„Millionen-Prozess“ startet am 15. Oktober: Spektakuläre Coups auch in Dortmund und Werne

mlzLandgericht Essen

Nach einer spektakulären Raub- und Diebstahlsserie startet im Oktober der Prozess gegen eine mutmaßliche „Geldtransporter-Bande“. Auch Tatorte in Dortmund und Werne waren betroffen.

Essen/Dortmund/Werne

, 10.09.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vor dem Essener Landgericht beginnt am 15. Oktober der Prozess um eine der wohl spektakulärsten Raub- und Diebstahlsserien der letzten Jahre. Angeklagt sind sechs Männer (25 bis 44) und eine 22-jährige Frau. Vier angeklagte Coups in Dortmund, Werne, Mönchengladbach und Gronau gleichen in weiten Teilen denen echter „Meisterdiebe“.

Spektakulärer Coup in Dortmund: 520.000 Euro erbeutet

Während zwei Sicherheitsmitarbeiter am 10. November 2016 gerade einen Geldautomaten im Stadthaus an der Dortmunder Kleppingstraße befüllten, sollen drei der männlichen Angeklagten heimlich mit einem Nachschlüssel das abgestellte Geldfahrzeug aufgeschlossen, die Schleusen entriegelt, mehrere Plomben geöffnet und Bargeld in Höhe von exakt 521.372,51 Euro gestohlen haben.

Täter sollen in Werne 254.000 Euro erbeutet haben

In Werne sollen die Angeklagten am 23. Juni 2017 mithilfe eines Generalschlüssels nur wenige Stunden nach einer Auffüllung des Postbank-Geldautomaten an der Alte Münsterstraße 254.000 Euro erbeutet haben.

Millionen-Coup mit umlackiertem Geldtransporter

Den mit Abstand Aufsehen erregendste Coup soll die Gruppe im Dezember 2017 bei einer Supermarktkette in Gronau verübt haben. Der nachgestellte Fall war Ende 2018 ausführlich Thema in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ... ungelöst“. Als Geldboten verkleidet und mittels eines nachgebauten, umlackierten „Fake-Geldtranporters“ einer Sicherheitsfirma war laut Anklage ein echter Millionen-Coup gelungen.

Einen Sicherheits-Transporter nachgebaut

Der mit Magnetfolie, Aufklebern und mit einer Doublette eines tatsächlich existierenden Kennzeichens versehene Sicherheits-Transporter hatte offenbar so täuschend echt ausgesehen, dass ein Supermarkt-Mitarbeiter keinerlei Verdacht geschöpft und den Tätern eine Geldkiste mit 1,8 Millionen Euro übergeben hatte.

Die Essener Staatsanwaltschaft wirft einem der Angeklagten zudem einen Raubüberfall auf eine Schmuckhändlerin in Mönchengladbach vor. Der 25-Jährige soll der Frau zu Hause aufgelauert, ihr Pfefferspray ins Gesicht gesprüht und ihr Schmuck im Wert von 300.000 Euro geraubt haben.

Weiterer Überfälle sollen bevorgestanden haben

Laut Anklage sollen unter anderem Überfälle auf die Volksbank in Werne sowie Sparkassenfilialen in Köln und Kamen bereits detailliert vorbereitet und unmittelbar bevorgestanden haben.

Der älteste Mitangeklagte soll als anfangs noch aktiver Mitarbeiter eines Sicherheitsunternehmens Insiderwissen über mögliche Schwachstellen weitergegeben haben. Außerdem soll er Sicherheitscodes und Generalschlüssel für Geldautomaten sowie Geldtransporter besorgt haben.

Fünf von sieben Angeklagten sitzen in U-Haft. Ihnen drohen teils mehrjährige Haftstrafen.

Lesen Sie jetzt