Manchmal sind Mütter für ihre Müdigkeit selbst verantwortlich

mlzEltern-Kolumne „Doppelkinder“

Kinder lassen ihre Eltern großzügig an ihrem Leben teilhaben – vor allem nachts. Zuweilen hat man sich schlaflose Nächte allerdings selbst zuzuschreiben. Denn Versprechen muss man halten.

Dortmund

, 03.03.2019, 03:52 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am Leben mit Kindern ist vieles anders, als ich es kinderlos jemals in Erwägung gezogen habe. Ganz anders. Ich zum Beispiel. Ich weiß noch, wie ich früher die Augen verdrehte, als mir meine Schwester erzählte, dass ihre zweieinhalbjährige Tochter noch mit im Elternschlafzimmer nächtigen würde.

Ich muss mich jetzt gerade stark zurückhalten, nicht laut prustend die Tastatur zu benetzen, weil ich über mich selbst lachen muss! Ich war so eitel und so vermessen in meinen Annahmen. So eitel und so vermessen, wie man es eigentlich nur sein kann, wenn man von etwas absolut keine Ahnung hat.

UNSERE KOLUMNE „DOPPELKINDER“

Aus dem Leben einer Zwillingsmama

Manchmal sind Mütter für ihre Müdigkeit selbst verantwortlich

© Julia Scharnowski

In unserer Eltern-Kolumne berichtet Julia Scharnowski jeden zweiten Sonntag aus ihrem Alltag, den sie mit Ehemann und Zwillingssöhnen in Dortmund erlebt. Sie schreibt darüber regelmäßig auf ihrem Blog „Doppelkinder“ und bei Instagram.

Wer schläft, hat Recht

Unsere Söhne sind jetzt dreieinhalb. Die Nächte, die sie in einem anderen Raum – oder gar in einem anderen Bett – als ich verbracht haben, ließen sich mit Leichtigkeit an zwei Händen abzählen. Zum Glück hat man die Hände als Eltern selten frei und muss dadurch nicht all zu ehrlich zu sich selbst sein. Interessanterweise stört mich diese Schlafsymbiose nicht im Geringsten. Zumindest meistens.

In der Regel beschert mir das großzügige Hinwegsehen über den einstigen Vorsatz „Jeder schläft in seinem eigenen Bett“ ein erhebliches Mehr an Schlaf. Und wer schläft, hat Recht. Das merken die meisten Eltern innerhalb weniger Wochen in ihrer neuen Rolle. Innerhalb dieser Wochen lernt man übrigens auch sehr anschaulich, warum Schlafentzug ein wirksames Druckmittel ist.

Nächtlicher Service-Marathon

Es gibt allerdings auch Nächte, in denen ich kurz davor bin, unsere Schlafsituation höchst kritisch zu überdenken. Allerdings komme ich nicht dazu. Ich bin dann damit beschäftigt, meinen Söhnen Wasser anzureichen, schlechte Träume zu verjagen, Schnuller aus Bettritzen und Füße aus meinem Rückgrat zu puhlen. Oder ich sehe zu, dass ich schleunigst wieder einschlafe, bevor die nächste Anfrage an mich gerichtet wird.

Ich wurde auch schon aus dem Schlaf gerissen, weil es einem der Söhne nach Pommes gelüstete. In dieser Hinsicht kennen Kinder kein Pardon und mit großartigem Verständnis, wenn dieser Wunsch verwehrt bleibt, muss man gar nicht erst rechnen. Kürzlich habe ich dem nächtlichen Nonsens aber selbst durch eine unbedachte Äußerung die Krone aufs Haupt gedrückt.

Mit einer hyperaktiven Krake in einem Holzkasten

Die Kinder haben neue Betten. Etagenbetten, die allerdings so augebaut sind, dass man wie in einer Holzkiste bodennah auf der Matratze liegt. Eines Nachmittags lag ich mit einem der Zwillinge in dieser höhlenartigen Ruhestätte und las ein Buch. „Schön hast du es hier“, entfleuchte es mir. „Ja, du kannst ruhig mal hier neben mir schlafen“, entgegnete das Kind.

Einen Abend später hat es diese Einladung erneut ausgesprochen – Widerspruch abgelehnt. Ich könnte jetzt in epischer Länge davon berichten, wie es sich gemeinsam mit einer hyperaktiven Krake auf 90 Zentimetern in einem Holzkasten schläft. Aber das schaffe ich zeitlich nicht, ich habe einen Termin beim Orthopäden.

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