Witwe des „Knochenbrechers“ hat in Dortmund Pferde und Hunde eingerenkt

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Die Witwe des „Knochenbrechers“, Carmen Hanken, hat in Dortmund Pferde und Hunde behandelt. Sie ist oft die letzte Adresse, wenn Tieren scheinbar nicht mehr geholfen werden kann.

Lütgendortmund

, 27.07.2020, 05:00 Uhr

Pferde- und Hundebesitzer wollen für ihre Tiere nur das Beste, doch manchmal kann auch der beste Tierarzt die Leiden eines Vierbeiners nicht lindern. Solche Tiere landen dann häufig bei Carmen Hanken, die auf ihre eigene Art und Weise den Tieren zu helfen weiß.

Das Wetter am Freitagvormittag (24. Juli) ist warm und die Stimmung herzlich auf dem Hippotherapie-Hof von Michelle Bartel. Auf ihrem Hof in Somborn behandelt die gelernte Physiotherapeutin ihre Patienten mit Reit-Therapie. „Es sind die Schwingungen des Pferdes, die den Patienten helfen“, erklärt Michelle Bartel. „Wenn das Pferd läuft, dann überträgt sich das auf den Reiter."

In der Hippotherapie auf dem Hof werden Kinder und Erwachsene mit verschiedenen Krankheiten behandelt. Oft gibt die Therapie den Betroffenen ihre Bewegungsfreiheit oder die Fähigkeit zu laufen in Teilen zurück. Heute werden aber nicht nur Menschen, sondern auch die Tiere des Hofes behandelt. Carmen Hanken, die Witwe des Knochenbrechers Tamme Hanken, besucht den Hof und kümmert sich um Hunde und Pferde.

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Carmen Hanken gibt Dortmunder Tieren ein neues Leben

„Es gibt fast kein Pferd, das keine Störungen hat“

Neben vielen angemeldeten Tieren ist heute auch das Hof-Pony Büffelblume dran. Das 14 Jahre alte Pony hat Probleme mit dem Becken und die Kinder können nicht gerade auf ihrem Rücken sitzen. Zuerst schaut sich Carmen Hanken an, wie Büffelblume läuft. „Ich gebe Tipps und mache Ursachenforschung“, erklärt die 60-Jährige. „Es gibt fast kein Pferd, das keine Störungen hat.“

Was unangenehm aussieht, lässt Büffelblume tapfer über sich ergehen. Die Hofbesitzerin Michelle Bartel hofft, dass Büffelblume nach der Behandlung die Kinder wieder besser tragen kann.

Was unangenehm aussieht, lässt Büffelblume tapfer über sich ergehen. Die Hofbesitzerin Michelle Bartel hofft, dass Büffelblume nach der Behandlung die Kinder wieder besser tragen kann. © Nora Varga

Nachdem sie sich Büffelblume genau angesehen hat, beginnt sie, das Pferd wieder einzurenken. Büffelblume bleibt ruhig und lässt, bis auf ein kurzes Zucken, alles über sich ergehen. Es knackt einige Male, als sich Carmen Hanken Gelenk für Gelenk vorarbeitet. Seit 15 Jahren ist die gebürtige Rheinländerin hauptberuflich Therapeutin und seit 40 Jahren studiert sie Pferde in ihrer Bewegung.

„Die wenigsten Reiter wissen, wie das Pferd funktioniert“, findet Carmen Hanken. In den Reitstunden würde heute viel weniger über die Bewegungsmechanik des Pferdes vermittelt als früher. In ihren Reitstunden versucht sie den Kindern möglichst viel über den Körper der Pferde zu vermitteln. Eine Philosophie, die auch Gastgeberin Michelle Bartel verfolgt.

Nach dem Tod ihres Mannes Tamme Hanken, der als "Knochenbrecher" bekannt geworden is, musste sich Carmen Hanken ihren Ruf in der Branche erarbeiten. Heute arbeitet sich erfolgreich als Therapeutin und hilft Tieren in ganz Deutschland.

Nach dem Tod ihres Mannes Tamme Hanken, der als „Knochenbrecher" bekannt geworden ist, musste sich Carmen Hanken ihren Ruf in der Branche erarbeiten. Heute arbeitet sich erfolgreich als Therapeutin und hilft Tieren in ganz Deutschland. © Nora Varga

Mit einem Vibrationsgerät behandelt Carmen Hanken Büffelblume weiter, was das Pferd sichtlich und hörbar entspannt, denn die Pony-Dame „entlüftet" sich einige Male, wie sie auf dem Hof sagen.

Auf dem Hof von Michelle Bartel wird Patienten geholfen, die im Rollstuhl sitzen und auf Gehhilfen angewiesen sind. Damit die Patienten die Pferde unkompliziert besteigen können, möchte Michelle Bartel einen Lift anschaffen und sucht Spender. Wer die Hippotherapie Dortmund unterstützen möchte, kann sich per Mail bei Michelle Bartel melden: bartelmichelle2@gmail.com

Pferdehaltern und Reitern empfiehlt sie auf glitzernden Schnick-Schnack bei der Pferdeausrüstung zu verzichten. „Alles, was der Reiter zum Reiten braucht, muss sitzen“, rät sie. Auch regelmäßige Besuche bei einem guten Hufschmied und Zahnarzt seien für das Wohl des Pferdes wichtig. „Man darf nicht vergessen, dass die Tiere empfindsame Wesen sind“, ermahnt Carmen Hanken. Die Sattlerin Ilse Cloppenburg, die Hanken begleitet, berät die, die mit ihren Tieren gekommen sind, über richtige Ausrüstung.

Auch Labrador Shaggy ist heute wegen Carmen Hanken zum Hof gekommen. Sein Herrchen Christian Meier hat seinen Hund hergebracht, weil er schon seit längerem nicht richtig läuft. Für Carmen Hanken liegt einer der Gründe schon nach wenigen Minuten auf der Hand: „Die Krallen sind viel zu lang“. Es sei ein immer wieder auftretendes Problem. Die Hunde könnten dann nicht mehr richtig über die Pfoten abrollen.

Bei vielen Hunden seien die Krallen viel zu lang. Carmen Hanken zeigt, was für lange Horror-Krallen sie schon gesehen hat.

Bei vielen Hunden seien die Krallen viel zu lang. Carmen Hanken zeigt, was für lange Horror-Krallen sie schon gesehen hat. © Nora Varga

Während Shaggy tapfer seine Krallen von der Sattlerin Ilse Cloppenburg feilen lässt, steht Thorsten Habel daneben und sieht zufrieden zu. Er hat den Tag geplant und Carmen Hanken nach Dortmund geholt, nachdem sie seine Assistenzhündin Hanni von ihren Schmerzen befreit hat. „Sie gibt den Tieren ein neues Leben", schwärmt Thorsten Habel. Etliche Interessierte hätten angefragt. Auf dem Hof wird schon über einen zweiten Besuch von Carmen Hanken nachgedacht.

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