Mehr als 7000 Dortmunder sind im vergangenen Jahr gestorben. © Stephan Schuetze
Übersterblichkeit

Meiste Tote in Dortmund seit 11 Jahren: Welche Rolle spielte Corona?

Im vergangenen Jahr sind 165 Dortmunder als Corona-Tote gezählt worden. Zur sogenannten Übersterblichkeit hat zuletzt auch eine andere Krankheit bedeutend beigetragen.

Begriffe wie Inzidenz oder Reproduktionszahl haben die wenigsten Menschen vor der Corona-Pandemie gekannt. Auch die sogenannte Übersterblichkeit ist erst in den vergangenen Monaten Thema geworden. Sie beschreibt, wie viel mehr Menschen gestorben sind als in normalen Jahren.

Die Stadt Dortmund teilt auf Anfrage unserer Redaktion mit, dass im vergangenen Jahr insgesamt 7153 Bürger gestorben sind. Das sind zwei Prozent mehr als im Vorjahr und der höchste Wert der vergangenen elf Jahre – wenngleich es im Jahr 2018 nur drei Tote weniger waren.

Ansonsten gab es aber nur einmal mehr als 7000 Verstorbene, der Durchschnitt der vergangenen elf Jahre liegt bei 6914. Der Trend zeigt seit 2010 (nur die Zahlen dieses Zeitraums liegen unserer Redaktion vor) dabei generell nach oben.

165 der im Corona-Jahr gestorbenen Dortmunder sind vom Robert-Koch-Institut als Covid-Todesfälle bezeichnet worden. Die Stadt Dortmund unterscheidet dabei zwischen Menschen, die ursächlich an (106 im Jahr 2020) oder begleitend mit (59 weitere) Corona-Infektionen gestorben sind.

Hitze und Grippe waren 2018 bedeutend

Aber welchen Anteil an dem neuen Höchstwert hat das Coronavirus? Der Monat mit den zweitmeisten Toten in der Stadt war der November, als die Kurve der Corona-Todesfälle deutlich anstieg. Noch mehr Menschen sind aber im Januar 2020 als gestorben gemeldet worden – vor Auftreten des Virus in Dortmund.

Letzteres ist mit dem Effekt von Nachmeldungen zu erklären, wie Stadtsprecher Maximilian Löchter sagt: „Das erhöht den Wert für den Januar des Folgejahres. Dieser Effekt tritt jedes Jahr auf.“ Würde man auf alle Nachmeldungen warten, könne man erst im Juni die Statistik veröffentlichen.

Welche Rolle das Virus bei den aktuellen Zahlen spielt, sei der Verwaltung noch nicht bekannt, so Löchter: „Eine Analyse und Bewertung der aktuell ermittelten Zahl der Gestorbenen steht noch aus.“ Der ähnlich hohe Wert aus 2018 sei aber auf den damaligen Hitzesommer und eine besonders starke Grippewelle zurückzuführen.

Für eine fundierte Analyse muss man die einzelnen Jahreszahlen jeweils ins Verhältnis zur Einwohnerzahl setzen – und Dortmund ist im vergangenen Jahrzehnt gewachsen. Vereinfacht gesagt: Wo mehr Menschen leben, sterben auch mehr Menschen.

In zwei Jahren gab‘s mehr Tote pro Einwohner

Im Jahr 2020 gab es rund 1186 Tote pro 100.000 Einwohner. Dieser Wert wurde sowohl im „Hitze-Grippe-Jahr“ 2018 übertroffen als auch im Jahr 2013. In zwei weiteren Jahren lagen die Kennzahlen nur knapp unter dem „Corona-Niveau“. Der Durchschnitt zwischen 2010 und 2019 liegt bei 1165. Also ist Dortmunds Sterbequote aktuell höher als im Schnitt des letzten Jahrzehnts, reiht sich aber hinter anderen Jahren ein.

„165 Covid Tote von 7153 Gestorbenen sind ‚nur‘ 2,3 Prozent“, rechnet Immunologe Prof. Dr. Carsten Watzl vor: „Ob man bei den kleinen Zahlen eine signifikante Aussage treffen kann, weiß ich anhand der vorliegenden Daten nicht.“

Bundesweit sei die Sterbefallzahl im April zu Beginn der Corona-Krise deutlich über dem Durchschnitt der Vorjahre gewesen, heißt es vom Statistischen Bundesamt. Über den Sommer normalisierte sich die Lage, seit September stieg die Kurve dann wieder deutlich an.

Auffällig ist jedenfalls, dass der Anteil der Corona-Toten an der Gesamtzahl der Gestorbenen zuletzt deutlich gestiegen ist. Waren nur 0,9 Prozent der Toten im Oktober bekanntermaßen infiziert, hatte im November etwa jeder zwölfte Dortmunder Todesfall mit dem Coronavirus zu tun. Im Dezember war es sogar fast jeder siebte (14 Prozent).

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Kevin Kindel, geboren 1991 in Dortmund, seit 2009 als Journalist tätig, hat in Bremen und in Schweden Journalistik und Kommunikation studiert.
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Kevin Kindel

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