Miese Noten für den Umgang mit Geld

DORTMUND Gäbe es im Unterricht das Fach "Umgang mit Geld", drohte Dortmunds Schülern eine Flut von Blauen Briefen: 78 Prozent der Lehrer bewerten die Finanzkompetenz junger Leute mit ausreichend bis mangelhaft.

von Von Andreas Wegener

, 10.09.2007, 17:26 Uhr / Lesedauer: 2 min
SKM-Helfer wollen Schüler vor Schuldenfallen warnen.

SKM-Helfer wollen Schüler vor Schuldenfallen warnen.

Das ergab eine Umfrage unter 200 Lehrern unserer Stadt. Laut Schufa ist inzwischen jeder zehnte Jugendliche überschuldet. "Sechs Prozent aller 13 bis 17-Jährigen haben ebenfalls Schulden, im Schnitt 370 Euro, die Tendenz ist steigend", berichtet Kerstin Vogler, die beim SKM (Katholischer Verein für soziale Dienste) für Schuldenprävention zuständig ist.

"Dieser Entwicklung wollen wir gezielt gegensteuern", sagt Renate Tölle, Leiterin des Schulverwaltungsamtes. Die Behörde will mit dem SKM die Aktion "Alles im Griff - Unterricht im Umgang mit Geld" neu auflegen, bis Ende Januar sollen damit 130 9. und 10. Klassen erreicht werden.

Schuldenfalle Handy

"Die schlimmste Schuldenfalle ist das Handy", erklärte ein Gerichtsvollzieher. Für Grundgebühren, Telefonverbindungen, SMS und den Download von Klingeltönen gäben junge Leute immense Summen aus. "Häufig geraten 18- bis 25-Jährige auch in die Miesen, weil sie DVDs ausleihen und einfach nicht zurückbringen", weiß SKM-Mitarbeiterin Carola Scharner. Weitere Ausgaben, die sich zu Schuldenbergen summieren, sind Bußgelder fürs Schwarzfahren, Internet-Rechnungen, Markenkleidung und Fast-Food.

Ein wichtiger Inhalt der Reihe ist das Vertragsrecht: "Beim ersten Durchgang haben wir den Jugendlichen ein Papier vorgelegt mit der Bitte, es für unsere Statistik zu unterschreiben. Über 90 Prozent taten das - und übersahen, dass sie sich damit im Ernstfall zur Zahlung von 23 Euro verpflichtet hätten", berichtet Vogler. Einen weiteren Bestandteil bildet ein Planspiel: Welche Ausgaben würde ich von meinem ersten Lehrlingsgehalt bezahlen?

"Die Kinder müssen lernen, Verantwortung für sich zu übernehmen", findet Schulamtsdirektor Bernhard Nolte, "um später auch ihren Eltern bei Problemen mit Schulden zu helfen". Vor allem in der Nordstadt seien viele Familien schon in der 3. Generation von Sozialhilfe abhängig. "Da bildet sich eine Gesellschaft in der Gesellschaft." Auch Hans-Peter Seger, Leiter der Heinrich-Böll-Gesamtschule, kennt das Problem. "25 Prozent der Eltern jüngerer Kinder beziehen Hartz 4. Familien, die über Jahre auf Sozialhilfe angewiesen sind, haben oft große Probleme mit der Erziehung ihrer Kinder, das ist die Katastrophe." Dass die Armut zunehme, sei den Jungen und Mädchen inzwischen schon auf dem Schulhof anzusehen.

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