Mehr Schulden durch Corona: Beratungsstellen kommen an ihre Grenzen

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Bereits vor der Corona-Krise waren die Schuldnerberatungsstellen überlaufen. Im Herbst wird nochmal ein größerer Ansturm auf die Beratungsstellen erwartet, diese schlagen jetzt Alarm.

Dortmund

, 30.09.2020, 19:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Schuldnerberatung der Diakonie verzeichnet in der Corona-Krise eine stetig gestiegene Nachfrage nach Beratung. Im Herbst erwartet die Schuldnerberatung nochmal einen Ansturm an Beratungsanfragen, doch bereits vor der Corona-Krise konnten bei weitem nicht alle Menschen beraten werden.

Bereits vor der Corona-Krise konnten nur 10 bis 20 Prozent der überschuldeten Menschen bei Beratungsstellen der Diakonie beraten werden. Einen Ansturm können die Beratungsstellen nicht bewältigen, heißt es in einer Pressemitteilung der Diakonie Deutschland.

“Viele Menschen geraten durch die Corona-Krise in Schulden“

„Ohne eine bessere Ausstattung geht die Schuldnerberatung unter und viele überschuldete Menschen geraten ins soziale Abseits“, sagt Maria Loheide, Vorstand Sozialpolitik der Diakonie Deutschland. Die Diakonie dringt darauf, die Schuldnerberatungsstellen rasch personell und finanziell besser auszustatten, um den erhöhten Bedarf an Beratung bewältigen zu können.

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Thomas Bohne ist Leiter der sozialen Schuldner- und Insolvenzberatung der Diakonie Dortmund. Auch er beobachtet eine steigende Nachfrage nach Schuldnerberatungen während der Corona-Krise.

„Viele Menschen geraten durch die Corona-Krise in Schulden“, erzählt Bohne. „Wir kriegen mehr Anrufe von Menschen, die aufgrund der Corona-Krise in finanzielle Schwierigkeiten gekommen sind“. Im Jahr 2020 gab es deutlich mehr Anfragen für eine Schuldnerberatung, meint Bohne.

Nachfrage in Dortmund übersteigt Angebot

Die Nachfrage sei in Dortmund auf jeden Fall höher als das Angebot. Letztes Jahr habe die Diakonie in Dortmund rund 3500 Kurzberatungen geleistet, nur 265 Fälle konnten intensiver bearbeitet werden. Bohne wünscht sich daher mehr finanzielle Ressourcen.

Der Sozialdienst katholischer Männer bietet in Dortmund ebenfalls Schuldnerberatungen an. Geschäftsführer Alwin Buttenkotte kann der Einschätzung der Diakonie nur zustimmen: „Wir erwarten im Herbst einen großen Ansturm, der uns an den Rand unserer Möglichkeiten bringt.“

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Denn die Vollzeitmitarbeiter in der Schuldnerberatungsstelle können laut Buttenkotte insgesamt 500 bis 600 Intensivberatungen stemmen. Im vergangenen Jahr konnte der SKM 1200 Kurzberatungen anbieten.

Dortmunder Überschuldungsquote liegt über Bundesdurchschnitt

Die Überschuldungsquote liegt in Dortmund bei knapp über 14 Prozent, bundesweit dagegen bei etwa 10 Prozent.

„Bei knapp 600.000 Einwohnern in Dortmund wären das dann rund 85.000 verschuldete Menschen“, sagt Buttenkotte. Man müsse daher kein Mathematiker sein, um zu merken, dass selbst mit anderen Schuldnerberatungsstellen bei weitem nicht alle Menschen beraten werden können.

Auch vor der Corona-Pandemie war die Schuldnerberatungsstelle des SKM „seit Jahren überfrequentiert, das ist ein Fakt“, meint Buttenkotte. Während der Corona-Krise sind viele Menschen arbeitslos geworden, weshalb auch die Verschuldung weiter steigt, erklärt Buttenkotte. Und auch sonst erleichtert Corona die Arbeit in den Schuldnerberatungsstellen nicht.

Denn während der Zeit des Lockdowns konnte der SKM keine persönlichen Beratungen anbieten. Mit einer Video-, E-Mail oder Telefonberatung konnte man zwar Alternativen finden, doch ersetzen können diese die persönliche Beratung nicht, meint Buttenkotte.

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