Mit Fullface-Helm zum Konzert: Die Bläser der Dortmunder Philharmoniker

mlzSelbstschutz am Theater

Felix Reimann (Querflöte) und Berndt Hufnagl (Posaune) fahren jeden Tag mit dem Rad zur Arbeit und zurück. Ihnen beiden wurde klar, dass für sie ein normaler Helm nicht ausreicht.

Dortmund

, 22.02.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Name:

Felix Reimann

Beruf:

Flötist

Sparte:

Philharmoniker

Besonders schützenswerter Körperteil:

Oberlippe

Der Unfall eines Kollegen war für Felix Reimann der Auslöser

Vor etwa vier Jahren hatte ein Orchesterkollege von Felix Reimann (54) einen Unfall mit dem Fahrrad. Bei dem Sturz schlug der Kollege sich die Lippen auf. Zum Glück war es kein Bläser, deshalb konnte er weiterspielen. Aber Felix Reimann, der Querflöte spielt, kam ins Grübeln.

„Die Lippe war zerstört“, sagt Reimann. „Und für uns Bläser ist die Lippe mindestens so wichtig wie die Finger. An der Querflöte gestalten wir den Klang mit der Oberlippe. Die Unterlippe liegt am Mundstück der Flöte, und die Oberlippe ist für die Färbung des Tons, seine Klarheit und Schönheit zuständig.“

Würde er sich die Lippe verletzen, wäre es aus mit dem Flötespielen

Wenn die Lippe – oder auch das Gebiss – eines Bläsers Schaden nähme, sagt Reimann, „dann ist Feierabend“. Karriere vorbei. „Das ist mir dann siedendheiß klar geworden.“

Reimann wohnt in Berghofen. Jeden Tag fährt er mit dem Rad die acht Kilometer von dort zum Theater in der Innenstadt und zurück. Pro Fahrt zwischen 20 und 30 Minuten.

„Und der Radverkehr in Dortmund ist ja suboptimal“, sagt Reimann. „Die Todesstrecke ist ja die Märkische Straße, wo der Radweg hinter den parkenden Autos verläuft. An jeder Kreuzung muss man auf die Abbieger aufpassen.“

Jugendliche sagen: „Wow, Alter, geiler Helm!“

Innerhalb weniger Tage nach dem Unfall des Kollegen bestellte Reimann einen Fullface-Helm, der auch Mund und Kinn schützt. So einen Helm tragen üblicherweise Downhill-Fahrer, die mit dem Rad Berghänge hinabrasen.

„Und ich rase ja jetzt nicht mit einem Mountainbike, sondern mit einem ganz normalen Tourenfahrrad durch die Stadt“, sagt Reimann und lacht. „Da kommen schon mal dumme Sprüche wie: ‚Na, da kann ja gar nichts mehr passieren!‘. Aber manchmal auch von Jugendlichen Sachen wie: ‚Wow, was ist das für‘n geiler Helm, Alter!“

Den Sicherheitsgedanken dachte Reimann konsequent weiter. Auf dem Rad trägt er Handschuhe mit Kunststoffschalen über Knöcheln und Fingern - denn auch die braucht er zum Spielen, für die Klappen der Flöte.

Mit Fullface-Helm zum Konzert: Die Bläser der Dortmunder Philharmoniker

Seit Dezember trägt Posaunist Bernd Hufnagl auch bei jeder Fahrt einen Fullface-Helm. © Tilman Abegg

Name:

Berndt Hufnagl

Beruf:

Posaunist

Sparte:

Philharmoniker

Besonders schützenswerter Körperteil:

Ober- und Unterlippe

Berndt Hufnagl stürzte mit normalem Helm – doch der reichte nicht

Spezielle Handschuhe trägt Berndt Hufnagl beim Radfahren nicht. Die Posaune hat keine Ventile oder Klappen, muss nur auf- und zugezogen werden. Das ginge zur Not auch mit dem Daumen.

Im November fuhr 44-Jährige mit dem Rad zur Arbeit (sieben Kilometer von Brackel aus). Es war Abend, nass und dunkel, die Reifen rutschten weg und Hufnagl schlug mit der linken Kopfseite auf den Asphalt.

Beim Sturz hatte Hufnagl Glück im Unglück

Er trug einen normalen Radhelm, der seine Stirn und die Schädeldecke schützte. Aber die Wange war aufgerissen. Er hatte im Glück im Unglück: Sein Mund blieb unversehrt. Nach ein paar Tagen konnte Hufnagl wieder Posaune spielen.

Kurz darauf schickte Hufnagl eine SMS an Reimann: „Wo hast du deinen Helm her?“, und bestellte sich einen für 150 Euro im Internet.

Seit Dezember fährt jetzt auch Hufnagl nur noch mit Fullface-Helm. „Wie der aussieht, ist mir egal. Er muss halt schützen.“

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