Martinshorn zu laut? Dortmunder beschweren sich bei der Feuerwehr

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Die Feuerwehr in Mettmann wurde von Anwohnern in einer E-Mail beschimpft, weil Rettungskräfte abends mit Martinshorn zum Einsatz fuhren. Auch die Dortmunder Feuerwehr kennt solche Vorwürfe.

Dortmund

, 25.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Ein Facebook-Beitrag der Feuerwehr Mettmann erlangte Anfang der Woche bundesweit mediale Aufmerksamkeit: Weil Rettungskräfte mit Martinshorn zu einem abendlichen Feueralarm gefahren waren, schrieben Anwohner eine anonyme E-Mail und drohten mit einer Anzeige wegen Körperverletzung. Die Feuerwehr Mettmann veröffentlichte die E-Mail am Sonntagnachmittag (21. Juli) auf Facebook.

Der Absender, der die Nachricht mit „die kranken Anwohner“ unterschrieb, beschreibt die Rettungskräfte darin als „Wilde“, die man noch einmal „auf den Einsatz der Martinshörner“ schulen solle. Der Beitrag erreichte ein gewaltiges Echo. Er wurde bis Donnerstagmittag über 4000 Mal kommentiert, die meisten Facebook-Nutzer stellten sich dabei hinter die Einsatzkräfte.

Das „Wegerecht“ verlangt nach Blaulicht und Martinshorn

Auch die Dortmunder Feuerwehr bekommt Beschwerden von Anwohnern – „aber nicht in diesem Ausmaß“, sagt Feuerwehr-Sprecher André Lüddecke. „Wir kriegen immer wieder mal E-Mails oder Nachrichten über die Sozialen Medien. Anwohner, die sich von den Einsatzhörnern gestört fühlen, fragen darin: Muss das sein?“

Lüddeckes Antwort darauf ist kurz und knapp: „Ja!“ Er gibt zu Bedenken, dass Feuerwehr- und Rettungswagen auf dem Weg zu dringenden Einsätzen laut Gesetz eigentlich immer das Martinshorn anschalten müssten, denn nur so sei das „Wegerecht“ in der Straßenverkehrsordnung (§ 38) gesichert. Es erlaubt den Einsatzfahrzeugen, schneller oder zum Beispiel über rote Ampeln zu fahren.

„Wir können sie nicht einfach leiser drehen“

Erst die Kombination von Blaulicht und Horn ordnet an: „Alle übrigen Verkehrsteilnehmer haben sofort freie Bahn zu schaffen.“ Blaulicht für sich allein habe nur Warncharakter, sagt Lüddecke. Andere Verkehrsteilnehmer würden ohne Martinshorn nicht auf das Wegerecht des Einsatzfahrzeugs hingewiesen.

Martinshorn zu laut? Dortmunder beschweren sich bei der Feuerwehr

© dpa

Auch die Lautstärke der Martinshörner sei technisch vorgeschrieben. „Wir können sie nicht einfach leiser drehen“, sagt Lüddecke. Den Unmut mancher Anwohner kann er nachvollziehen, „vor allem, wenn in den Haushalten kleine Kinder leben.“ Aber Drohungen und Beleidigungen, wie es sie gegenüber der Feuerwehr Mettmann gegeben hat, seien keine Lösung.

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In der E-Mail, wie sie die Feuerwehr Mettmann auf Facebook veröffentlichte, schrieben die Beschwerder: „Sollte jetzt noch ein einziges Mal die Einsatzfahrzeuge in der lautesten Sirenenfrequenz durch die Innenstadt fahren, obwohl weder an der Kreuzung im Zentrum noch in der Bahnstraße noch in der verkehrsberuhigten Breite Straße weder Auto noch Fußgänger unterwegs waren (in Bild und Ton festgehalten), erstatten wir in Wohngemeinschaft von den betreffenden Bewohnern Anzeige wegen Körperverletzung.“

Innenminister stellt sich hinter die Rettungskräfte

In Reaktion darauf hat sich inzwischen auch Innenminister Herbert Reul (CDU) hinter die Rettungskräfte gestellt. Er sagte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa), es gehe beim Einsatz von Blaulicht und Martinshorn „oft um Menschenleben und immer um die Abwendung höchster Gefahr. Jeder, der einmal in einer Notsituation schnelle Hilfe benötigte, weiß das zu schätzen“.

Reul sagte: „Im konkreten Fall waren Martinshorn und Blaulicht rechtmäßig.“ Und so fragt sich auch Dortmunds Feuerwehr-Sprecher André Lüddecke: „Was wollen die Anwohner denn anzeigen, wenn sich die Feuerwehr vorschriftsmäßig verhält?“

Mit Material von dpa

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