Messerattacke in Lütgendortmund: „Mein Sohn dachte, er muss sterben“

mlzBewaffneter Überfall

Am Samstag (12.9.) ist ein 16-jähriger Dortmunder von einer Gruppe von Jugendlichen attackiert und mit einem Messer schwer verletzt worden. Die Mutter des Opfers spricht von einem Mordversuch.

Lütgendortmund

, 15.09.2020, 17:32 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war ein Anruf, den die Mutter des 16-jährigen Dortmunders wohl nie vergessen wird. Am Samstagabend (12.9.) klingelte das Telefon. „Mein Sohn war dran, er hat aus dem Krankenhaus angerufen“, erzählt die Frau, die ihren Namen nicht öffentlich nennen möchte.

Ein Schockmoment. „Ich habe nur gedacht: Wenn er noch selbst anrufen kann, ist es hoffentlich nicht so schlimm.“ Zu diesem Zeitpunkt weiß die Familie noch nicht, was dem 16-Jährigen passiert ist.

Er sei gegen 19.30 Uhr in Lütgendortmund auf einem Fußweg an der Westermannstraße in Richtung Heinrich-Böll-Gesamtschule unterwegs gewesen, erzählt er seinen Eltern und der Polizei später. Dort habe ihn ein Jugendlicher auf seine Halskette angesprochen. „Als er ihn abgewimmelt hat, kamen zehn oder zwölf andere“, berichtet die Mutter.

Auf Schläge folgen Messerstiche

Einer der Jugendlichen habe sofort auf ihren Sohn eingeschlagen, der sich zunächst noch gewehrt, allein jedoch keine Chance gehabt habe. Schließlich zückte einer der Angreifer ein Messer und stach auf den 16-Jährigen ein.

„Mein Sohn dachte, er muss sterben. Er hat drei Stichverletzungen am Rücken und zwei am Kopf“, sagt die Mutter des Opfers. „Seine Lunge wurde verletzt, deshalb musste er am Montag operiert werden.“

Dass er in der Lage war, sich zur Volksgartenstraße zu schleppen und selbst Polizei und Krankenwagen zu alarmieren, nachdem die Jugendlichen vom Tatort geflüchtet waren, sei ein Wunder – und Glück für die Beamten.

Aufgrund der schnellen Meldung konnten sie noch am Samstag im näheren Umfeld zwei 15 und 16 Jahre alte Tatverdächtige vorläufig festnehmen. Später wurde der 14-jährige mutmaßliche Haupttäter in Castrop-Rauxel gefasst.

Droh-Anrufe gelten der ganzen Familie

Dennoch habe ihr Sohn am Sonntagabend (13.9.) Droh-Nachrichten und -Anrufe erhalten. „Er kannte die Angreifer nicht, aber die sind über Dritte an seinen Kontakt gekommen“, erklärt die Mutter. „Sie sagten, wenn er mit der Polizei spricht, stechen sie ihn und seine Familie ab.“

Das Schlimmste für die Eltern: Wegen der Corona-Einschränkungen dürfen sie ihren Sohn kaum besuchen, können meist nur am Telefon versuchen, ihm die Angst zu nehmen. „In meinen Augen war das ein Mordversuch, es wurde billigend in Kauf genommen, dass er sterben könnte.“

Zwar haben die Drohungen aufgehört, dennoch möchte die Familie andere Eltern und Jugendliche vor der gefährlichen Gruppe warnen. „So etwas darf nicht wieder passieren.“

Die Ermittlungen der Polizei laufen. „Eine Tötungsabsicht ist nach jetzigen Erkenntnissen aber nicht erkennbar“, sagt Pressesprecher Peter Bandermann. „Es sollte keine Panik gemacht werden. Wir bieten der Familie, deren Sorge wir nachvollziehen können, aber jede Hilfe an.“

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