Messerscharfe Schmiede-Kunst

Metallbildhauerei

Die Luft ist stickig, leichter Qualm wabert durch die kleine Halle an der Castroper Straße in Oestrich, in der Klaus Hülsmann seine Metallbildhauer-Werkstatt betreibt. In der Ecke brennt ein Schmiedefeuer, ganz klassisch mit Kohle betrieben. Hülsmann ist Dortmunds einziger Damast-Stahl-Schmied

OESTRICH

20.10.2011, 04:54 Uhr / Lesedauer: 2 min
Hochwertig, scharf wie eine Rasierklinge und wunderschön. So sind die Messer aus Damaszener Stahl, die Schmied Klaus Hülsmann in Handarbeit fertigt.

Hochwertig, scharf wie eine Rasierklinge und wunderschön. So sind die Messer aus Damaszener Stahl, die Schmied Klaus Hülsmann in Handarbeit fertigt.

Seine Leidenschaft gehöre aber den Damast-Messern, schwärmt der 47-Jährige, der diese Kunst als einziger in Dortmund und Umgebung betreibt; und beginnt sofort, den aufwändigen Prozess zu erklären, bei dem am Anfang zwei niedrig vergütete Werkzeugstähle stehen und am Ende eine rasiermesserscharfe Klinge herauskommt: Das Geheimnis dieses Herstellungsverfahrens, das zu einer ganz besonderen Optik und außergewöhnlichen Schärfe führt, liegt in der hohen Anzahl von Metall-Lagen. „Ich beginne mit sieben, schmiede sie aus, halbiere das Stück und feuerverschweiße die beiden Pakete wieder“, so Hülsmann. Und das ganze bis zu fünf Mal. Am Ende dieser schweißtreibenden und extrem zeitaufwändigen Prozedur (die Herstellung eines Messers dauert zwischen vier und sieben Tagen) besteht die Klinge dann aus insgesamt 224 Lagen und ist, nach dem abschließenden Schleifen, höllisch scharf: „Damit kann man sich blank machen“, versichert Hülsmann und tritt den unmittelbaren Beweis an: Die Haare an seiner Wade fallen. Beeindruckend.

Kein Wunder, dass dieses Verfahren nicht nur Profi Hülsmann fasziniert, auch bei Laien verfehlt es seine Wirkung nicht, wie Dörte Steigner versichert. Sie lässt sich derzeit die ersten Grundtechniken beibringen: „Aus einem toten Stück Stahl etwas Lebendiges machen, das macht die Sache so spannend.“ Die hört allerdings nicht bei der Formgebung der Schneide auf, sondern auch die Griffschalen, die Hülsmann fertigt, sind einzigartig: „Sogar den Backenzahn eines Mammuts habe ich dafür erworben, allerdings nutze ich den nur für ganz besondere Stücke.“ Ansonsten begibt sich der Künstler auch gerne in den Wald, sucht nach geeignetem Holz: „Ich kann aber schon an einem ganzen Baum sehen, ob in ihm genau das eine Stück schlummert, das ich suche.“ Doch manchmal geht es auch umgekehrt, wird Hülsmann vom Holz gefunden. „Beim Ausschachten eines Hauses in Mengede bin ich über ein altes Stück Mooreiche gestolpert, in der steckte sogar noch ein mittelalterlicher Nagel. Ich wusste sofort. Das wird die nächste Griffschale.“

Doch nicht nur das Holz nutzte Hülsmann für die Herstellung eines Messers, sondern auch den alten Nagel. „Mit dem Messer habe ich dann an einem Wettbewerb teilgenommen – und den zweiten Platz gemacht“, erinnert er sich stolz. Gibt man allerdings bei Hülsmann ein Messer in Auftrag, braucht man Geduld, bis man seine individuelle Klinge in Empfang nehmen kann: „Wer glaubt, er legt 350 Euro auf den Tisch und kann sein Messer sofort mitnehmen, der irrt“, so der 47-Jährige. „Innerhalb von vier Wochen schaffe ich es aber in der Regel, das gewünschte Objekt herzustellen.“ Die Wartezeit lohnt sich, denn dann darf man eine schöne, scharfe und einmalige Mischung aus Kunstwerk und Gebrauchsgegenstand sein Eigen nennen.

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