Pflegeplatz-App „Heimfinder“ zeigt viele freie Plätze in Dortmund - Seniorenheim-Träger üben Kritik

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Das NRW-Gesundheitsministerium hat eine App an den Start gebracht, die die Suche nach einem Pflegeplatz erleichtern soll. Dortmunder Seniorenheim-Träger sehen Probleme.

Dortmund

, 29.01.2020, 11:28 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was passiert mit meiner kranken Großmutter? Wer kann sich um meine demente Mutter kümmern, wenn ich arbeiten muss? Da der Bedarf an Pflegeplätzen aktuell so hoch ist wie noch nie, sehen sich immer mehr Angehörige mit derlei Fragen konfrontiert.

Der aktuelle Pflegebericht der Stadt Dortmund prognostiziert unter Berufung auf statistische Analysen des Landes NRW für das Jahr 2020 eine Zahl von knapp 5900 Menschen, die auf eine stationäre Pflege angewiesen sein werden. Zeitgleich wird von einem Pflegeplatzangebot von 5719 Plätzen ausgegangen.

Pflegebericht sieht keine Notwendigkeit für zusätzliche Plätze

Diese verteilen sich in Dortmund laut Statistischem Bundesamt auf insgesamt 72 Pflegeheime. Damit rangiert Dortmund im Vergleich der 15 deutschen Großstädte bei der Anzahl der Pflegeheime auf dem zehnten Rang. Aufgrund der derzeitigen Situation sieht der aktuelle Pflegebericht der Stadt keine zusätzlichen Pflegeheimplätze vor.

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App soll regionale Versorgungssituation darstellen

Um den Zugang zu freien Pflegeplätzen möglichst einfach zu gestalten, geht Nordrhein-Westfalen mit der Etablierung einer Smartphone-App jetzt einen auf Landesebene einmaligen Weg. Davon profitieren auch die Dortmunder.

Von der Einführung der kostenfreien App „Heimfinder NRW“ verspricht sich NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) „erstmals einen tatsächlichen Überblick über die Versorgungssituation in den Regionen“. Konkret gehe es darum, die Betroffenen auf diese Weise bei der Suche nach einem freien Pflegeplatz zu entlasten.

Die vom Gesundheitsministerium NRW gestartete App ermöglicht sowohl die Suche nach freien Kurzzeitpflegeplätzen als auch nach freien Dauerpflegeplätzen im gesamten Bundesland.

Die vom Gesundheitsministerium NRW gestartete App ermöglicht sowohl die Suche nach freien Kurzzeitpflegeplätzen als auch nach freien Dauerpflegeplätzen im gesamten Bundesland. © Screenshot App

Pflegeheime sind zur Meldung von freien Kapazitäten verpflichtet

Grundlage für die App ist eine im vergangenen Jahr erlassene Verordnung des Landes NRW, derzufolge seit dem 1. Januar 2020 alle Pflegeheime verpflichtet sind, ihre freien Plätze tagesaktuell mitzuteilen. Mithilfe der App können sich Nutzer diese in ihrer Umgebung detailliert anzeigen lassen.

In Dortmund verzeichnet die App aktuell (Stand 29. Januar) 66 registrierte Einrichtungen, die über 72 freie Pflegeplätze anbieten - 49 Dauer- und 23 Kurzzeitpflegeplätze.

Institutionen mit unterschiedlichen Einschätzungen

Die Pflegeeinrichtungen in Dortmund schätzen den Start der neuen App durchaus unterschiedlich ein. „Erst einmal ist es für die Angehörigen sicherlich eine große Erleichterung. Und das begrüßen wir. Allerdings ist es durch die tägliche Aktualisierung auch ein sehr schnelllebiges Geschäft“, so Jens Fritsch, Geschäftsführer der Diakonischen Altenhilfe Dortmund.

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Da beispielsweise bestehende Wartelisten in der App nicht berücksichtig würden, könne die App nicht garantieren, dass ein dort ausgewiesener Platz am Ende noch frei sei. „Grundsätzlich aber entlastet das Angebot auch die Sozialdienste der Krankenhäuser, die ja ebenfalls täglich nach Versorgungsmöglichkeiten für Patienten suchen“, so Fritsch.

„Die Politik verlagert den Frust auf die Mitarbeiter“

Katrin Mormann von der Awo sieht indes ein Konfliktpotenzial: „Der Suchende wird durch die App aufgrund der zu erwartenden Entwicklung häufig nur erfahren, dass kein Platz vorhanden ist. Das wird eher zu Frust bei den Nutzern führen.“

Darüber hinaus werde eine solche App die Konkurrenz um die Plätze erhöhen.

Mormann befürchtet in der Folge zusätzliche Herausforderungen für die Mitarbeiter der Pflegeheime. „Die Beschwerden werden zunehmen, und somit verlagert die Politik den Frust über mangelnde Pflegeplätze im schlimmsten Fall auf die Menschen in den Einrichtungen.“

Die mobile App ist sowohl für Apple- als auch für Android-Geräte erhältlich. Erreichbar ist der „Heimfinder NRW“ aber auch online unter www.heimfinder.nrw.de.

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