Millionen-Coup mit falschem Geldtransporter: Harte Urteile für Täter

mlzLandgericht Essen

In Dortmund wird ein Geldtransporter ausgeplündert, in Werne ein Bankautomat geleert. Der größte Coup gelang jedoch in Gronau. Jetzt sind die Täter verurteilt worden.

Dortmund/Werne/Essen

, 25.05.2020, 17:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war der Traum von einem Leben in Luxus. Von sündhaft teuren Autos, von Goldbarren, Rolex-Uhren und Traumurlauben. Nach einer Serie spektakulärer Beutezüge - auch in Dortmund und Werne - sind die Mitglieder der sogenannten Geldtransporterbande am Montag (25. Mai) zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden.

Die Strafen: bis zu zwölf Jahre Haft. Der spektakulärste Coup war in einem Supermarkt in Gronau gelungen. Im Dezember 2017 war dort ein Geldtransporter vorgefahren, um die Einnahmen abzuholen. Ein Routine-Ablauf. Und auf den ersten Blick war auch alles wie immer. Die Fahrer trugen Uniformen, die Nummernschilder stimmten, eine Quittung gab es auch – über immerhin rund 1,8 Millionen Euro.

Tipp kam von einem Insider

Dass es sich jedoch um eine perfekte Täuschung gehandelt hat, wurde den Mitarbeitern des Supermarktes erst klar, als kurz danach ein zweiter Geldtransporter auftauchte - diesmal der richtige. Da waren die Täter natürlich schon verschwunden.

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Später stellte sich heraus, dass die Täter alles getan hatten, damit ihre Tarnung nicht auffiel. Sie hatten einen Lieferwagen gekauft, umlackiert und mit Klebefolien in einen Geldtransporter verwandelt, auch das Timing war perfekt.

Den entscheidenden Tipp hatte ein Insider geben – ein Mitarbeiter einer Recklinghäuser Sicherheitsfirma. Als man ihm schließlich auf die Schliche kam, hatte er sofort ein Geständnis abgelegt. Im Prozess galt der 45-Jährige als Kronzeuge. Entsprechend niedrig fiel auch seine Strafe aus: drei Jahre Haft.

Nachschlüssel und Sicherheits-Codes

Er war es auch, der die Tätergruppe zuvor schon nach Dortmund und Werne geschickt hatte, weil es dort offenbar ganz besondere Sicherheitslücken gab.

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In Dortmund ist im November 2016 ein auf der Kleppingstraße abgestellter Geldtransporter geplündert worden, in Werne wurde im Juni 2017 der Geldautomat der Postbank geleert. Beides mit Nachschlüsseln und den entsprechenden Sicherheitscodes. In Werne fehlten später 250.000 Euro, in Dortmund flüchteten die Täter sogar mit rund 520.000 Euro.

„Dein Schmuck ist versichert, Dein Leben nicht“

Kopf der Bande soll ein 25-jähriger Spanier aus Recklinghausen gewesen sein. Er war im Prozess vor allem dadurch aufgefallen, dass er sich offenbar immer noch über seine Trickdiebstähle freuen konnte.

Doch dabei war es nicht geblieben. Im Prozess ging es auch um brutale Raubüberfälle, zum Beispiel auf eine Juwelierin aus Mönchengladbach. „Dein Schmuck ist versichert, Dein Leben nicht.“ Das soll der 25-Jährige der Frau damals zugeraunt haben.

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