Missbrauch von Jugendlichem: Neuer Prozess nötig

Bundesgerichtshof

Einer der unangenehmsten Angeklagten der vergangenen Jahre wird demnächst erneut auf der Anklagebank des Dortmunder Landgerichts sitzen. Der 41-Jährige hatte mit seiner Revision gegen die Verurteilung zu drei Jahren und vier Monaten Haft zumindest teilweise Erfolg. Der Bundesgerichtshof hat deshalb einen neuen Prozess angeordnet.

DORTMUND

03.08.2017, 16:04 Uhr / Lesedauer: 1 min
Das Landgericht Dortmund.

Das Landgericht Dortmund.

Ende 2012 soll der Angeklagte einen 16-jährigen Bekannten dazu gebracht haben, einen Mitschüler zu einem Besuch in seiner Wohnung am Hafen zu überreden. Kaum war der ahnungslose Schüler dort angekommen, wurde er offenbar überwältigt, gefesselt und zu Nacktaufnahmen gezwungen. Bei einem zweiten Besuch einige Zeit später soll der Jugendliche dann auch sexuell missbraucht worden sein.

Das Landgericht hatte den 41-Jährigen im vergangenen Jahr wegen Missbrauchs, versuchter Erpressung und Nötigung verurteilt. Den zweiten Besuch des Schülers soll der Angeklagte dadurch erzwungen haben, dass er damit drohte, die Nacktaufnahmen im Internet zu verbreiten. Außerdem soll er später zweimal auf die Handy-Mailbox des Jungen gesprochen und Todesdrohungen ausgestoßen haben.

Unverschämte und pampige Äußerungen

Eine versuchte Erpressung und eine Bedrohung wollte der Bundesgerichtshof aber aufgrund der Aktenlage nicht einfach so bejahen. Dazu müssten weitere Feststellungen getroffen werden. Und dies könne nur in einer neuen Verhandlung geschehen.

Der Angeklagte war im ersten Prozess durch häufige unverschämte und pampige Äußerungen aufgefallen. Herablassend hatte er der Staatsanwältin gesagt, sie könne sich ihr Exemplar seines schriftlichen Antrags gefälligst selbst bei ihm abholen. Und die Richter mussten sich so einiges anhören.

Sexuelle Demütigung und Missbrauch rechtskräftig

Bei der Urteilsbegründung hatte der 41-Jährige dann sogar sein zuvor abgelegtes Geständnis widerrufen und gesagt: „Wir werden auf jeden Fall Revision einlegen.“ Dass er sein Opfer sexuell gedemütigt und missbraucht hat, hat aber auch der Bundesgerichtshof nicht angezweifelt. Diese Taten sind rechtskräftig.

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