Maskenpflicht im Restaurant? Dortmunder Gastronom: „Zu viel Angstmache“ (mit Video)

mlzDigitaler Stammtisch

Wie rauskommen aus der Corona-Krise? Über einen achtsamen Neustart der Gastronomie in Dortmund trotz Maskenpflicht diskutierten Experten beim Digitalen Stammtisch der Ruhr Nachrichten.

Dortmund

, 23.04.2020, 19:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

Statt im Biergarten zu sitzen, wurde am späten und sonnigen Donnerstagnachmittag beim Digitalen Stammtisch der RN-Redaktion über Biergärten und über die Dortmunder Gastronomie generell geredet.

„Zerstört Corona die Gastronomie?“, lautete die Frage, die die renommierten Gastronomen Detlef Lotte (Dieckmanns und Schönes Leben) und Oliver Buschmann („Herr Walter“ im Hafen) sowie der Finanzexperte Wolfgang Scharf (Creditreform Dortmund/Witten) mit den Teilnehmern des Video-Chats erörterten.

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Der Jubel über die für ein Jahr beschlossene Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf sieben Prozent fiel eher verhalten aus. „Wir freuen uns über jede Möglichkeit, Geld zu verdienen. Die Senkung verschafft uns möglicherweise ein wenig Speck auf den Rippen, aber die Schäden werden in so kurzer Zeit nicht behoben werden können“, sagte Detlef Lotte. Wie Oliver Buschmann wünschte er sich, dass der Steuersatz von sieben Prozent, der ohnehin nur für Speisen gelten werde, langfristig so bleibe.

Video
Zerstört Corona die Gastronomie?

Die Gastronomen schielen auf den 18. Mai

Finanzexperte Wolfgang Scharf verwies darauf, dass die Steuersenkung nur dem helfe, der am Ende des Jahres auch noch etwas zu versteuern habe: „Jede Verbesserung der Rendite ist gut. Die Steuersenkung ist langfristig sicher gut, ich sehe aber kurzfristig das Problem. Viele Kleinbetriebe mit ein oder zwei Leuten werden still und leise verschwinden, weil sie kaum Eigenkapital haben, um diese Zeit zu überbrücken.“

Über die Folgen der Corona-Krise für die Gastronomie in Dortmund diskutierten Oliver Buschmann (oben links), Detlef Lotte (unten links) und Wolfgang Scharf (unten rechts).

Über die Folgen der Corona-Krise für die Gastronomie in Dortmund diskutierten Oliver Buschmann (oben links), Detlef Lotte (unten links) und Wolfgang Scharf (unten rechts). © Stephan Schütze

Es muss also wieder losgehen. Ein achtsamer Neustart müsse der Gastronomie ermöglicht werden. Detlef Lotte und Oliver Buschmann schielen mit der gesamten Branche auf den 18. Mai. Aber, selbst wenn sie dann ihre Zapfhähne wieder aufdrehen und ihre Herdplatten anschmeißen können, ist nicht alles Gold, was glänzt. „Macht es Sinn, die Gaststätten zu öffnen, wenn eine Maskenpflicht gilt?“, lautete die im Chat gestellte Frage eines „Stammtisch“-Teilnehmers.

Lohnt sich der Aufwand für weniger Gäste?

„Mir ist das zu viel Panoptikum und Angstmache. Bei Mitarbeitern muss die Maske sein, den Gästen sollte man es freistellen“, sagte Detlef Lotte. Die Abstandsregel müsse natürlich eingehalten werden, betonte Oliver Buschmann und benannte gleich sein Problem: „Wenn bei mir im Außenbereich die Gäste mit einem Buch im Stuhl liegen, über Stunden zwei Getränke verzehren und ich nur 100 Leute hereinlassen darf, weiß ich nicht, ob sich der Aufwand für mich lohnt.“

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Die Frage nach Aufwand und Ertrag bei nur der Hälfte der Gäste werden sich viele Gastronomen stellen. Detlef Lotte appellierte an das Durchhalten: „Die Gastronomie ist das Wohnzimmer Deutschlands. Das wird nach Corona wieder so sein. Die Menschen wollen ja weiter Spaß haben.“

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