Wenn es um die Digitalisierung in Schulen geht, sind große Geldsummen im Spiel. Ein großer Teil der zur Verfügung stehenden Millionen wurde bisher nicht genutzt. Nun kommt Bewegung in die Sache.

Dortmund

, 09.11.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Fast 50 Millionen Euro stehen der Stadt Dortmund zur Verfügung, um die Schulen mit Geräten, W-Lan-Infrastruktur und digitalem Know-How auszustatten.

40 Millionen Euro stammen aus dem bereits 2019 beschlossenen Digitalpakt, 6,8 Millionen Euro kommen aus einem Soforthilfeausstattungsprogramm des Bundes. Es gibt außerdem weitere Förderprogramme wie „Gute Schule 2020“. Das Geld ist verfügbar. Aber es dauert lange, bis es seinen Weg in die Dortmunder Schulen findet.

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Pro Woche können 1.500 iPads an Dortmunder Schulen geliefert werden

Immerhin: Es ist etwas in Bewegung. Als die Schulen im März schlossen, war ein Problem schnell ausgemacht: Es gibt keine ausreichende Zahl an Endgeräten, also Tablets oder Laptops, mit denen die Schüler arbeiten können.

Eine Soforthilfe für neue Endgeräte an allen Schulen wurde bereits im April angestoßen, aber erst im Juli durch eine Richtlinie des Schulministeriums rechtskräftig. Zunächst einmal passierte nicht danach aber auch nicht viel.

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Nun steht fest: Ab Mitte November erhalten Dortmunder Schulen die ersten 2000 Geräte. Woche für Woche sollen weitere geliefert werden. 19.600 sollen es insgesamt sein. Pro Woche können voraussichtlich rund 1.500 Geräte ausgeliefert werden.

Die genaue Reihenfolge der Schulen werde zurzeit erarbeitet, so Stadtsprecherin Katrin Pinetzki. Sie orientiere sich an den technischen Voraussetzungen in den Schulgebäuden, der bereits vorhandenen Ausstattung und den Fortbildungen der Lehrkräfte.

„Die aus dem Sofortausstattungsprogramm zur Verfügung stehenden Geräte stellen sicher, dass jeder Schüler und jede Schülerin in Dortmund ein Endgerät zur Verfügung haben kann“, sagt Katrin Pinetzki.

Rat gibt seine Zustimmung zum Kauf Zehntausender Apple-Geräte

Insgesamt soll die Zahl der mobilen Endgeräte bis Ende des Jahres von rund 18.000 auf rund 36.000 wachsen. Bis Ende 2023 soll diese Zahl bei 52.000 liegen. Es gibt in Dortmund rund 80.000 Schülerinnen und Schüler.

Der Rat legte auch fest: Für die 6,8 Millionen Soforthilfe werden ausschließlich Geräte des US-Unternehmens Apple angeschafft. „Da sich die allermeisten Schulen bereits in den vergangenen Jahren zum Einsatz von Apple-iPads entschieden haben, werden auch die neuen Tablets vom gleichen Typ sein“, sagt Katrin Pinetzki.

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Die Wartung der Geräte übernimmt das Dortmunder Systemhaus. Bis Jahresende soll es über 25.000 Apple-Geräte an Schulen in der Stadt geben.

An dieser Abhängigkeit von einem System gibt es Kritik. Es gibt Bemühungen, an Schulen selbstständiges Programmieren in offene Plattformen zu fördern, unter anderem durch den Dortmunder Medienkünstler Daniel Schlep. Vertreter von Schulen führen dagegen die Alltagsnähe der Apple-Systeme als Argument an.

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Mehr Dortmunder Schüler haben bald Zugang zu einem Tablet oder Laptop

Das Sofortausstattungsprogramm wird die Situation für junge Menschen in Dortmund verbessern, die bisher gar keinen Zugang zu einem Gerät hatten.

Eine Frage wird sein, inwieweit Homeschooling in näherer Zukunft wieder eine Rolle spielt. Seit den Sommerferien sind immer wieder einzelne Klassen oder Schüler in Quarantäne auf die digitale Verbindung zur Schule angewiesen.

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Die überwiegende Mehrheit lernt seit Ende April weiterhin auf die „klassische“ Art und Weise im Klassenraum, auch wenn die Aufmerksamkeit für das Thema E-Learning zugenommen hat.

Nur ein Bruchteil des verfügbaren Geldes ist in Bewegung

Der leichte Fortschritt beim Thema Endgeräte täuscht nicht darüber hinweg: Nur ein Bruchteil des verfügbaren Geldes aus dem Digitalpakt ist bisher in Bewegung.

Anträge auf Fördermittel des Digitalpaktes werden laut der Stadt Dortmund seit Februar 2020 laufend gestellt. Insgesamt waren es bisher 51 Anträge mit einem Volumen von rund 6 Millionen Euro.

Das bedeutet aber auch: Gerade einmal ein Sechstel der 40 Millionen Euro sind abgerufen worden. Und man muss sogar sagen: Dortmund ist damit noch weiter als viele andere NRW-Kommunen: Die Hälfte hat noch keinen Cent aus dem Digitalpakt beantragt. Woran liegt das?

Wer Geld aus dem Digitalpakt möchte, muss sich auf eine aufwändige Vorbereitung einstellen

Umfragen unter Schulen haben ergeben, dass viele durch den bürokratischen Aufwand und lange Bearbeitungszeiten abgeschreckt sind und nur zögerlich Anträge stellen. Außerdem sind Lehrer oft nicht ausreichend ausgebildet, um die neue Technik auch einzusetzen.

Und vor der Beantragung steht laut Stadtsprecherin Katrin Pinetzki ein „aufwändiger Beratungs- und Abstimmungsprozess“ mit den Schulen. Fünf Fachämter sind beteiligt, es gibt zahlreiche Projektgruppen für Themen wie Breitbandausbau bis hin zur Elektroverkabelung.

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Und mehr: „Es muss in Zusammenarbeit mit den Schulen ein sogenanntes technisch-pädagogisches Einsatzkonzept erstellen werden“, sagt Pinetzki.

Dabei ist mit neuen Endgeräten nicht alles automatisch gelöst. Viele Probleme sind grundlegend: Rund 60 Schulen haben immer noch kein flächendeckendes W-Lan, nur 43 von 155 Einrichtungen sind an das Glasfasernetz angebunden.

Stadtsprecherin Katrin Pinetzki bewertet aus Sicht der Kommune die Zusammenarbeit unter den beteiligten Behörden und mit den Schulen als „sehr positiv“.

Dennoch zeigt der Blick auf die hohen ungenutzten Fördersummen: Um in der Digitalisierung an Dortmunds Schulen so weiter zu kommen wie es viele Experten fordern, sind die gegenwärtigen Entscheidungswege an vielen Stellen zu lang.

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