Quesadillas mit Hähnchen (l.) und einen Burrito mit Grillgemüse testen wir von Chicos. © Kevin Kindel
Abhol- und Lieferdienst-Check

Mexikanisches Essen aus der „Geisterküche“ – Chicos im Liefercheck

In Dortmunds Unionviertel hat ein Lieferdienst mit mexikanischen Gerichten seine „Geisterküche“. Das Haus ist sehr unscheinbar, Kontaktdaten führen nach Hamburg. Wir haben Chicos getestet.

Für Fans von mexikanischem Essen ist das Angebot in Dortmund ziemlich übersichtlich: Sucht man von der Innenstadt aus beim Online-Portal Lieferando nach mexikanischem Essen, erscheinen nur drei Bestell-Angebote. Die Pizzerien Mexitalia und Bella werden aufgelistet – den authentischsten Mexiko-Eindruck macht auf den ersten Blick noch „Chicos“.

Die Bestellung

Das Angebot ist zunächst überschaubar. Es gibt Burritos, Quesadillas, Nachos, Chili con Carne und Bowls, in denen die Bestandteile ohne Tortillas zu finden sind. Mit wenigen Klicks ist die Bestellung aufgegeben, bezahlt wird bar bei Lieferung oder zuvor online via Paypal.

Doch bei „Chicos“ an sich fallen ein paar Fragezeichen auf: Etwa ist für Fragen eine Telefonnummer mit der Hamburger Vorwahl 040 angegeben.

Im Impressum der Internetseite ist die „eatclever UG“ aus Hamburg als Firma angegeben. Eine Adresse aus Dortmund taucht erst auf, wenn man Google um Rat fragt. Da erscheint eine Anschrift an der Ecke Rheinische Straße / Ritterstraße als Sitz des Lieferdienstes. In dem Gebäude gibt es zwar ein kleines Restaurant mit asiatischer Küche – nach Mexiko sieht hier aber nichts aus und „Chicos“ ist auch nirgends zu lesen.

In diesem Gebäude an der Rheinischen Straße befindet sich die „Geisterküche“ von „Chicos“.
In diesem Gebäude an der Rheinischen Straße befindet sich die „Geisterküche“ von „Chicos“. © Kevin Kindel © Kevin Kindel

Die Zubereitung

Ruft man die Hamburger Nummer an, ertönt zunächst Mariachi-Musik im Hörer. Unternehmenssprecherin Katrin Wertz erklärt dann im Gespräch, dass es sich bei „eatclever“ um ein Startup mit drei Marken handele – „Chicos“ ist eine davon. Das Prinzip basiert auf sogenannten „Ghost Kitchens“, also Geisterküchen.

Im Eckhaus Rheinische Straße / Ritterstraße wird unscheinbar gekocht und von dort aus geliefert. In Hamburg werden die Gerichte konzipiert, deutschlandweit gibt es vier Partnerküchen von „Chicos“, eine davon in Dortmund.

Lieferung von Chicos in Dortmund
Die Quesadillas kommen in einer Pappschachtel, deren Ecken man auseinanderklappen kann. Der Burrito ist in Alufolie eingewickelt, dazu gibt’s Guacamole aus Plastik-Töpfchen. © Kevin Kindel © Kevin Kindel

Die Verpackung

Etwa 35 Minuten nach der Bestellung klingelt es – ein guter Wert für einen Sonntagabend. Die Papiertüte ist bedruckt mit dem Logo von „eatclever“, darin gibt es für die Quesadillas eine Pappschachtel, deren Ecken man aufklappen und sozusagen zum Teller umbauen kann.

Der Burrito kommt im schlichten Alufolien-Gewand eingewickelt daher. Guacamole gibt‘s getrennt in kleinen verschlossenen Plastik-Döschen.

Das Essen

Die Wahl fiel auf einen Burrito mit Reis und gegrilltem Gemüse sowie Quesadillas mit Hähnchen. In gefaltetes Tortilla-Brot wird dafür Käse, Fleisch und in diesem Fall würzige Tomatensoße gefüllt und dann auf dem Herd oder im Kontaktgrill gebacken, sodass der geschmolzene Käse alles zusammenhält. Bei unserem Test war das eigentliche Fingerfood etwas weich – da mussten Messer und Gabel her.

Burritos mit Reis gibt es in Mexiko übrigens kaum - in den USA ist dieses Gericht deutlich verbreiteter.
Burritos mit Reis gibt es in Mexiko übrigens kaum – in den USA ist dieses Gericht deutlich verbreiteter. © Kevin Kindel © Kevin Kindel

Dazu gab’s fruchtige Guacamole, die allein wegen der etwas groben Konsistenz offensichtlich selbstgemacht war. Alles schmeckte frisch und lecker. Wer mal selbst in Mexiko war, hätte es für einen authentischen Eindruck vielleicht gerne etwas schärfer, aber das ist Geschmackssache.

Apropos Authentizität: In Mexiko sind Burritos mit Reis übrigens sehr selten – das ist eine Erfindung aus den USA, so wie es in der Türkei kaum Döner-Taschen gibt wie wir sie kennen.

Ab Anfang Februar soll es eine überarbeitete Speisekarte bei „Chicos“ geben, unter anderem mit veganer Fleischalternative.

Die Preise

Mit rund 9 Euro pro Person (ohne Getränke) ist der kulinarische Ausflug nach Lateinamerika preislich in Ordnung. Die Menge des Burritos reichte für mehr als eine Mahlzeit, teurer als eine Pizza muss das relativ simple Gericht ohne wirklich exotische Zutaten aber auch nicht sein.

Fazit

Die Lieferung ist nichts für einen feinen Abend, sondern eher etwas für Leute, die keine Lust auf Pizza haben und mal etwas anderes ausprobieren wollen.

Netzstimmen

Rund 1100 Bewertungen bei Lieferando geben im Schnitt 4,0 von 5 Sterne. Das deckt sich mit unserem Urteil. 20 Google-Rezensionen geben durchschnittlich 3,2 von 5 Sterne.

Info

So funktioniert der Abhol- und Lieferdienst-Check

Wir bestellen ohne Vorankündigung als ganz normale Gäste. Wir sind keine Gastro-Experten, sondern einfach Menschen, die die verschiedenen Möglichkeiten, sich mit gutem Essen zu versorgen, ausprobieren möchten. Wir beschreiben Service und Essen so, wie wir es auch unseren Freunden gegenüber tun würden. Mit Schwächen und Stärken. Ehrlich.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Kevin Kindel, geboren 1991 in Dortmund, seit 2009 als Journalist tätig, hat in Bremen und in Schweden Journalistik und Kommunikation studiert.
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