Marcus Grenz kann wieder richtig strahlen. Wenn er vom schweren Verlauf seiner Covid-Erkrankung berichtet, klingt er allerdings auch so, als hätte er die brenzlige Lage gar nicht als so bedrohlich empfunden. © Privat
Coronavirus

Marcus Grenz (51) wurde 12 Tage lang beatmet – bald will er wieder Tennis spielen

Covid-Erkrankungen treffen nur alte Leute hart? Marcus Grenz kann da widersprechen. Der 51-Jährige stand mitten im Leben, ohne Vorerkrankungen, bis er plötzlich kaum noch atmen konnte.

Man muss nicht lange mit Marcus Grenz sprechen, um zu merken, was für ein positiver und aktiver Typ er ist. Der Mann gehört zu der Sorte Mensch, bei der es unpassend klingt, zu sagen, dass er 51 Jahre alt ist. 51 Jahre jung, das passt besser.

Grenz sieht aus wie jemand, der es gewohnt ist, zu lachen. Manche Menschen haben das wie eine Charakter-Eigenschaft in den Gesichtszügen stehen. Dabei sagt er: „Mich hat‘s wirklich heftig erwischt.“ Gemeint ist das Coronavirus, das ihn drei Wochen lang komplett aus dem Leben gezogen hat – mit monatelang spürbaren Folgen.

Los ging die Leidensgeschichte am 16. Oktober, einem Freitag. „Am Tag davor ging es mir noch super, habe Tennis gespielt und etwas im Garten gemacht“, sagt Grenz. Doch dann kam plötzlich das Fieber: „Mir ging es auf einmal richtig schlecht und ich hing nur rum.“

Drei Tage danach, am Montag, hat Marcus Grenz bei seinem Hausarzt einen Corona-Test machen lassen. Wiederum ein Tag später war das positive Ergebnis da. Überhaupt nicht habe er vorher damit gerechnet, dass er angesteckt werden könnte: „Ich habe mich immer an die Vorgaben gehalten, mit Abstand und Maske.“

„Ich dachte, das legt sich schon wieder“

Der Hausarzt verschrieb ein fiebersenkendes Mittel, Grenz sollte seinen Zustand zu Hause beobachten. Am Freitag, also eine Woche nach den ersten Symptomen, kam eine Bekannte zu Besuch, die im Klinikum Nord arbeitet. Und die sah schnell, dass Marcus Grenz ins Krankenhaus gehörte. Also rief sie einen Rettungswagen.

„Schon seit ein paar Tagen hatte ich Atemnot“, sagt der Patient Mitte Dezember: „Aber ich dachte, das legt sich schon wieder. Ich konnte selbst zu Fuß in den Rettungswagen gehen.“ Dass ihn da eine wirklich ernsthafte Krankheit erwischt hat, wollte er erst gar nicht wahrhaben. „Ich bin wirklich fit, ich lebe gesund, treibe Sport, hab nie geraucht“, sagt der 51-Jährige: „Ich hab nie was gehabt. Mein Arzt sieht mich nur, wenn ich mal einen Check-up mache.“

Doch der körperliche Zustand war offenbar deutlich schlechter als der geistige. Am Klinikzentrum Nord angekommen, haben die Ärzte die Entscheidung schnell getroffen: „Zwölf Tage lang lag ich dann auf Intensiv“, sagt Grenz.

Damit sein Körper genügend Sauerstoff bekommt, wurde er über eine Maske beatmet, die er übers Gesicht ziehen musste. „Die Lungenmaschine mit dem Schlauch brauchte ich Gott sei Dank nicht“, sagt Grenz. Erkrankte, bei denen dies nötig ist, liegen deutlich länger „über Wochen, einzelne Patienten auch Monate“ auf der Intensivstation, wie Pneumologe Dr. Bernhard Schaaf erklärt.

In zwei Wochen verlor er 10 Kilo Körpergewicht

Aber auch die Therapie mit der Maske ist kein Spaß. „Das ist schon sehr beklemmend“, sagt Marcus Grenz. Immerhin habe er sich aber auf einen Stuhl am Waschbecken setzen können, um sich selbstständig waschen und rasieren zu können. Über die Zeit verbesserte sich sein Zustand dann, sodass er nach der Intensiv-Behandlung nur noch drei Tage lang auf der normalen Station bleiben musste.

In den zwei Wochen im Krankenhaus verlor der Knapp-zwei-Meter-Mann bis zur Entlassung rund 10 Kilo Körpergewicht. „Ich bin gelaufen wie ein 80-Jähriger“, sagt er, der unmittelbar vor der Krankheit noch Tennis gespielt hatte: „Ich hatte keine Kraft und natürlich auch keine Luft.“

Marcus Grenz hat sich seitdem ein echtes Trainingsprogramm geschaffen. Im Park in der Nachbarschaft hat er sich Schritt für Schritt Etappen für Spaziergänge vorgenommen. „Jetzt geht alles viel besser“, sagt er sechs Wochen danach: „Plötzlich komme ich die Treppe wieder ohne Pause hoch.“ Als selbstständiger Autohändler wurde er nicht krankgeschrieben – für sechs bis acht Wochen hätte er aber locker einen Schein bekommen, meint er.

Der Plan ist jetzt, im Februar wieder langsam aufs Fahrrad zu steigen oder den Tennisschläger in die Hand zu nehmen. Ende Januar muss Grenz noch einmal zur Kontrolle zu Dr. Schaaf ins Klinikzentrum Nord. „In dem Krankenhaus bin ich top betreut worden“, sagt er dankbar.

Motivations-Botschaft im Whatsapp-Status

Wo er sich angesteckt haben könnte, weiß Grenz bis heute nicht. „Jetzt passe ich doppelt auf“, sagt er aber. Manche Menschen reden nach schweren Krankheiten ja von zweiten Geburtstagen. „Ach, da mache ich mir keine großen Gedanken“, sagt Grenz: „Eigentlich hab ich die Geschichte abgehakt.“

Letzte Spuren finden sich aber noch in seinem Whatsapp-Status: „Werde gestählt zurückkommen!!!!“, steht da. Zusammen mit vielen gelben Emojis von hochgestreckten Daumen und angespannten Oberarmen. Wer weiß, ob diese Krankheit ohne diese positive Denkweise auch so glimpflich verlaufen wäre.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Kevin Kindel, geboren 1991 in Dortmund, seit 2009 als Journalist tätig, hat in Bremen und in Schweden Journalistik und Kommunikation studiert.
Zur Autorenseite
Kevin Kindel

Ahaus, Heek und Legden am Abend

Täglich um 18:30 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt