Lütgendortmund stellt sich der Corona-Krise: „Wir brauchen schnell eine Ausgangssperre“

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Das Corona-Virus hat den Alltag auch für die Menschen in Lütgendortmund verändert. Im Ortskern dominiert zwar die Normalität - aber nur auf den ersten Blick.

Lütgendortmund

, 20.03.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bilder aus der Dortmunder Innenstadt machen im Netz die Runde und beeindrucken durch die gespenstische Leere der Straßen. Da bietet das Lütgendortmunder Dorf einen ganz anderen Eindruck.

Die Parkplatz-Suche ist trotz der Corona-Krise weiterhin nervig. Sowohl an der Limbecker Straße als auch an der Lütgendortmunder Straße sind alle großen Parkplätze voll wie immer. Viele Lütgendortmunder kaufen ein wie gewohnt.

Wahrscheinlich, weil sich im Ortskern viele wichtige Geschäfte zur täglichen Versorgung befinden. Effekte durch die Corona-Krise erkennt man erst auf den zweiten Blick.

Kunden bleiben auf Abstand

Da ist Jörg Thiede mit seiner Frau auf dem Weg in den Rewe – beide tragen weit sichtbar Mundschutz und Gummihandschuhe. „Ich habe gerade eine Krebstherapie hinter mir“, sagt er. Er kann sich keine Infektion leisten, er ist Risiko-Patient. Auf den Einkauf kann er aber auch nicht verzichten.

Der Parkplatz vor Rewe Amshove in Lütgendortmund war am Freitag voll wie immer.

Der Parkplatz vor Rewe Amshove in Lütgendortmund war am Freitag voll wie immer. © Holger Bergmann

Vor der Postfiliale im Hause Köhler stehen mehrere Kunden geduldig in einer Schlange. Ihr Abstand beträgt fast genau zwei Meter. Sie respektieren die Bitte auf dem Schild: „Bitte einzeln eintreten“.

Keine Hamsterkäufer in dieser Woche

So ein Schild gibt an der Bäckerei Grobe zwar nicht, die Kunden halten dennoch ungefragt Distanz. „Die Kunden sind sehr diszipliniert“, sagt eine Verkäuferin. Viel los ist auch im Reformhaus Zimmermann.

Dort verkauft Wilhelm Mohrenstecher gerade besonders viele Produkte zur Stärkung der Abwehrkräfte – Manuka-Honig und Tees. Vor allem eines ist Wilhelm Mohrenstecker aufgefallen: „Die Kunden bezahlen vermehrt mit Karte. Bargeld nehmen die Menschen gerade nicht gerne in die Hand.“

In der Bäckerei Grobe ist der Café-Bereich momentan geschlossen.

In der Bäckerei Grobe ist der Café-Bereich momentan geschlossen. © Holger Bergmann

Im Rewe von Reinhard Amshove ist es voll, aber ruhig, Hamsterkäufe bleiben weitgehend aus, auch die Stimmung in der Belegschaft sei gut, meint Amshove, der aber noch auf eine Mundschutz-Lieferung für die Kassiererinnen wartet.

Während die Menschen draußen Distanz wahren, kommen sie sich im Supermarkt nach Amshoves Geschmack etwas zu nah. Deshalb plant er, Markierungen auf den Boden kleben zu lassen, zum Beispiel an den Kassen, zum Abstandhalten.

Hoffnung auf Ausgangssperre

Reinhard Amshove hat noch ein weiteres Problem: „Wir brauchen endlich Klarheit bei den Fahrplänen des öffentlichen Nahverkehrs. Meine Mitarbeiter haben Schwierigkeiten, morgens pünktlich zur Arbeit zu kommen.“

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Der frisch geheilte Jörg Thiede dagegen hofft vor allem auf die baldige Einführung einer Ausgangssperre, damit unvernünftige Menschen sich nicht gegenseitig anstecken: „Es zählt nur ein schnelles Ende der Epidemie.“

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