Dortmund: Millionen-Investition gegen den Pflegenotstand

mlzBauprojekt

Direkt am Hoeschpark entsteht eine katholische Akademie für Pflegeberufe. Ein ambitioniertes Projekt – denn viel Zeit bis zur Eröffnung bleibt nicht.

Nordstadt

, 23.11.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Keine Frage, es ist ein aus vielerlei Sicht ambitioniertes Projekt. Obwohl derzeit noch nicht einmal der Rohbau steht, muss die neue Pflegeakademie, der Canisius Campus GmbH an der Kirchderner Straße, spätestens Ende 2020 fertiggestellt sein.

Denn ab 2021 sollen dort, direkt am Hoeschpark, 700 Schüler ausgebildet werden - auf dem hart umkämpften Markt der Pflegeberufe eine stattliche Anzahl.

Verantwortlich für die Leitung zeichnet mit Schulleiter Tobias Strippel und Geschäftsführer Andreas Schulz künftig zudem ein neues Führungsduo, da es den langjährigen Leiter und Geschäftsführer Carsten Drude zum Jahresbeginn beruflich nach Münster zieht.

Schulz als Personalentwickler der Katholischen St. Lukas Gesellschaft und Strippel als kommissarischer Leiter der Pflegeschule Kirchderner Straße bringen zwar reichlich Erfahrung mit, müssen sich in ihre neue Tätigkeit aber wohl erst einmal hineinarbeiten.

Voll im Plan

Doch trotz all dieser Neuerungen gibt sich der scheidende Carsten Drude, der den Gesamtbetrieb der katholischen Pflegeschulen in Dortmund seit 2005 leitet, äußerst optimistisch: „Wir liegen voll im Plan; ich gehe davon aus, dass der Neubau schon im November 2020 fertig ist.“

„Aus drei mach eins“ könnte man das neue Pflegeberufegesetz beschreiben, das die vorher getrennten Ausbildungen für Kranken-, Kinderkranken- und Altenpflege zusammengelegt. Und ähnlich gestaltet sich auch die Strategie der Canisius Campus GmbH: Die bislang drei Pflegeschulen an der Dortmunder Sonnenstraße, der Altstadtstraße in Lünen und an der Kirchderner Straße sollen unter einem Dach vereint werden.

„Es ist ein Leuchtturmprojekt“, sagt Drude, „das Synergieeffekte im positiven Sinne mit sich bringt.“ Einerseits könne die Akademie - zum Beispiel bei Zusatzkursen - viel flexibler agieren, andererseits erhofft er sich Marketingeffekte: „Wenn jemand über eine Pflegeausbildung spricht, soll er sofort an die Canisius Campus GmbH denken.“

Dortmund: Millionen-Investition gegen den Pflegenotstand

Mit dem Anbau soll aus der bisherigen Pflegeschule eine hochmoderne Akademie werden - und das bis Ende 2020. © Köhler Architekten

Damit aus diesem Wunsch Realität wird, hat die Gesellschaft das bislang angemietete Gebäude am Hoeschpark sowie ein angrenzendes Baugrundstück erworben, wo nun der Neubau in die Höhe wächst. Nach dessen Fertigstellung sollen beide Gebäude mit einem Durchbruch verbunden werden - und so die über 6000 Quadratmeter große, hochmoderne Akademie bilden.

Auch darauf, dass ein Teil der künftigen Schüler mit dem eigenen Fahrzeug anreisen wird, habe man laut Drude reagiert: „Der momentan noch teilweise untervermietete Parkplatz gegenüber steht dann komplett der Akademie zur Verfügung.“

Gewaltige Investition

Große Pläne, die mit kleinem Geld nicht zu verwirklichen wären: Rund 9 Millionen Euro investieren die Gesellschafter der GmbH, darunter die St. Lukas- und die St.-Johannes-Gesellschaft mit ihren Kranken- und Pflegeeinrichtungen, in den Neubau. Eigentlich, so Drude, sollte diese Summe ja aus öffentlichen Kassen kommen: „Aufgrund des neuen Pflegeberufegesetzes sehe ich das Land Nordrhein-Westfalen in der Pflicht. Doch bislang zahlen die Gesellschafter.“

Dass die katholischen Einrichtungen so viel Geld investieren, kommt nicht von ungefähr. „Die Not im Pflegebereich ist groß“, weiß Drude, „unser primäres Ziel ist es, eigenen Nachwuchs auszubilden.“ Soll heißen: Wer sich in der Ausbildung bewährt, wird von den angeschlossenen Einrichtungen übernommen.

Abschied von der Sonnenstraße

In den Sternen steht indes die Zukunft der beiden bisherigen Pflegeschulen, die aufgegeben werden. Beim seit 2008 angemieteten Gebäude an der Sonnenstraße laufe laut Drude der Mietvertrag aus; wie es anschließend genutzt wird, vermag er nicht zu sagen.

Und auch bei der Lüner Schule stehe man nicht unter Druck, da sich die Einrichtung direkt auf dem dortigen Krankenhausgelände befinde: „Was damit geschieht, steht aktuell noch nicht fest.“

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