„50 Euro wegen so einem Scheiß!“ Maskenpflicht-Kontrolle in der Nordstadt

mlzMaskenpflicht in der Nordstadt

Seit gut einer Woche gilt auf dem Nordmarkt und auf der Münsterstraße in der Nordstadt die Maskenpflicht. Das Ordnungsamt will nun noch schärfer kontrollieren. Wir haben uns die Lage vor Ort angesehen.

Dortmund

, 23.10.2020, 18:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Damit wirklich jedem klar wird: Jetzt ist der Punkt erreicht, dass die Regeln eingehalten werden müssen“ – so begründete die Dortmunder Ordnungsamt-Chefin Heike Tassilo am Freitag (23.10.) in einer Pressekonferenz die verstärkten Kontrollen der Maskenpflicht in Gebieten, wo viele Menschen zusammenkommen. Dazu sollen mehr auch Beamte aus anderen Behörden eingesetzt werden.

Tassilo sagte auch, dass der „Kontrolldruck in die Flächen“ schon am gleichen Tag steigen soll. Da bietet es sich doch an, direkt mal nachzuschauen, wie das in einem der Dortmunder Corona-Hotspots läuft – in der Nordstadt.

Bußgeld stößt auf Unmut

Die Maskenpflicht gilt unter anderem auf dem Nordmarkt. Als unser Reporter am Freitag um kurz nach 16 Uhr an dem Park an der Mallinckrodtstraße ankommt, bietet sich auch gleich schon das erste Ordnungsamt-gegen-Maskenverweigerer-Szenario.

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Zwei Männer werden von fünf Beamten an dem Toilettenhaus umstellt und belehrt. Beide tragen keine Maske, zeigen sich lautstark uneinsichtig.

Die Ordnungsamt-Chefin Tassilo kündigte in der Pressekonferenz auch an, dass härter durchgegriffen werde: keine mündlichen Verwarnungen mehr. Die beiden Männer bekommen deshalb auch ein Bußgeld aufgedrückt. „50 Euro wegen so einem Scheiß!“, brüllt einer von ihnen.

Viel zu tun am Nordmarkt

Unser Reporter wird auf dem Nordmarkt von einem älteren Herren angesprochen – Wolfgang, kein „Stammgast“ im Park, aber er sei schon regelmäßig dort, erzählt er.

Das Ordnungsamt hat auf dem Nordmarkt viel zu tun.

Das Ordnungsamt hat auf dem Nordmarkt viel zu tun. © Robin Albers

Auch er habe ein Bußgeld am Freitagmorgen aufgedrückt bekommen, da er keine Maske getragen habe. Dagegen möchte Wolfgang aber angehen. Er hält die Maskenpflicht für übertrieben, „Augenwischerei“ nennt er sie.

Außerdem werde mit zweierlei Maß am Nordmarkt kontrolliert. Die Ordnungskräfte würden sich nur auf die Leute aus der Drogen-Szene stürzen, andere Menschen würden sie ignorieren.

Das kann unser Reporter während seines Aufenthalts nicht bestätigen - denn es gibt einfach viel zu tun auf dem Nordmarkt. Zwar zeigt die Präsenz des Ordnungsamtes Wirkung, da mehr Leute ihre Maske über die Nase ziehen. Aber die Streife hat sich wegen der vielen Kontrollen nur ein paar Meter vom Toilettenhäuschen entfernen können, bevor die nächsten Leute angesprochen werden müssen. Eine zweite Streife rückt zur Verstärkung an.

Wo kein Richter, da kein Kläger

An der Münsterstraße sieht die Lage anders aus. Dort ist am Freitagnachmittag keine Spur vom Ordnungsamt. Es ist zu beobachten, dass der Umgang mit der Maskenpflicht an der Münsterstraße liberal zu sein scheint.

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Deshalb eine kurze Stichprobe um 16.45 Uhr: Zehn Minuten lang zählt unser Reporter auf dem Vorplatz der St.-Joseph-Kirche die Maskenverstöße.

In der Zeit sind Gruppen zu beobachten, bei denen ein Teil Maske trägt, der andere nicht. Menschen, die keine Maske tragen und welche, die sie nur auf „halb Acht“ am Kinn oder von einem Ohr hängend tragen. Aus den Querstraßen kommen aber auch immer vereinzelt Leute, die ihre Maske brav aufziehen, sobald sie die Münsterstraße betreten.

Hohe Zahl an Verstößen in 10 Minuten

In zehn Minuten kommen 106 beobachtete Verstöße zusammen. Trotz miesem Wetter ist einiges auf der Münsterstraße los. Das wären 5.300 Euro, die das Ordnungsamt hätte in kurzer Zeit kassieren können.

Nicht nur in der City, sondern auch auf dem Nordmarkt gilt seit zehn Tagen die Maskenpflicht.

Nicht nur in der City, sondern auch auf dem Nordmarkt gilt seit zehn Tagen die Maskenpflicht. © Robin Albers

Nach der Zählung steht ein Mann vor der Kirche. Auch er trägt keine Maske. Angesprochen auf die Maskenpflicht erwidert er überrascht: „Ich dachte die gilt nur in Einkaufsstraßen?“ Von dem Beschluss habe er nichts gehört, es gebe ja auch keine Schilder.

Die gibt es schon - sie sind nur schwer zu finden. Im Bereich von der Heiligegartenstraße bis zum Vorplatz an der Kirche entdeckt unser Reporter keins. Im restlichen Teil der Fußgängerzone an der Münsterstraße hängen ein paar – die sind aber klein und unauffällig wie die auf dem Westenhellweg.

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