Messer-Attacke am Hauptbahnhof: Bundespolizist rettet Opfer (29) das Leben

mlzHauptbahnhof Dortmund

Ein Bundespolizist, der am Dortmunder Hauptbahnhof arbeitet, hat einem 29-Jährigen das Leben gerettet. Was er über Messerangriffe zu berichten weiß, ist erschreckend.

Dortmund

, 10.01.2020, 15:04 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Oktober 2017 rettet André Franzisko ein Leben. Er ist als Bundespolizist im Hauptbahnhof Dortmund im Einsatz, als zwischen zwei Männern ein Streit ausbricht. Einer von beiden zieht ein Messer und sticht zu.

Das 29-jährige Opfer dieses Angriffs überlebt damals nur, weil Franzisko sich über das übliche Maß hinaus für dessen Leben einsetzt. Für dieses schnelle, besonnene und professionelle Handeln wurde der Polizeihauptmeister am Donnerstag (9. Januar) mit einer Belobigung des Landes NRW ausgezeichnet.

Mehrfach selbst mit Waffen bedroht worden

„Ich bin seit 1998 Polizeibeamter und als Bundespolizist überwiegend am Dortmunder Hauptbahnhof im Einsatz. Leider habe ich dabei viele Erfahrungen mit Messerangriffen sammeln müssen“, erzählt André Franzisko.

Bereits 21 mal sei er selbst oder sein Streifenpartner mit einem Messer oder eine Schusswaffe bedroht oder angegriffen worden. Hinzu kämen Messerangriffe auf andere Personen, zu denen er hinzugerufen werde. „Auf solche Situationen will ich angemessen reagieren können. Deshalb habe ich mich privat weitergebildet.“

Von befreundeten Feuerwehrleuten habe Franzisko sich in seiner Freizeit ausbilden lassen, um auf die Verletzungen, die durch einen Messerangriff entstehen können, medizinisch angemessen reagieren zu können.

Ein Ventil aus Hand und Blut

Im Falle des schwer verletzten 29-Jährigen im Jahr 2017 habe André Franzisko nur wegen dieser Weiterbildung erkennen können, dass Luft in den Brustraum drang und die Lungenfunktion gefährdete – ein sogenannter Pneumothorax:

„Der Mann wurde merklich ruhiger, die Atmung wurde schlechter und ich habe unnormale Atemgeräusche bemerkt. Daran habe ich erkannt, dass Lebensgefahr herrschte.“

Auf diese reagierte André Franzisko genau richtig: „Mit meinem Erste-Hilfe-Handschuh und dem austretenden Blut habe ich ein luftdichtes Ventil über der Stichwunde gebildet.“ Dadurch habe er verhindern können, dass mindestens ein Lugenflügel kollabiert wäre.

Entscheidende Minuten

Etwa fünf Minuten habe es gedauert, bis der Rettungsdienst damals eingetroffen sei und den lebensgefährlich verletzten Mann behandeln konnte. Doch diese Minuten waren entscheidend: „Im Gerichtsprozess hat ein Gutachten ergeben, dass der Mann damals noch auf dem Bahnsteig gestorben wäre, wenn ich nicht eingegriffen hätte.“

Messer-Attacke am Hauptbahnhof: Bundespolizist rettet Opfer (29) das Leben

Als Diensthundeführer ist André Franzisko oft schnell vor Ort, wenn es zu Angriffen im Hauptbahnhof kommt. Bei dem Einsatz im Jahr 2017 war er allerdings ohne seinen Hund unterwegs. © Bundespolizei

Nur wenige Wochen später, ebenfalls im Jahr 2017, musste André Franzisko noch mal eingreifen, erzählt er. Bei einem weiteren Messerangriff habe er eine lebensgefährliche Blutung gestillt. Die entsprechende Ausrüstung dafür sei inzwischen auch Teil der Standardausstattung von Bundespolizisten.

Messer gefährlicher als Schusswaffe

„Ich halte Messer für um ein Vielfaches gefährlicher als Schusswaffen. Ein Messer kann jeder bedienen, technische Probleme gibt es nicht und ein normaler Bürger kann sich nicht schützen. Ein Messer durchdringt jede normale Kleidung.“

Anlass für Messerangriffe seien am Hauptbahnhof oft schon Kleinigkeiten - manchmal gebe es auch gar keinen Anlass. „Da fragt man sich schon manchmal, in was für einer Welt wir eigentlich leben.“

Zu dem Mann, dem André Franzisko 2017 das Leben rettete, hat er keinen Kontakt mehr. „Ich möchte das generell nicht, weil ich sonst nicht mit den Einsätzen abschließen könnte“, sagt der Bundespolizist

In seinem Heimatdorf im Raum Arnsberg ist André Franzisko ebenfalls als Ersthelfer engagiert. Unter anderem ist er Mitglied im Verein Mobile Retter.

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