Seit Anfang Juli patroulliert ein Securitydienst durch den Westpark. Die Sicherheitskräfte erleben in ihrem Alltag viel Kurioses. Uns erzählen sie, wann sich ihre Nackenhaare aufstellen.

Unionviertel

, 22.07.2019, 14:14 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Können Sie mir mal erzählen, warum Sie nichts gegen die Fahrradfahrer tun?“ Eine ältere Dame mit ergrauten, struppigen kleinen Hund ist empört. Fordernd blickt sie den Sicherheitsmann an, der ihren Weg kreuzt. Patrick Niggemann lächelt und erklärt, dass sein Team dieses Problem sicherlich in den Griff bekommen wird.

„Das hoffe ich doch. Sonst hau ich den Fahrradfahrern irgendwann mal den Stock zwischen die Speichen. Dann kommen sie nicht mehr weit!“ Bei ihren Worten muss selbst die Dame schmunzeln. „Ist schon toll, dass Sie hier sind. Dann muss ich bald nicht mehr zur Seite springen, wenn diese Fahrrad-Rüpel vorbeikommen.“

Securitykräfte bekommen positives Feedback

Zuspruch dieser Art bekommen Niggemann und sein Team häufig. „Alle haben uns lieb“, sagt sein Kollege Michael Gammel. „Nun ja, fast alle. Manche, gerade die Betrunkenen, sind nicht so freundlich. Wir sind manchmal der Boxsack der Leute. Aber das können wir ab.“

Niggemann und Gammel sind Teil einer achtköpfigen Streife, die seit dem 3. Juli durch den Westpark patroulliert. Sie wurden von der Stadt Dortmund engagiert, um die neu beschlossene Parkordnung durchzusetzen. Im Fredenbaumpark gab es vor Jahren ein ähnliches Konzept. Ob das auch im Westpark klappt, wird im September ausgewertet. Dann entscheidet sich, ob die Sicherheitsleute auch im 2020 für die Parkbesucher da sein werden.

Die Sicherheitskräfte sind täglich von 18 bis 0 Uhr unterwegs. Freitags und samstags geht die Schicht länger: von 17 bis 2 Uhr und von 14 bis 2 Uhr. Sonntags starten sie um 14 Uhr und sind bis Mitternacht da. Wenn der Park dann noch voll ist, bleiben die Männer länger.

Das sind die wichtigsten Regel im Westpark

„Wir sorgen dafür, dass die Besucher nicht ihren Müll liegen lassen. Grills müssen mindestens eine handbreit vom Boden entfernt sein, damit der Rasen nicht gefährdet wird. Elektronische Abspielgeräte sind nicht erlaubt, Live-Musik aber schon“, fasst Niggemann die wichtigsten Regeln zusammen. Außerdem ist das Radfahren verboten.

Mit dem Securitydienst auf Streife: „Wir sind der Boxsack der Leute“

Die Sicherheitsleute sorgen dafür, dass die neue Parkordnung eingehalten wird. Musik aus Lautsprechern ist nicht erlaubt. © Sylva Witzig

Am Wegesrand liegt ein Mann. Zusammengekauert wickelt er sich in seine Decke, die ungewaschenen Haare fallen ihm ins Gesicht. „Geht es Ihnen gut?“, fragt der Wachmann vorsichtig. „Jaja, geht schon. Bin nur ‘n bisschen übernächtigt und so“, antwortet der Mann am Boden. „Ganz sicher? Wir schauen nachher noch einmal nach Ihnen.“ Der Mann brummelt etwas in seinen Bart und zieht sich die Decke wieder über sein Gesicht. Dass das Team nach Obdachlosen schaut, sei nicht ungewöhnlich. „Es ist auch unsere Aufgabe, erste Hilfe zu leisten oder einen Rettungswagen zu rufen“, erklärt Niggemann.

„Da stellen sich mir die Nackenhaare auf“

Das Schlimmste an seinem Job sei das Elend der Menschen. „Seien es Obdachlosigkeit, emotionale Krisen oder Drogensüchte. Wir sind mit dabei und können nicht allen mit ihren Nöten helfen.“ Niggemann habe bereits Spritzen auf dem Spielplatz im Westpark gefunden. „Da stellen sich mir die Nackenhaare auf. Ich habe selbst einen 2-jährigen SohnMit dem Securitydienst auf Streife: „Wir sind der Boxsack der Leute“ und eine Spritze ist wohl das Letzte, in das er reingreifen sollte.“

Mit dem Securitydienst auf Streife: „Wir sind der Boxsack der Leute“

Die Securitymänner sind Ansprechpartner für die Besucher, beantworten Fragen und helfen in Notsituationen. © Sylva Witzig

Schön sei der Kontakt mit Menschen. Er lerne „andere Kulturen kennen“, sagt Niggemann. Als Beispiel nennt er eine Gruppe afrikanischstämmiger Menschen, die regelmäßig im Park trommelt. „In einem Mietshaus kann man ja schlecht Lärm machen und so sind sie froh, dass sie im Park Musik machen dürfen. Das ist eine fröhliche Truppe.“

Mit dem Securitydienst auf Streife: „Wir sind der Boxsack der Leute“

Angemeldete Gruppen dürfen Lärm machen und die Tanzfläche nutzen - so wie die Salsagruppe, die sich Freitag abends trifft. © Sylva Witzig

Auf die Frage, welche Personen sich nicht angemessen im Park verhalten, sagt Niggemann, dass die „problematischste Besuchergruppe“ alkoholisierte Jugendliche seien. „Wenn die ordentlich was im Kessel haben, sind die ein bisschen übermütig und wollen sich profilieren.“ Er habe die Erfahrung gemacht, dass manche Besucher ihrer Wut freien Lauf lassen müssen. „Dann kommen auch mal derbe Beleidigungen. Uns schockt da nichts.“ Im Zweifel muss der Securitydienst das Ordnungsamt oder die Polizei rufen. Denn eine Handhabe gegenüber Menschen, die sich nicht zu benehmen wissen, haben die Securitykräfte nicht.

Das ist der Unterschied zwischen Ordnungsamt und Securitydienst

Das Ordnungsamt schaut mindestens einmal am Tag im Park vorbei. Für etwa 15 Minuten machen die Mitarbeiter stichprobenartige Kontrollen. Teilweise sind sie auch in Zivil unterwegs und dürfen Ordnungswidrigkeiten abmahnen. Das macht die Security-Streife nicht, sie arbeitet eher präventiv. „Wenn die Besucher uns sehen, lassen sie ihre leeren Flaschen schnell hinter ihrem Rücken verschwinden. Wenn sie ihren Müll mitnehmen, müssen sie auch keine Angst vorm Ordnungsamt haben“, erklärt Michael Gammel.

Größere Gruppen werden von den Securitykräften oft angesprochen. Etwa jede dritte Gruppe wird verwarnt. Ein Bußgeld gibt es aber nicht. „Wir nerven die Leute so lange, bis sie sich an die Regeln halten“, sagt Michael Gammel.

Autofahrer verkauft Drogen aus seinem Sportwagen heraus

Die Sicherheitskräfte erzählen von kuriosen Begegnungen. Pärchen, die sich in den Büschen vergnügen, seien da noch harmlos. „Neulich kam ein weißer Sportwagen mitten in den Park gefahren und verkaufte aus dem Fenster heraus Drogen. Der war so schnell wieder draußen, dass wir in der Dunkelheit noch nicht einmal sein Kennzeichen notieren konnten“, erzählt Niggemann. „Durch uns wird der Drogenhandel im Park aber generell weniger.“

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