Für Marco Bülow ist das Fahrradfahren ein wichtiger Ausgleich zur Politik – besonders nach anstrengenden Debatten im Bundestag. © Robin Albers
Bundestagswahl 2021

Marco Bülow (Die Partei): „Fahrradfahren hat mich in der Politik immer gerettet“

Er ist bekannt für energische Reden im Bundestag. Darum benötigt der Bundestagsabgeordnete Marco Bülow, der auch jetzt wieder zur Wahl in Dortmund antritt, einen Ausgleich. Für ihn ist es das Fahrrad.

Marco Bülow beschreibt sich als einen emotionalen Politiker. Das passt: Der 50-jährige Bundestagsabgeordnete aus Dortmund ist durchaus bekannt für wütende Reden im Bundestag, in denen er meist gegen fragwürdigen Lobbyismus und mangelndes Interesse am Klimawandel der anderen Abgeordneten schießt.

„Mich regt das auch auf, deshalb mache ich auch nur Politik. Ich würde nie Politik machen, wenn ich zufrieden wäre“, so die Motivation von Bülow.

Nach anstrengenden und aufregenden Sitzungen im Bundestag brauche Bülow einen Ausgleich. Für ihn sei es Sport, besonders das Fahrradfahren. „Das hat mich in der Politik immer gerettet“, gibt der Politiker zu. Auch „um für Familie und Freunde erträglich zu bleiben“.

Fahrradfahren vom Opa gelernt

Dass Marco Bülow diesen Ausgleich viel in Anspruch nimmt, wird schnell klar. Als wir uns mit dem Politiker zu einer Fahrradtour am Signal-Iduna-Park treffen, schlägt er in Sportkleidung und mit Profi-Mountainbike auf – und natürlich auch mit Helm.

Fahrradfahren sei Marco Bülow in die Wiege gelegt geworden, erzählt er uns: „Mein Opa hat mir das beigebracht und immer gesagt, ich konnte schneller Fahrradfahren als Laufen.“ Der gebürtige Dortmunder sei schon immer mit dem Fahrrad unterwegs gewesen – ob Rennrad oder eben Mountainbike. Mit ihm mitzuhalten ist schwierig, als wir mit dem 50-Jährigen durch die Bolmke fahren, vor allem auf einem Stadtrad.

Das Fahrradfahren gehöre für Marco Bülow definitiv zu den drei wichtigsten Dingen in seinem Leben. Seine Fahrräder – er besitzt mehrere für verschiedenes Terrain – allerdings nicht. Das Fahrrad ist für den 50-Jährigen „eben doch nur ein Gebrauchsgegenstand“.

Müsste er sich zwischen Fahrradfahren und Politik entscheiden, würde er dennoch das Zweirad aufgeben, politisch zu sein ist ihm wichtiger. Auch wenn er bei der Frage lachend eingestehen muss: „Das ist so ein bisschen, ob man auf einen Arm oder ein Bein verzichtet!“

Wahlkampf mit dem Lastenrad

Für Marco Bülow ist das Fahrrad aber nicht nur Ausgleich, Sportgerät und Fortbewegungsmittel, sondern auch ein Teil seines Wahlkampfes. In Dortmund ist er mit einem von einem Schreiner umgebauten Lastenrad unterwegs. Das könne innerhalb von drei Minuten zu einem Stand umfunktioniert werden kann. „Das ist ganz cool, weil das schnell geht, unkompliziert ist und weil man dann auch an vielen Orten in kurzer Zeit sein kann.“

Marco Bülow sitzt seit 2002 für Dortmund im Bundestag. Zunächst in der Partei SPD, aus der er 2018 austrat, ebenso aus der Bundestagsfraktion. Danach war er zunächst fraktionslos – im November 2020 trat er dann der Satire-Partei „Die Partei“ bei, für die er jetzt auch für die kommende Bundestagswahl kandidiert.

Ob seine neue Partei-Heimat fahrradfreundlicher als die SPD ist, könne Bülow nicht sagen. „Die Partei Die Partei hat sich nicht viel mit Fahrradfahren auseinandergesetzt, da muss noch etwas getan werden“, gibt der Politiker zu. Dennoch zieht seine Ex-Partei SPD im Vergleich den Kürzeren. Bülow sei bei Fahrrad-Debatten „oft vor Wände gelaufen“, weil die Sozialdemokraten doch eine klare Autofahrer-Partei sei. Deshalb bekommt die Partei trotzdem den „Bonus“, so Bülow, „die haben eben noch nicht viel falsch gemacht“.

Scheuer mit dem Fahrrad außer Atem bringen

Obwohl Bülow sich selbst als Umweltpolitiker bezeichnet und ökologisch denkt, sei das Fahrradfahren für den 50-Jährigen nie politisch gewesen, er sei nie viel mit dem Rad gefahren, um CO2 einzusparen. „Aber es wird natürlich immer politischer“, sagt Bülow, gerade beim Thema Klimaschutz.

Marco Bülow könnte sich auch vorstellen, mal eine Fahrradtour mit einer Politikerin oder einem Politiker zu machen, mit der oder dem er nicht auf einer Wellenlänge ist. „Ob man dann so an einem Fluss langfährt im Schneckentempo, das ist nicht so meins, dafür bin ich doch zu sportlich unterwegs“, scherzt er.

Am liebsten fährt Marco Bülow mit seinem Mountainbike durch die Natur. © Robin Albers © Robin Albers

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) wäre einer, von dem er sich vorstellen könnte, dass er es schafft, mit Marco Bülow mitzuhalten. „Aber trotzdem würde ich ihn außer Atem bringen, und dann würde ich ihn dazu befragen, was er immer eigentlich nur mit der Auto-Lobby hat und was er denn gegen Fahrräder und Fußgänger und die Bevölkerung hat.“

Dortmund ist besser als Berlin

Als Bundestagsabgeordneter ist Bülow natürlich auch viel in Berlin. Tatsächlich fahre es sich zwar in Berlin besser, findet der Politiker. „Aber insgesamt ist der Verkehr rücksichtsloser. Spätestens da fängt man an, sich einen Helm anzuschaffen für die Stadt.“ In Dortmund sei der Radverkehr zwar „auch nicht besonders gut“, wegen schlechter Straßen oder vieler Baustellen – „da fehlt noch eine Ecke, aber es ist trotzdem einfacher als in Berlin“.

Das Fahrrad habe laut Bülow aber keinen hohen Stellenwert in Dortmund. „In dem Bereich hat sich echt nicht so viel entwickelt“, selbst unter einem Oberbürgermeister, der viel Fahrrad gefahren ist – Ullrich Sierau (SPD).

Trotzdem sei er gerne mit dem Fahrrad in Dortmund unterwegs: „Da gibt es eine Menge Stellen in Dortmund, wo man ziemlich viele Wege fahren kann, ohne Straßen zu kreuzen.“ Für flaches Terrain empfiehlt er den Norden, für hügelige Radtouren eher den Süden. Für Leute, die „mal schnell ein bisschen heizen wollen“, empfiehlt er die Radbahn „Dortmunder Niere“ zwischen Stadion und Phoenix-See. Bülows Geheimtipp für die Stadt, um „ein paar Kilometer zu machen ohne Autos“.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
1990 im Emsland geboren und dort aufgewachsen. Zum Studium nach Dortmund gezogen. Seit 2019 bei den Ruhr Nachrichten. Findet gerade in Zeiten von Fake News intensiv recherchierten Journalismus wichtig. Schreibt am liebsten über Soziales, Politik, Musik, Menschen und ihre Geschichten.
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Robin Albers

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