Marco Rummenigge über sein Karriere-Ende und einen Plan B

Das Interview

Vor rund zwei Wochen hat Marco Rummenigge seine Fußball-Karriere beendet. Im Alter von nur 22 Jahren. Zuletzt spielte der 37-malige Regionalliga-Spieler für den SV Waldhof Mannheim, zwei Jahre gehörte er auch der Dortmunder U23 an.

DORTMUND

29.03.2011, 06:16 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das war ein längerer Prozess. Ich hatte insgesamt vier Operationen an meinem lädierten Knie. Zuletzt musste ich im Oktober 2009 unters Messer. Danach habe ich nochmal kurz Hoffnung geschöpft und das Reha-Programm in Dortmund und Donaustauf durchgezogen. Doch Ende 2010 habe ich gemerkt, dass es nicht voran geht. Im November habe ich nochmal bei den BVB-Amateuren mittrainiert. Da ist das Knie wieder dick geworden. Auch eine Spritzenkur danach blieb ohne Erfolg. Danach war für mich klar, dass ich meine Karriere beenden muss.

Ein bisschen Wehmut ist mit dabei. Ich habe seit der C-Jugend alle Abteilungen beim BVB durchlaufen. Dazu habe ich in diversen DFB-Juniorenmannschaften gespielt. Der realistische Traum vom Profifußball war da. Allerdings gab es auch schwierige Phasen, als es in der Reha nicht besser wurde. Dann fragt man sich schon: Was ist eigentlich los hier?

Meine Familie hat mir besonderen Rückhalt gegeben. Mein Vater, der ja früher selbst Fußball spielte, hat mir immer wieder Mut zugesprochen. Ich bin nie ins Bodenlose gefallen. Während der Zeit, in der ich verletzt war, habe ich ein Studium als Sport- und Eventmanager aufgenommen. Im Sommer werde ich meine Bachelor-Arbeit schreiben. Danach will ich nochmal ein halbes Jahr ins Ausland gehen.

Mit Nuri Sahin und Kevin Großkreutz habe ich in der BVB-Jugend gespielt. Marcel Schmelzer kam später dazu. Wir pflegen ein freundschaftliches Verhältnis. Das macht mich auch ein bisschen stolz, dass ich mit denen mal zusammen gespielt habe.

Ja, unter Bert van Marwijk wurde eingeführt, dass Jugendspieler mindestens einmal die Woche mit den Profis üben. Zunächst waren Nuri Sahin, Sebastian Tyrala und ich dabei. Dann kam die schwere Knieverletzung dazwischen. Mit 17 Jahren, mitten in der Entwicklungsphase, zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt.

Ich habe von zu Hause mitbekommen, dass ein Schulabschluss sehr wichtig ist. Auch Zeit für Vorlesungen war immer da. Den Fall Julian Draxler finde ich echt schwierig. Er ist sehr jung. Auch er kann im Training umgehauen werden – mit einem Schlag kann alles vorbei sein. Man sollte immer einen Plan B bzw. einen Schulabschluss haben.

Ja, vielleicht könnten mein Vater oder mein Onkel mir die ein oder andere Tür öffnen. Zuletzt habe ich in der BVB-Marketingabteilung hospitiert. Aber ich bin nicht der Sohn oder der Neffe von irgendwem. Ich möchte als Marco Rummenigge wwahrgenommen werden. 

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