Trinker, Müll und Ratten: Verzweifelte Anwohner kämpfen für ihren Spielplatz

mlzIllegaler Müll

Die Anwohner sind wütend: Die Spielgeräte an ihrer Straße in Dortmund werden nicht von Kindern genutzt. Stattdessen verkommt der Platz zur wilden Müllkippe. Auf Hilfe warten sie vergeblich.

Huckarde

, 21.02.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf dem kleinen Platz stehen zwei Spielgeräte und zwei Bänke. Er soll die Straße aufwerten, eine Verschnaufpause ermöglichen und ein Treffpunkt für Kinder und ihre Eltern sein. Stattdessen ist der Mülleimer dort ständig überfüllt, übervolle Säcke liegen daneben.

Oft steht auch Sperrmüll auf der angrenzenden Rasenfläche. „Das verkommt hier zu einer wilden Müllkippe“, sagt Marlies Arnold. Mit ihrem Mann Günther (Namen von der Redaktion geändert) wohnt sie an der Marienstraße nahe des Huckarder Ortskerns.

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„Wir leiden wirklich sehr darunter“, erzählt Marlies Arnold. Doch viel entgegensetzen können sie dem nicht. Dabei wissen das Ehepaar und seine Nachbarn sogar, wer den Müll dort ablädt.

Anwohner bekommen keine Hilfe

Bei Nacht und Nebel kämen immer dieselben Menschen, um ihre Müllsäcke und ihren Sperrmüll auf dem Platz zu hinterlassen. „Einer steht Schmiere, der andere legt alles hin – in die Büsche, neben den Mülleimer, überallhin“, sagt Marlies Arnold.

Das Ehepaar und seine Nachbarn beobachten das Problem seit zwei Jahren. Und es sei kontinuierlich schlimmer geworden. „Wir bemühen uns, dass es hier sauber ist und dann kommt jemand und macht alles zunichte“, ärgert sich Günther Arnold.

Ein richtiger Spielplatz ist der Platz an der Marienstraße nicht, dennoch soll er demnächst als solcher deklariert werden.

Ein richtiger Spielplatz ist der Platz an der Marienstraße nicht, dennoch soll er demnächst als solcher deklariert werden. © Carolin West

Das Ehepaar habe sich deshalb bereits an die Bezirksvertretung und die Polizei gewandt. Bislang ohne Erfolg. „Alle haben Verständnis, aber niemand kann helfen“, sagt Günther Arnold. Auch die Angstraum- und „Schmuddelecken“-Begehung der Huckarder CDU habe bislang noch keine Verbesserung gebracht.

Der Müll werde einfach immer mal wieder entfernt, meist von den Quartierskümmerern. „Aber das kann ja nicht die Lösung sein, die Entsorgung kostet uns ja im Endeffekt alle Geld“, sagt Marlies Arnold.

Kamerabilder gelten nicht als Beweis

Zudem habe der Müll auch vierbeinige Folgen. Ratten machen sich in der Straße breit. Und das liege nicht nur an den Mülltonnen des angrenzenden Netto-Marktes, sondern auch an den teils unverschlossenen Säcken auf dem Platz an der Marienstraße, ist sich das Ehepaar sicher.

„Ich habe kürzlich sogar eine Ratte in unserem Keller getötet“, erzählt Günther Arnold und zeigt ein Foto auf seinem Handy. Ein Nachbar habe sich deshalb entschieden, den Platz zeitweise mit einer Videokamera zu überwachen.

Die Müllsäcke landen nicht nur in den Mülltonnen an den Häusern, sondern auch neben den Bänken auf dem künftigen Spielplatz.

Die Müllsäcke landen nicht nur in den Mülltonnen an den Häusern, sondern auch neben den Bänken auf dem künftigen Spielplatz. © Privat

„Doch selbst wenn er das machen würde: Die Bilder gelten nicht als Beweismittel“, sagt Günther Arnold. Schließlich sei es kein privates Grundstück, das damit überwacht werden soll.

„Mit einer solchen Überwachung sollte man deshalb vorsichtig sein“, sagt Polizei-Pressesprecherin Dana Seketa. „Am Ende geht es im Ernstfall vielleicht eher gegen den Besitzer der Kamera als gegen den Gefilmten.“

Trinker-Szene soll Platzverweise bekommen

Dana Seketa rät den Anwohnern, sich zusammenzuschließen und alle Vorkommnisse ausführlich schriftlich zu dokumentieren. „Zeit und Müllmenge sollten angegeben werden – und alle Informationen, die den oder die Täter beschreiben“, sagt sie.

Damit sollen die Anwohner dann noch einmal nachdrücklicher an die Stadt und die Huckarder Polizeiwache herantreten. „Sollte die Dokumentation dann nicht ausreichen, können die Anwohner vor Ort erfragen, was genau die Behörden noch brauchen, um etwas dagegen tun zu können.“

Sperrmüll wird einfach abgestellt auf dem kleinen Platz an der Marienstraße.

Sperrmüll wird einfach abgestellt auf dem kleinen Platz an der Marienstraße. © Privat

Positive Nachrichten gibt es zumindest hinsichtlich eines anderen Problems in der Marienstraße. Trinker würden sich abends auf dem kleinen Platz treffen und die Ruhe der Anwohner stören. Auch hier konnten Polizei und Ordnungsamt bislang nicht viel tun.

„Jetzt soll der Platz aber offiziell als Spielplatz ausgezeichnet werden“, sagt Marlies Arnold. „Dann können Platzverweise erteilt werden.“ Das Müllproblem sei damit jedoch noch nicht gelöst.

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