Mieterverein Dortmund kritisiert "dreiste Mahnwelle"

Hunderte Mieter womöglich betroffen

Möglicherweise Hunderte Dortmunder Mieter der LEG erhalten derzeit Briefe einer Inkassofirma. Die mahnt vermeintliche Forderungen an - aus der Zeit vor August 2013, als 1000 heutige LEG-Wohnungen noch einer niederländischen Holding gehörten. Der Mieterverein spricht von einer "dreisten Mahnwelle".

DORTMUND

, 17.10.2015, 02:38 Uhr / Lesedauer: 2 min
Lothar Ehrlichmann aus Dortmund und seine Frau Irmgard sind zwei der Mieter, die Post von einer Inkasso-Firma bekommen haben. Zahlen werden sie nicht – denn das Unternehmen Promontoria, der frühere Vermieter, habe keine offenen Forderungen gegen ihn, so Lothar Ehrlichmann.

Lothar Ehrlichmann aus Dortmund und seine Frau Irmgard sind zwei der Mieter, die Post von einer Inkasso-Firma bekommen haben. Zahlen werden sie nicht – denn das Unternehmen Promontoria, der frühere Vermieter, habe keine offenen Forderungen gegen ihn, so Lothar Ehrlichmann.

Der Mieterverein Dortmund und Umgebung warnt aktuell vor "Drohbriefen": "Es ist unsere schlimmste Befürchtung, dass Mieter auf die Forderungen eingehen und einfach zahlen", sagt Rainer Stücker, Geschäftsführer des Mietervereins Dortmund und Umgebung. Wir klären die wichtigsten Fragen. 

Worum geht es überhaupt?

Die LEG hat 2013 rund 1000 Wohnungen in Dortmund von der niederländischen Promontoria Holding VIII B.V. gekauft. Die Wohnungen befinden sich etwa Im Odemsloh, an der Mechthildstraße und der Posener Straße. Die LEG übernahm dagegen nicht die ungeklärten Mietforderungen von Promontoria: Diese kaufte im Mai 2015 die Lenbor GmbH aus Berlin. Die wiederum hat die Delpro GmbH (ebenfalls aus Berlin) beauftragt, die Forderungen einzutreiben. Das macht Delpro jetzt. 

Wie viele Mieter in Dortmund sind betroffen?

Das lässt sich nicht sagen. Beim Mieterverein hatten sich bis Freitag (16. Oktober) 40 Mieter aus Dortmund gemeldet, die Post bekommen haben. Gegen wie viele Mieter Promontoria noch Mietforderungen hatte, ist offen. Im Gespräch mit dieser Redaktion sagte Delpro-Geschäftsführer Christian Rücker am Freitag nicht, wie viele Mieter in Dortmund man anschreibe. 

Es geht also um alte Forderungen - sind die berechtigt?

Für die 40 ihm bekannten Fälle verneint das Rainer Stücker. Laut Stücker haben bis 2013 immer wieder Dortmunder Mieter der Promontoria Widersprüche zu fehlerhaften Betriebskostenabrechnungen geschickt. Der Mieterverein im übrigen auch. Weil zumeist Antworten ausblieben, minderten die Bewohner - wegen der falschen Abrechnungen oder auch wegen unterlassener Reparaturen - die Miete. Solche Fälle sind es wohl, die bei Promontoria in den Akten blieben und um die Delpro sich kümmert.

Was kritisiert der Mieterverein Dortmund noch?

Der Mieterverein weist darauf hin, "wie wenig solide und abgesichert die verkauften Forderungen sind". Denn im Kaufvertrag zwischen Promontoria und Lenbor ist von "ca. 90 Umzugskartons mit Mieterakten", die den Besitzer wechselten, die Rede; und davon, dass eine "geordnete und lückenlose Aktenführung" bei den Forderungen nicht gegeben ist. Der Mieterverein kritisiert, dass die Lenbor GmbH "offensichtlich ohne qualifizierte Prüfung" und ohne ein einfaches Informationsschreiben vorab direkt ein Inkassounternehmen beauftrage. "Hier soll mit der Angst von Mietern Kasse gemacht werden", sagt Rechtsanwalt Martin Grebe, Rechtsberater des Mietervereins Dortmund. 

Wie äußern sich die Lenbor GmbH beziehungsweise die Delpro GmbH?

Auf Anfrage dieser Redaktion bezog am Freitag (16. Oktober) Christian Rücker für Delpro - und damit auch für Lenbor - Stellung. Er räumte eine "fünf- bis zehnprozentige Fehlerquote" in den übernommenen Daten ein, wehrte sich aber gegen den Vorwurf, man treibe systematisch unberechtigte Forderungen ein: "Dem widerspreche ich zutiefst." Wer so etwas mache, verliere die Lizenz. Dass direkt ein Inkassounternehmen die Mieter anschreibt, sei in Fällen, wo es um titulierte Forderungen (also Forderungen, auf die bei Gericht geklagt wird), gang und gäbe. Und bei allen anderen Forderungen "rechtlich zulässig". Rücker verspricht: "Wenn Mieter den Forderungen zurecht widersprechen, werden sie bei uns anstandslos ausgebucht."

rät Betroffenen, gegen die Mahnungen Widerspruch einzulegen und in jedem Fall auf eine detaillierte Aufstellung der Forderungen zu pochen. 

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