Mengederin sucht in der Wüste nach Spuren aus biblischer Zeit

Ausgrabungshelferin in Jordanien

Erika Wiedemann-Huß aus Mengede ist Helferin eines Ausgrabungsteams. Seit mehr als zehn Jahren suchen die Forscher im jordanischen Jabboktal auf den Zwillingshügeln Tulul adh-Dhahab nach Spuren aus biblischer Zeit. Uns hat sie von dieser spannenden Suche in der Wüste berichtet.

MENGEDE

, 11.03.2017, 01:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Jabboktal in Jordanien: Die Sonne brennt unerbittlich vom Himmel. Kilometerweit nur Stein und Staub. Allein ein paar alte Sackleinen, zwischen Holzpfeilern aufgespannt, spenden ein wenig Schatten. Auf einem Hügel sitzt Erika Wiedemann-Huß auf dem Wüstenboden, ihr Gesicht, ihre Arme und Hände sind bedeckt von Staub. Mit Schaufel und Besen sucht sie als Helferin eines Ausgrabungsteams rund um Theologie-Professor Dr. Thomas Pola von der TU Dortmund nach dem Ort, wo Jakob mit Gott kämpfte.

Die Funde belegen: Der westliche Hügel war schon zwischen 1300 und 1000 vor Christus besiedelt. Nach dem Alten Testament soll an dieser Stelle Jakob mit Gott gerungen haben (1.Mose 32,23-33). Die Stadt taufte er auf den Namen Pnuël (auch Penuel) – übersetzt bedeutet das Angesicht Gottes.

Früher war sie Sekretärin bei einer Kirchenverwaltung

Früher arbeitete Erika Wiedemann-Huß als Sekretärin bei einer Kirchenverwaltung, bis sie wegen einer schweren Krankheit berentet wurde – da war sie noch keine 50 Jahre alt. „Zuhause ist mir die Decke auf den Kopf gefallen“, sagt die heute 68-Jährige. Die gläubige Christin entschied sich für das Seniorenstudium an der TU Dortmund mit dem Schwerpunkt Theologie.

Dort erfuhr sie von den Grabungsreisen des Alttestamentlers Thomas Pola. „Ich wollte einfach die Orte hinter der biblischen Geschichte kennenlernen.“ 2012 brach sie das erste Mal ins Abenteuer Archäologie auf.

Palastanlage gefunden

Und Erika Wiedemann-Huß erlebte schon einige Glücksmomente: Keramiken, Nägel, Perlen, Pfeilspitzen, Glas, ein Mosaik entdeckte sie im Wüstenstaub. „Es sieht so aus, als hätten wir an dieser Stelle eine hellenistische Palastanlage gefunden“, sagt sie. Unter anderem legten die Ausgräber Mauern, Teile eines Säulenhofes und ein rituelles Taufbecken frei.

Die Kosten müssen die freiwilligen Grabungshelfer selbst tragen, für drei Wochen zahlt Erika Wiedemann-Huß rund 3000 Euro. Dabei sieht ein komfortabler Urlaub anders aus: Gemeinschaftstoiletten, Mehrbettzimmer, die so heiß und stickig sind, dass die Exkursionsteilnehmer lieber auf dem Flachdach des Hauses schlafen, und Temperaturen bis zu 50 Grad.

Das alles macht der Mengedanerin nichts aus, sie genieße diese Zeit, sagt sie – und nachts den Blick in den klaren Sternenhimmel, an dem weiße Eulen und Fledermäuse vorüberziehen.

Funde schrubben

Um der Hitze des Tages zu entgehen, brechen die Forscher schon um 5.30 Uhr zum Berg auf. Nur zu Fuß ist das Gipfelplateau auf rund 100 Metern erreichbar. „Um sechs Uhr ist Sonnenaufgang“, sagt sie. „Der Ausblick über die noch im Nebel liegenden Hügel, das ist wunderbar.“ Gegen 12 Uhr kehren sie ins Camp zurück, waschen sich, essen – und beginnen dann, ihre aufregenden Funde zu schrubben, zu vermessen und zu dokumentieren.

In seiner freien Zeit unternimmt das Team Ausflüge zu historischen Orten wie der Felsenstadt Petra, den Festungen von Herodes oder dem Berg Nebo, von wo Moses einst das Gelobte Land entdeckt haben soll. „Das Land“, sagt die Hobby-Archäologin, „ist wunderschön, auch wenn es hauptsächlich Wüste ist.“ Bislang war sie dreimal auf Grabungsreise – im August will sie wieder in den Flieger nach Jordanien steigen. Dann will sie den Tulul adh-Dhahab weitere Geheimnisse entlocken.

Freiwillige Helfer können sich an den Verein Archäologie im unteren Jabboktal/Jordanien wenden. Vor Reisebeginn findet ein Kompaktseminar an der TU Dortmund statt. Weitere Informationen zum Ausgrabungsprojekt gibt's  hier .

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