Millionen-Coup mit „Fake-Geldtransporter“: Jetzt drohen lange Strafen

mlzSpektakuläre Diebstahlserie

Nach einer spektakulären Diebstahlsserie drohen den mutmaßlichen Mitgliedern der „Geldtransporter-Bande“ lange Haftstrafen. Die Tatorte lagen auch in Dortmund und Werne.

Essen/Dortmund/Werne

, 15.05.2020, 21:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Luxus-Limousinen, Goldbarren und Urlaube auf den Malediven: Monatelang sollen sich die mutmaßlichen Mitglieder der sogenannten „Geldtransporter-Bande“ ein Leben in Saus und Braus gegönnt haben. Doch jetzt drohen ihnen viele Jahre Gefängnis.

Die Staatsanwaltschaft hat am Freitag Haftstrafen von bis zu elfeinhalb Jahren beantragt. Die höchste Strafe soll gegen einen 26-jährigen Mann aus Recklinghausen verhängt werden. „Er war der Kopf der Maschine“, so Staatsanwältin Nina Rezai in ihrem Plädoyer. Er sei stets auf der Suche nach Straftaten gewesen, um an Geld zu kommen. „Dabei mussten pro Tat mindestens 100.000 Euro im Raum stehen, um das Risiko in Kauf zu nehmen.“

Nachschlüssel und Sicherheitscodes

In Dortmund und Werne war das locker der Fall. Schon im November 2016 wurden aus einem auf der Dortmunder Kleppingstraße abgestellten Geldtransporter rund 520.000 Euro entwendet. Die Wachleute waren gerade dabei einen Automaten im Stadthaus zu befüllen. Sieben Monate später, im Juni 2017, wurde in Werne ein Geldautomat der Postbank geplündert. Beute hier: rund 250.000 Euro.

In beiden Fällen hatten die Täter nicht nur Nachschlüssel, sondern auch die erforderlichen Sicherheitscodes. Die hatte ihnen ein Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma zur Verfügung gestellt. „Damals noch bestehende Sicherheitslücken wurden gezielt ausgenutzt“, so Staatsanwältin Rezai.

Als Wachdienst-Mitarbeiter verkleidet

Der spektakulärste Coup war den Tätern allerdings in Gronau gelungen. Dort sollen sich vier der insgesamt sieben Angeklagten im Dezember 2017 in den Besitz der Einnahmen einer Supermarktkette gebracht haben. Dazu wurde ein Lieferwagen gekauft, umlackiert und mit Magnetfolie in einen Geldtransporter eines Wachschutz-Unternehmens verwandelt. Den als Wachdienstmitarbeiter verkleideten Tätern war es so tatsächlich gelungen, rund 1,8 Millionen Euro zu erbeuten.

Die Tat war später sogar in der Fernsehsendung „Aktenzeichen XY...ungelöst“ nachgestellt worden.

Im Prozess geht es aber auch um Raubüberfälle – auf eine Juwelierin und Mitglieder eines Sparclubs. Die Gesamtbeute soll sich auf rund 2,6 Millionen Euro belaufen.

„In zwei Wochen bin ich Multi“

Der Hauptangeklagte hatte zuletzt sogar noch eine extrem teure Fortbildung absolviert – angeblich, um sich mit einem Schlüsseldienst selbstständig zu machen. Tatsächlich soll es ihm jedoch nur darum gegangen sein, das Handwerk des Tresoröffnens zu erlernen. Einen Tatort hatte er angeblich auch schon im Blick: eine Sparkassenfiliale in Köln. Einem seiner Mitangeklagten soll er kurz vor der Festnahme noch diesen Satz geschrieben haben: „In zwei Wochen bin ich Multi.“

Urteile voraussichtlich am 25. Mai.

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