Marsimoto-Konzert im FZW – Zwischen Realität und Halluzination

Konzerte in Dortmund

Noch sind die Bäume kahl in Dortmund, für eine grüne Explosion sorgte am Mittwochabend aber Marsimoto. Im FZW nahm Marterias „Kiffer-Ich“ sein Publikum mit auf einen Marihuana-Trip.

Dortmund

, 21.02.2019, 10:15 Uhr / Lesedauer: 2 min
Marsimoto, alias Marteria, verwandelte die Bühne des FZWs in eine grün leuchtende Marihuana-Halluzination.

Marsimoto, alias Marteria, verwandelte die Bühne des FZWs in eine grün leuchtende Marihuana-Halluzination. © Oliver Schaper

Lichter blinken im Millisekunden-Takt, Nebel steigt auf. Langsam kommt, unterlegt von wummerndem Bass, die Silhouette einer grün leuchtenden Kreatur zum Vorschein. Um ihre Ankunft in Dortmund zu zelebrieren, haben sich am Mittwochabend gut 1300 Marsianer, die Fans Marsimotos, im ausverkauften FZW zusammengefunden.

Denn da oben auf der Bühne steht einer der besten deutschen Live-Acts, die es momentan gibt. Versteckt hinter seiner grünen Maske und mit hochgepitchter Helium-Stimme reißt Marten Laciny, alias Marteria, als sein Alter-Ego Marsimoto eine Show ab, die nicht wie von dieser Welt wirkt. Und das ist nur konsequent, denn Marsimoto, oder Marsi, wie seine Fans ihn nennen, stammt schließlich nicht von diesem Planeten, sondern vom Mars.

Kiffender Außerirdischer vom Mars

Auf der Erde frönt er als exzentrischer, wahnhafter Außerirdischer dem Marihuana. Das "kleine grüne Gold" findet sich nicht nur in seinem Song "Grüner Samt" wieder, sondern auch in den Händen vieler Zuhörer. Der Geruch von qualmenden Joints wabert durch den ausverkauften Saal des FZWs und vermischt sich mit dem Rauch der Nebelmaschinen.

Diese arbeiten auf Hochtouren und verwandeln die "kleine Bühne", der er ein eigenes Lied widmet, in eine hauptsächlich grüne, aber auch mal rot oder hell erleuchtete, Fantasiewelt, aus der nur ein Wesen stammen kann, das nicht von dieser Welt ist. Warum es auf diesen Planeten gekommen ist? Um ihn grüner und friedlicher zu machen.

Eine überdemensionierte Marsimoto-Maske auf der Bühne nimmt das Publikum ins Visier.

Eine überdemensionierte Marsimoto-Maske auf der Bühne nimmt das Publikum ins Visier. © Oliver Schaper

Marsimoto ist dabei weniger poppig als Marteria, sondern experimenteller, psychedelischer. Die Texte sind gespickt mit Worstpielen wie "alle sind hier gleich, keiner ist hier arm, keiner ist hier Scheich" aus dem Song "Vespa Gang" seines fünften Albums "Verde", dem spanischen Wort für Grün. Als "letztes grünes Einhorn" rappt er von Dönern, Indianern, Anarchie und zelebriert das Kiffen: Nur um in "Illegalize it" dann doch zu fordern: "Sehr verehrte Polizei, sperrt alle Kiffer ein", denn "nur Marsianer dürfen rauchen".

Konzert versetzt Publikum in grünen Rausch

Die Gefühlsschwankungen der Kreatur auf der Bühne durchlebt auch das Publikum. Marsimoto versetzt es abwechselnd immer wieder in Trance und Ekstase.

Am Ende verschwindet er, wie er aufgetaucht ist – in einer Nebelschwade. Die Lichter gehen an und man fragt sich, ob das alles gerade wirklich so passiert ist oder doch nur Teil eines wirklich merkwürdigen und ziemlich grünen Traums war. Ein Rausch war das Konzert von Marsimoto auf die ein oder andere Weise allemal.

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