Messer-Angreifer soll „Allahu akbar“ gerufen haben - nun fühlt er sich total missverstanden

mlzVorfall in Dortmund

Auf einer Grünfläche an der Oestermärsch soll ein psychisch kranker Messer-Angreifer einen Vater und seinen Sohn verängstigt haben. Später fühlt er sich jedoch komplett missverstanden.

Dortmund

, 19.03.2020, 12:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Laut Staatsanwaltschaft hat ein 47-jähriger Mann im Juli 2018 in einer Grünanlage an der Oestermärsch einen Vater und dessen Sohn mit einem Messer bedroht. Jetzt muss er sich vor dem Landgericht verantworten. Am Ende könnte seine unbefristete Unterbringung in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik stehen.

Um zu einer gerechten Entscheidung zu kommen, müssen die Richter folgende Frage beantworten: Wie gefährlich ist der Beschuldigte wirklich? Und dass das nicht ganz einfach zu sagen ist, wurde am Mittwoch bei der Befragung des Zeugen deutlich. Der 56-Jährige will bei der Begegnung mit dem bulligen Dortmunder damals richtig Angst gehabt haben. Und das nicht nur wegen des Messers, mit dem dieser angeblich in der Luft herumfuchtelte.

Beschuldigter kam mit dem Fahrrad

„Er kam uns mit dem Fahrrad entgegen“, erinnerte sich der Zeuge. Da sein Sohn eine körperliche Beeinträchtigung habe, sei der Weg jedoch quasi versperrt gewesen. „Ich habe ihn dann gebeten, uns doch bitte durchzulassen“, so der Zeuge weiter. Doch der Beschuldigte habe nicht so reagiert, wie er sich erhofft habe.

„Er brüllte laut Allahu akbar“, erinnerte sich der 56-Jährige vor Gericht. Den Ausruf habe der Beschuldigte dann mehrmals wiederholt. Am Ende garniert mit dem Zusatz: „Ich lasse euch nicht durch.“ Aus Angst vor einer terroristischen Attacke und vor dem Messer rief der Zeuge sofort die Polizei. Die Beamten kamen nach wenigen Minuten und nahmen den Mann fest.

Zwischenrufe während der Zeugenaussage

Der kann die ganze Aufregung angeblich überhaupt nicht verstehen. Während der Zeugenaussage redete er immer wieder dazwischen und versuchte dabei zu beschwichtigen. Er habe nicht „Allahu akbar“ gerufen, sondern dem Kind auf Arabisch „Gute Besserung“ gewünscht. „Ich wollte euch doch gar nichts tun“, so der 47-Jährige. Das Ganze ist in seinen Augen also ein totales Missverständnis.

Wie friedlich er angeblich ist, versuchte der Beschuldigte auch im weiteren Prozessverlauf zu demonstrieren. Erschienen war er in einem weißen Gewand, und immer wieder unterbrach er die laufende Verhandlung, indem er dazu aufrief, nett zueinander zu sein und regelmäßig zu Gott zu beten.

Psychische Erkrankung ist vorhanden

In einem Kurzgutachten hat ein Psychiater dem Mann bereits eine psychische Erkrankung bescheinigt. Fraglich ist nur, wie schwer diese ist und wie sie behandelt werden könnte. Theoretisch könnte am Ende des Prozesses auch stehen, dass der Beschuldigte nicht in die geschlossene Klinik eingewiesen werden muss, sondern seine Therapie etwa mit regelmäßigen Depotspritzen sichergestellt werden kann.

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