Vor 630 Jahren wurde Dortmund belagert – und die Hörder Burg spielte eine wichtige Rolle

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Wütende Hörder, die den Wall belagern und Dortmunder, die Vororte in Brand stecken. Was heute unfassbar klingt, ist 1389 tatsächlich passiert. Die Hörder Burg spielte dabei eine große Rolle.

von Marc Dominic Wernicke

Hörde

, 12.11.2019, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im späten 14. Jahrhundert gab es noch keinen Phoenix-See. Und auch das Stahlwerk war noch rund 500 Jahre entfernt. Die Hörder Burg stand zu jener Zeit schon seit einem Jahrhundert.

Sie diente damals noch einem epochentypischen Zweck: Als Herrschaftssitz der Grafen von der Mark, die das Gebiet rund um die freie Reichsstadt Dortmund kontrollierten.

So kam es zur „Großen Dortmunder Fehde“

„Viele Städte, deren Wappen heute noch ein rot-weißes Schachbrettmuster enthalten, gehörten damals zum märkischen Gebiet – darunter auch Hörde“, weiß der Heimatforscher Willi Garth. „Die Burg war ihre vorderste Bastion gegen die feindlichen Dortmunder.“

Vor 630 Jahren wurde Dortmund belagert – und die Hörder Burg spielte eine wichtige Rolle

Der Heimatforscher Willi Garth zeigt eine Zeichnung vom Umfeld der Hörder Burg im Mittelalter. © Marc D. Wernicke

1388 schmiedeten die märkischen Grafen ein Bündnis mit dem Erzbischof von Köln, der königliche Pfandrechte gegen Dortmund durchsetzen wollte. Ihr gemeinsames Ziel war es, die freie Stadt durch eine militärische Belagerung zu unterwerfen.

Die Truppen des Erzbischofs bauten nördlich von Dortmund eine eigene Burg. Die märkischen Grafen im Süden nutzten derweil die Hörder Burg als ihr Hauptquartier.

Die Dortmunder setzten ihre künftigen Vororte in Brand

„Eines Nachts rückten 600 Dortmunder Bürger und Söldner aus, um die Burg zu erobern“, berichtet Willi Garth. Während sich ein Teil der Angreifer im Schutze der Dunkelheit dem Burgtor näherte, steckte eine zweite Gruppe den Ort Schüren in Brand, um die Verteidiger der Burg nach draußen zu locken.

„Die Dortmunder hatten sich und ihre glänzenden Waffen schlecht verborgen und es kam zum Kampf“, so Garth. „Die Verteidiger flüchteten schnell zurück in die Burg und zogen die Brücke wieder hoch.“

Bei einem zweiten Versuch im Jahr 1389 gingen die Dortmunder noch weiter: Sie zündeten Wellinghofen, Hacheney, Brünninghausen und weitere Vororte an, doch dieses Mal ließen sich die Hörder nicht hervorlocken.

Vor 630 Jahren wurde Dortmund belagert – und die Hörder Burg spielte eine wichtige Rolle

Diese Spuren der mittelalterlichen Burg sind geblieben. © Marc D. Wernicke

Nach 18-tägigen Verhandlungen endete die Fehde schließlich im November 1389. Dortmund blieb frei, musste seinen Gegnern jedoch 7000 Gulden zahlen, was zu jener Zeit als „freiwillig“ bezeichnet wurde, um den Eindruck einer Niederlage zu vermeiden.

Sehenswerte Artefakte stehen heute im Heimatmuseum

Als Zeugnisse der Schlacht sind im Hörder Heimatmuseum, das von Willi Garth geleitet wird, drei schwere Steinkugeln zu sehen. Diese wurden bei mittelalterlichen Belagerungen mit großen Katapulten gegen Mauern geschleudert.

„Eine davon haben wir bei der Fundamentierung der Thomasbirne vor der Burg selbst ausgegraben“, sagt der Heimatforscher.

Vor 630 Jahren wurde Dortmund belagert – und die Hörder Burg spielte eine wichtige Rolle

Ein Foto von 1928 zeigt die "Hörder Klotten". Steinerne Kugeln wie diese wurden im Mittelalter mit großen Schleuderkatapulten und später auch Kanonen gegen Stadtmauern geschossen. © (Repro) Marc D. Wernicke

Das Heimatmuseum, in dem neben den Schleuderkugeln auch viele weitere Artefakte aus der Hörder Stadt- und Industriegeschichte zu sehen sind, befindet sich im Westflügel der Burg am Phoenix-See. Am 5. Dezember von 15 bis 18 Uhr ist es das nächste Mal geöffnet.

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