Marmelade vom Apfelmarkt verbannt

Lebensmittel-Auflagen

Wer beim Aplerbecker Apfelfest ab Freitag (5. bis 7. September) die leckere, selbst gemachte Himbeer- und Brombeer-Marmelade der Frauen vom Kleingartenverein „Fröhliche Morgensonne“ kaufen möchte, wird sie nicht finden. Schon vor zwei Jahren mussten die Damen an Ort und Stelle ihren Stand einpacken, vergrämt vom Ordnungsamt.

APLERBECK

, 04.09.2014, 15:48 Uhr / Lesedauer: 2 min
Sahnetorten sind nicht gut geeignet zum Verkauf bei Vereinsfesten. Sie brauchen eine Kühlung.

Sahnetorten sind nicht gut geeignet zum Verkauf bei Vereinsfesten. Sie brauchen eine Kühlung.

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Ebenso gehörten Gewicht und Inhaltsstoffe auf ein Etikett. Die ehrenamtlich tätigen Damen, die den Erlös aus dem Verkauf der Marmelade Kindern für einen guten Zweck zukommen lassen wollten, warfen daraufhin entnervt das Küchenhandtuch.Auch in diesem Jahr sind die Lebensmittel-Hygiene-Auflagen des Ordnungsamtes zum Apfelmarkt dazu geeignet, dass immer mehr Ehrenamtliche der Vereine die Lust verlieren. Der Kuchen, den sie auf der Rodenbergwiese verkaufen, soll nicht aus privaten Küchen kommen und außerdem nur pasteurisiertes Vollei enthalten. Das gilt ebenso für die Reibekuchen des TV Gutheil.

Und auch für die beliebten Apfelpüfferkes des Obst- und Gartenbauvereins gibt es in diesem Jahr erneut verschärfte Auflagen, sagt Günter Ehlers vom Aplerbecker Geschichtsverein. Der Stand braucht – wie die Kuchentheke – einen Spuckschutz, die Helfer dahinter Arbeitsschürzen. Und damit die Hinterlassenschaften der Enten am Rodenbergteich nicht in die Apfelpüfferkes geschleudert werden, muss ein abwaschbarer Bodenbelag unter den Stand. „Das führt in der Summe dazu, dass die Ehrenamtlichen langsam den Mut verlieren“, seufzt Ehlers.

Der Bürgerschützenverein Aplerbeck hatte im Vorfeld eine Vertreterin des Ordnungsamtes eingeladen, um mit 20 Vereinen die Auflagen zu diskutieren. Das seien EU-Vorschriften, habe es geheißen, berichtet Bernhard Fuest, Vorsitzender des Aplerbecker Förderkreises, der Veranstalter des Apfelmarktes ist. Auf den Hinweis, dass man im Sauerland oder in Unna weniger strikt vorgehe, habe die Stadtmitarbeiterin erklärt: „Das ist für uns Ausland.“

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Auf EU-Recht kann sich das Ordnungsamt allerdings nur bedingt berufen. Dort heißt es nämlich in der entsprechenden Verordnung: Wer nur gelegentlich und im kleinen Rahmen Lebensmittel handhabt, unterliege nicht den Hygienevorschriften der Europäischen Gemeinschaft. Dazu erklärte Stadtsprecher Hans-Joachim Skupsch, auf dem Aplerbecker Apfelmarkt verkauften überwiegend kommerzielle Unternehmen ihre Waren. Zwei Lebensmittelkontrolleure des Ordnungsamtes würden am Wochenende „mit Augenmaß vorgehen und zwischen gelegentlichen Anbietern und kommerziellen Anbietern zu unterscheiden wissen.“

Das gilt für Privatpersonen: „Wer gelegentlich und im kleinen Rahmen Lebensmittel handhabt, lagert oder Speisen zubereitet (z.B. Kirchen, Schulen oder anlässlich von Dorffesten (...), für die freiwillige Helfer Lebensmittel zubereiten), kann nicht als Unternehmen angesehen werden und unterliegt daher nicht den Hygienevorschriften der Gemeinschaft.“

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