„Anti-demokratisches und anti-soziales Verhalten“

mlzMaskenpflicht in der City

Was passiert eigentlich, wenn man Maskenmuffel auf dem Westenhellweg anspricht? Der 72-jährige Dortmunder John Heaven hat es ausprobiert – und Ernüchterndes bis Erschreckendes erlebt.

Dortmund

, 28.10.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

John Heaven wollte eigentlich nur in die Dortmunder City, um ein paar kleinere Einkäufe zu erledigen. Auf seinem Weg über den Osten- und Westenhellweg seien ihm dann allerdings so viele Personen ohne Mundschutz aufgefallen, dass er bei einigen mal nachfragen wollte, wieso sie ohne Maske unterwegs seien. Die Antworten waren beinahe alle beleidigender Natur, sagt er.

Findet die Maskenpflicht auf dem Hellweg kaum Beachtung?

Der 72-Jährige sagt, er sei vielleicht 30 bis 40 Minuten in der Stadt gewesen und dabei seien ihm ständig Menschen ohne entsprechenden Mund-Nasen-Schutz entgegengekommen. Es habe ihn erschrocken wie viele Menschen geltendes Recht einfach ignorierten, „trotz der Schilder, trotz so vieler Zeitungsberichte.“

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In den vergangenen Tagen dachte Heaven sich noch, dass die oft wechselnden Bestimmungen vielleicht „nicht zu jedem durchgedrungen sind.“ Da er sich das bei der aktuellen Berichterstattung allerdings nur noch schwer vorstellen konnte, fragte er die Maskenmuffel einfach.

Fast nur Pöbeleien nach einer harmlosen Frage

„Ich habe ganz nett immer die selbe Frage gestellt: ‚Entschuldigung, hier gilt eine Maskenpflicht, wissen Sie das?‘“ Er habe über 15 Menschen gefragt und nur einmal jemanden vorgefunden, der sich seines unrechtmäßigen Verhaltens tatsächlich nicht bewusst war.

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Alle anderen haben „Verpiss dich“ oder „Halt´s Maul“ geantwortet, den Stinkefinger gezeigt oder ihn komplett ignoriert, sagt Heaven.

„Gesetze werden gemacht und gelten“

Für den 72-Jährigen ist dies keine Kleinigkeit, sondern „anti-demokratisches- und anti-soziales Verhalten.“ Mit seinem leichten englischen Akzent erklärt er: „Wir leben hier in Deutschland in einer super Demokratie, einer freiheitlichen Demokratie.“

Und weiter: „Gesetze werden gemacht und gelten“. Er erwarte, dass auch diejenigen, die mit einer Regelung nicht einverstanden sind, sich an sie halten, „egal ob das die Maskenpflicht ist, Parkverbote oder Steuern“.

Weiterhin den Dialog suchen

John Heaven ist 1976 aus England nach Deutschland gekommen, „der Liebe wegen“, wie er sagt. „Ich fühle mich deutsch und identifiziere mich mit Deutschland.“ Er komme aus einer politischen Familie und ist das Diskutieren aus dem heimischen Esszimmer gewohnt. Den Dialog mit Andersdenkenden wird er vielleicht auch deswegen weiterhin suchen.

Angst vor Übergriffen wie zuletzt von der DSW21 oder dem Ordnungsamt berichtet, hatte er trotz der Beleidigungen nicht: „Das war offen in der Fußgängerzone, mit vielen Leuten drumherum. 22 Uhr Abends in einer U-Bahn in der Nordstadt wäre das etwas anderes."

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