand ihre Kaffeerunde hier statt: montags, mittwochs und eben freitags. Jetzt müssen sie sich einen neuen Treffpunkt suchen – schon wieder.

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Beim Café Beckmann war es ihnen ohne Schirme im Sommer zu heiß und ohne Heizung im Winter zu kalt. Malzers Backstube an der Thier-Galerie war keine dauerhafte Option: Dorlies Beloch und einer Freundin war der Weg dorthin zu weit.

Solidarität macht Gruppe besonders

Zufrieden trafen sie sich jahrelang in einer Kamps-Filiale. „Doch der Sohn des Besitzers wollte einer Freundin von mir nicht helfen, Milch in ihren Kaffee zu schütten. Dabei ist sie seit einem Raubüberfall leicht behindert“, regt sich Beloch auf. Solidarisch verließen die Freundinnen daraufhin das Café.

Genau dieser Zusammenhalt zeichne die Gruppe aus. „Wir passen aufeinander auf“, meint die 73-Jährige. Wie drei ihrer Freundinnen lebt Beloch alleine, ihr Mann ist vor zwei Jahren gestorben. Wenn sie nicht zu ihrer Kaffeerunde geht, engagiert sie sich in der evangelischen St. Mariengemeinde oder spielt Rummy. So bleibt sie aktiv.

Viel von der Welt gesehen

An den Händen trägt Beloch viel Schmuck: einen vergoldeten Ring an jeder Hand und eine feine Kette, die sich vom Handgelenk um den rechten Mittel- und Zeigefinger schlingt. Ob der schwarze Pelz echt sei? Sie winkt ab: „Das wäre mir viel zu teuer, da fahr ich lieber in den Urlaub.“

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Zweimal möchte sie nächstes Jahr verreisen, beide Male nach Ägypten. Kenia, Sri, Lanka, Indien, Thailand, Malaysia, zählt sie aus dem Stand einige Länder auf, in denen sie schon war. „Ich bin weit rumgekommen und dadurch tolerant geworden“, sagt Beloch über sich selbst. So etwas wie den Vorfall am vergangenen Freitag hätte sie aber noch nicht erlebt.

Versöhnliches Ende bleibt offen

Bleibt die Frage, was passieren müsste, damit der Rentnerinnentreff dem Café Malzers an der Kuckelke noch eine Chance geben würde. Beloch weiß es selbst nicht genau. „Eine öffentliche Entschuldigung der Bedienung müsste es wohl schon sein“, vermutet sie. Ganz ausschließen möchte sie eine Versöhnung jedenfalls nicht.

„Ich bin kein Racheengel“, stellt die Rentnerin schulterzuckend fest. Ihre Freundinnen würden ihr immer sagen, dass sie zu gutmütig wäre und andere sich in so einer Situation viel mehr aufgeregt hätten.

Malzers geht auf Rentnerin zu

Auf der anderen Seite möchte sich Hein im Namen von Malzers laut Erklärung ausdrücklich bei den Kunden für die defekte Toilette entschuldigen. Sollte Beloch ein Hausverbot erteilt worden seien, möchte Malzers dieses zurücknehmen und sich bei allen anderen Kunden für die Unannehmlichkeiten entschuldigen.

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Der Bezirksleiter hätte bereits mit der zuständigen Mitarbeiterin am Telefon gesprochen. Ein persönliches Gespräch soll folgen. Darin könnte es auch darum gehen, dass sich die Mitarbeiterin bei der Rentnerin entschuldigt. „Als Unternehmen sind wir auf jeden Fall gewillt, eine persönliche Entschuldigung zu vermitteln“, so Hein.

Toilette funktioniert wieder

Mittlerweile ist die Toilette in Malzers Café wieder funktionsfähig. Bekannt sei das Problem seit vergangenem Dienstagabend (26.11.), der beauftragte Dienstleister konnte es am Tag darauf aber nicht beheben. Bis zum besagten Freitag hätte sich daran nichts geändert, weil ein wichtiges Ersatzteil gefehlt hätte.

Beloch steckt derweil die Hände in die Taschen ihres Kunstpelzes. Sie wirkt nachdenklich: „Selbst wenn sich die Bedienung bei mir entschuldigt und ich den anderen davon erzähle. Ich wüsste nicht, ob meine Freundinnen da wieder hingehen würden.“

Dann verabschiedet sie sich. Später trifft sie sich wieder mit ihren Freundinnen. Von ihrer Kaffeerunde haben sie sich noch nie abbringen lassen.

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