An einer Schlafstätte von wohnungslosen Menschen nahe des Dortmunder U kam es zu einem Gewaltverbrechen. © Felix Guth
Mordkommission

Mann (45) in Dortmund getötet: „Wir wollen hier weg, weil es gefährlich ist“

Ein Wohnungsloser ist am Dortmunder U schwer verletzt gefunden worden, er starb wenig später. Die Staatsanwaltschaft geht von einem Gewaltverbrechen aus. Zeugen berichten von Aggressionen und Angst.

In der Dortmunder Innenstadt ist am Sonntag (19.9.) ein Mann durch Gewalteinwirkung gestorben. Nach bisherigem Stand der Ermittlungen könnte es sich um eine Tat innerhalb einer Gruppe von wohnungslosen Menschen gehandelt haben.

Das Opfer ist ein 45-jähriger Mann ohne festen Wohnsitz, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft Dortmund in einer Pressemitteilung am Montag (20.9.) mit.

Nach bisherigen Erkenntnissen spielte sich die Tat am Vormittag bis Mittag des 19. September an einem Weg zwischen dem Gebäude der BIG-Versicherung und einem Nebengebäude des U-Turms ab. An dieser Stelle befindet sich ein Schlafplatz von wohnungslosen Menschen.

Mann starb trotz Reanimationsversuchen an den Folgen der Gewalt

Passanten entdeckten dort am Sonntagmittag einen Schwerverletzten. Ein Rettungswagen brachte den verletzten Mann unter Reanimationsversuchen in ein Krankenhaus. Dort starb er wenig später, hieß es in der Mitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft Dortmund.

Die Leiche des 45-Jährigen ist am Sonntagabend bereits obduziert worden, so Staatsanwalt Felix Giesenregen. Die Obduktion habe ergeben, dass der Tote Opfer eines Gewaltverbrechens geworden sei. Giesenregen sprach von einem „vollendeten Tötungsdelikt“. Dementsprechend hat die Mordkommission die Ermittlungen aufgenommen.

Im Rahmen der Ermittlungen nahm die Polizei am Sonntag einen 39-Jährigen fest, der ebenfalls ohne festen Wohnsitz ist. Der Tatverdacht gegen ihn konnte nicht erhärtet werden. Er wurde aus dem Polizeigewahrsam entlassen.

Tatort befindet sich an einem Schlafplatz einer Gruppe Wohnungsloser

Im Umfeld des Tatorts deutete am Montag nichts mehr auf die Gewalttat am Vortag hin. Die Übernachtungsstelle mit Schlafsäcken, Matten und Kleidungsstücken war noch eingerichtet. Menschen waren dort nicht anzutreffen.

Es gibt im Umfeld des „U“ mehrere Stellen, die von wohnungslosen Menschen als Schlafplatz oder Aufenthaltsort genutzt werden. Angehörige der Szene sprechen von „mehr als 10 Personen“, die, über das Gelände verteilt, Schutz unter Vordächern und in Hauseingängen suchen.

Die Gruppe, zu der das Opfer gehörte, war bei anderen Wohnungslosen bekannt. Wenige Meter vom Durchgang zu den Treppen am U entfernt saßen am Montag mehrere Personen und sprachen über die Situation am Sonntag, die sie aus der Ferne beobachtet hatten.

Die Tat selbst habe er nicht mitbekommen, aber den folgenden Einsatz von Polizei und Rettungskräfte, berichtete ein Mann, der seinen Namen nicht nennen möchte. Er gehe von einem Streit innerhalb einer „ganz aggressiven Truppe“ aus. „Für die gibt es keinen Tag und keine Nacht. Sie trinken den ganzen Tag, dann prügeln sie sich gegenseitig“, sagte er.

Staatsanwaltschaft nennt keine Details

Und fügte hinzu: „Ich habe einen von ihnen seitdem nicht mehr gesehen. Hoffentlich war er es nicht. Es wäre schade um ihn, der war in Ordnung. Ich habe ihm vor drei Tagen noch eine Packung Blättchen geschenkt.“

Er kenne einige der Männer, die auch gegenüber anderen Wohnungslosen aggressiv geworden seien und Diebstähle begangen hätten. Deshalb sagte er: „Wir wollen hier weg, weil es gefährlich ist.“

Details zu Tathergang und der Art der letztlich tödlichen Verletzungen nannte die Staatsanwaltschaft am Montagnachmittag aus ermittlungstaktischen Gründen noch nicht. Die eingerichtete Mordkommission bittet die Bevölkerung um Hinweise: Wer hat am Sonntagmorgen (19. September) zwischen 8.45 Uhr und 11.15 Uhr an der Schlafstätte der Obdachlosen in der Emil-Schumacher-Straße zwischen U-Turm und „BIG“-Krankenkasse verdächtige Beobachtungen gemacht? Hinweise werden unter der Rufnummer 0231/132-7441 entgegengenommen.

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Seit 2010 Redakteur in Dortmund, davor im Sport- und Nachrichtengeschäft im gesamten Ruhrgebiet aktiv, Studienabschluss an der Ruhr-Universität Bochum. Ohne Ressortgrenzen immer auf der Suche nach den großen und kleinen Dingen, die Dortmund zu der Stadt machen, die sie ist.
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Felix Guth
Redakteurin
1983 im Münsterland geboren, seit 2010 im Ruhrpott zuhause und für die Ruhr Nachrichten unterwegs. Ich liebe es, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, Fragen zu stellen und vor allem: zuzuhören.
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