Als Einsiedler Karl Ruppert einen Lehrer mit der Mistgabel bedrohte

mlzEinsiedler vom Kurler Busch

Er lebte ganz allein mit seinen Tieren auf einer Wiese am Körnebach-Wald: Ein ehemalige Lehrer aus Dortmund erinnert sich heute an ein dramatisches Erlebnis mit dem Einsiedler Karl Ruppert.

Kurl

, 04.07.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

In unserer Kolumne „Nordost-Geschichten“ erinnerte sich die Scharnhorster Malerin Bruni Braun jüngst an den „Einsiedler vom Kurler Busch“, Karl Ruppert. Ruppert lebte mit seinen vielen Tieren auf einer Wiese am Körnebach-Wald. Er wäre Ende Juni 109 Jahre alt geworden.

Nun hat sich auch Ulrich Möller gemeldet. Der heute 70-Jährige war lange Lehrer an der Gesamtschule Scharnhorst und berichtet von einem spannenden Erlebnis mit dem Einsiedler.

Karl Ruppert bedrohte Lehrer mit der Mistgabel

Er erzählt von einem Kontakt mit Karl Ruppert im Jahr 1981: „Während einer Projektwoche traf ich Karl Ruppert auf dramatische Weise. Unser Thema war Natur in Scharnhorst. Auf einem Ausflug mit Schülern in die Umgebung fiel mir am Kurler Busch ein riesiger Müllberg auf.“

Umweltbewusst wie er war, habe Möller ein Foto für die Nachbesprechung und die Dokumentation des Projekts machen wollen, als plötzlich ein wilder alter Herr mit einer Mistgabel auf ihn zugestürzt sei, um ihn zu vertreiben – oder gar aufzuspießen?

Ulrich Möller, der früher als Lehrer an der Gesamtschule Scharnhorst tätig war, erinnert sich an zwei Begegnungen mit Karl Ruppert.

Ulrich Möller, der früher als Lehrer an der Gesamtschule Scharnhorst tätig war, erinnert sich an zwei Begegnungen mit Karl Ruppert. © Andreas Schröter

Von seinen Schülern beobachtet, habe er nicht weglaufen wollen: „Ich blieb stehen und streckte eine Hand abwehrend aus. Kurz bevor die Gabel mich erreichte, hielt der Mann an und rief, ich hätte kein Recht hier zu fotografieren und solle verschwinden.“

Irgendwie hätte Möller ihn beruhigen können und die beiden seien ins Gespräch gekommen, vereinbarten ein Treffen für den kommenden Nachmittag und verabschiedeten sich friedlich.

Karl Ruppert brauchte den Müll zum Überleben

Bei diesem Treffen habe Karl Ruppert dem Lehrer erklärt, er wolle seine Ruhe haben und brauche den Müll zum Überleben. Er sortierte brauchbare Dinge, die er zu Geld machen konnte, aus dem Müll heraus und brauchte wohl auch Teile für Feuer und Wärme. Wegen des Fotos befürchtete er, dass es bei einer Veröffentlichung Probleme für ihn bringen könnten.

So sah es auf dem Gelände von Karl Ruppert am Kurler Busch aus.

So sah es auf dem Gelände von Karl Ruppert am Kurler Busch aus. © Ulrich Möller

Er wolle nicht ständig bei den Ämtern vorstellig werden, habe Ruppert damals erzählt, deswegen gebe es Probleme mit der Rente. Lieber wollte er von den Ämtern unabhängig und autonom leben – eine Haltung, für die Möller durchaus Verständnis hatte.

Das autonome Leben sei möglich gewesen, weil ihm ein Bauer dieses Stück Land zur Nutzung überlassen hatte. Hier konnte er etwas Gemüse und Kräuter anbauen, ein paar Hühner, Schweine, vielleicht auch andere Tiere halten und so ein Leben unabhängig von der „Gängelei durch Stadtämter“ führen.

Ab und zu bekam Karl Ruppert Besuch von Kindern aus der Umgebung, die ihn und seine Tiere spannend fanden und ihm hier und da bei seiner Arbeit halfen. Auch zu einigen Erwachsenen hatte er Kontakt.

Andere, die ihn nicht kannten, rümpften die Nase und nannten ihn „Schweine-Karl“. Möller: „Ich fand seine Lebensweise faszinierend und mutig. Er erinnerte mich an Geschichten von Einsiedlern aus Märchen und entfernten Gegenden – für Dortmund überraschend.“

Karl Ruppert, geboren 1911, hat bis zu seinem Tod 1994 in einem Bauwagen gelebt. Die Hütte war zuvor durch Brandstiftung abgebrannt.

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