Mit Messer das Gesicht zerschnitten – Verfahren nach brutalem Angriff eingestellt

mlzNachbarschaftsstreit

Eine lange Narbe im Gesicht zeugt von einem folgenschweren Nachbarschaftsstreit in Eving. Ein Messer wurde gezogen, viel Polizei war vor Ort. Doch Beweismittel sind verschwunden.

Dortmund, Eving

, 05.03.2020, 05:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich wollte die Familie einen schönen Tag mit der Verwandtschaft verbringen. Eine Evinger Familie hatte im Sommer Verwandte zu Besuch, mit denen es einen Auftritt der Kinder in der Moschee besuchen wollte. Stattdessen landeten mehrere Familienmitglieder im Krankenhaus. Nachdem ein Nachbar sie mit einem Messer angegriffen hat.

Sieben Monate danach ist das Verfahren jetzt eingestellt. Beweismittel seien nicht mehr verfügbar, heißt es von der Staatsanwaltschaft. Die betroffene Familie ist schockiert, der Großvater sagt: „Ich habe kein Vertrauen mehr in die Polizei.“

Alles fing mit einem Streit um einen Parkplatz an

Der Familie zufolge begann alles im Juli mit einem Nachbarschaftsstreit wegen eines Parkplatzes. Pflanzen wachsen durch einen Zaun, ein Auto der Familie habe zu nah dran geparkt und die Blumen beschädigt, meinten die Nachbarn. Diese sollen danach Farbe aufs Kennzeichen des Autos gesprüht haben. Es kam demnach zur Konfrontation, Frauen wurden den Angaben nach zu Boden gestoßen.

Unbeteiligte riefen die Polizei, der Sachverhalt wurde aufgenommen, die Verletzten sollten ins Krankenhaus fahren, um Atteste zu bekommen. Als sie einige Stunden später am Nachmittag zurückkamen, sahen sie einen der Nachbarn schon auf dem schmalen Gehweg vor den Reihenhäusern.

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„Der hat auf uns gewartet“, ist sich die Mutter der Familie sicher. Aus der Entfernung habe der Mann schon Beleidigungen und Provokationen gerufen. „Als er meinen Mann gesehen hat, hat er ein Messer hinter dem Rücken hervorgeholt“, erzählt die Frau. Der Angreifer habe den 36-Jährigen am Kragen gegriffen, der habe sich aber losreißen können.

In dieser Wohnsiedlung in Eving kam es zu dem blutigen Streit.

In dieser Wohnsiedlung in Eving kam es zu dem blutigen Streit. © Kevin Kindel

Dann soll der Mann den Großvater der Familie am Kopf gepackt und mit dem Messer ausgeholt haben. „Ich habe keinen Schmerz gemerkt, ich war so unter Schock, aber alles war voller Blut“, sagt der 56-Jährige merklich aufgewühlt. Fotos vom Tag nach der Tat zeigen eine lange genähte Wunde an der Seite seines Kopfes, vom Kinn bis übers Ohr. Der Verletzte wohnt nicht in Dortmund, den Angreifer habe er vorher noch nie gesehen, sagt er.

Der Angreifer wurde festgenommen und abends freigelassen

In einem kurzen Handgemenge erlitten weitere Verwandte leichte Schnittwunden an den Armen, dann rannte der Täter weg. Wenig später stand erneut die Polizei in der sonst so ruhigen Wohnsiedlung. „Bestimmt zehn Polizeiwagen sind gekommen“, sagt die Mutter. Der Angreifer sei mitgenommen, am Abend aber wieder nach Hause entlassen worden.

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Die Polizei bestätigt jetzt eine vorangegangene Anzeige wegen Sachbeschädigung, eine wegen wechselseitiger Körperverletzung und eine Anzeige wegen gefährlicher Körperverletzung. Das Verfahren wurde am 9. Januar eingestellt.

„Die Beweismittel, die uns vorliegen, reichen nicht aus“, sagt Staatsanwalt Henner Kruse. Die Polizei habe ihm gegenüber angegeben, Fotos eingeschickt zu haben, die aber laut Kruse nie bei der Staatsanwaltschaft ankamen. Digital seien sie auch nicht verfügbar. Für weitere Rückfragen verweist Kruse an die Polizei.

Eine offizielle Beschwerde liegt der Polizei vor

„Aufgrund des laufenden Beschwerdeverfahrens werden wir uns zu weiteren Details nicht äußern“, heißt es von der Polizei. Die Familie hat inzwischen einen Anwalt eingeschaltet: Hasim Alici hat im Februar eine offizielle Beschwerde an die Polizei geschickt. Die beteiligten Ermittler sollen sich im Rahmen des Beschwerdeverfahrens nun zu dem Verfahren äußern.

Auf die Evinger Familie hat der Vorfall bis heute große Auswirkungen. An allen Fenstern versperren Rollos oder Vorhänge den Blick von außen ins Haus. In wenigen Wochen zieht das Ehepaar mit den kleinen Kindern sogar ganz aus der Siedlung fort. Dem Angreifer möchten sie einfach nicht wieder begegnen, sagen sie.

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