Mittelstand funkt SOS

Auch kleine und mittlere Firmen klagen inzwischen über den Fachkräftemangel. RN-Redakteur Achim Roggendorf sprach mit Dorothee Schenten, Bezirksgeschäftsführerin des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft(BVMW) östl. Ruhrgebiet.

04.09.2007, 18:57 Uhr / Lesedauer: 1 min

Ist die Lage so dramatisch, wie es klingt?

Schenten: Das kann man wohl sagen.

Für die Betriebe ist der Fachkräftenotstand frustrierend. Stellen Sie sich vor, Sie bekommen einen Auftrag - und müssen ihn ablehnen. Nicht etwa, weil Ihnen der Kunde unsympathisch wäre, sondern schlicht und einfach weil Ihnen die Mitarbeiter dafür fehlen.

Bedroht der Mangel also den Standort?

Schenten: Sagen wir so: Im Moment sehe ich keinen Anlass zur Panik. Schließlich haben die Unternehmen gut zu tun. Und das ist erst einmal gut für den Standort. Es macht ihn attraktiv.

Gleichwohl müssen wir darüber nachdenken, warum die Arbeitslosenquote in unserer Stadt nach wie vor so hoch ist, warum es uns nicht gelingt, mehr Jobsuchende wieder ins Berufsleben zu führen. Denn Arbeit gibt es genug.

Wer ist schuld am Fachkräftemangel?

Schenten: Verdächtige gibt es viele. Beispielsweise die überbordende Bürokratie, die neue Arbeitsplätze verhindert. Oder der Unternehmer, der in wirtschaftlich schlechten Zeiten zu wenig ausbildet, so dass ihm im Aufschwung die Fachleute fehlen. Auch das Bildungssystem hat große Schwächen. Viele Jugendliche sind nicht ausbildungsreif. Wie die Auszubildende, die gerade ihren Chef im Stich gelassen hat, weil der Arbeitsweg auf einmal zu weit erscheint.

Eine andere Kandidatin wäre glücklich über einen Ausbildungsplatz zum Schulende gewesen.

Wer muss nun was tun? Welche Schritte sind notwendig, um das Problem langfristig anzugehen?

Schenten: Veränderungen auf allen gesellschaftlichen Ebenen sind gefordert, auch wenn es unbequem ist.

Ganz wichtig: Jedes Unternehmen sollte über die Vertrags-Gestaltung mit den Mitarbeitern selbst entscheiden können. Dem Mittelstand muss hier der Hemmklotz genommen werden.

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