Mögliche Asbest-Verseuchung eines Schulgebäudes bewegt einen Dortmunder

mlzBauen in Dortmund

Die Diskussion um ein angeblich verseuchtes Schulgebäude irritiert einen Dortmunder. Er schlussfolgert aus der Debatte, dass Menschen bewusst gesundheitlichen Risiken ausgesetzt wurden.

Bövinghausen

, 06.03.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit 2001 ist die Hauptschule geschlossen. Genauso lange wird über ihre Zukunft diskutiert. Längst ist klar, dass das Gebäude abgerissen werden soll. Stattdessen sollen hier Wohnungen entstehen.

Eine Formulierung, die innerhalb dieser Diskussion immer wieder auftaucht, erstaunt den Dortmunder Christoph Ertel. Sie lautet: „Die Hauptschule Bövinghausen ist aufgrund von PCB- und Asbestbelastung irreparabel.“

Ertel schlussfolgert daraus: „Wenn das Gebäude nun als verseucht gilt, wurden jahrzehntelang Schülerinnen, Schüler und Lehrer bewusst großen gesundheitlichen Risiken ausgesetzt.“

PCB- und Asbestbelastung in der ehemaligen Turnhalle

Stadtsprecher Christian Schön klärt auf: „Richtig ist, dass 2008 eine PCB- und Asbestbelastung festgestellt wurde. Allerdings nur in dem ehemaligen Turnhallengebäude, nicht im eigentlichen Schulgebäude.“ Seitdem sei die Halle nicht mehr genutzt worden.

Erst vor vier Jahren habe die Stadt das leer stehende Schulgebäude in Bövinghausen noch als Unterkunft für Flüchtlinge in Betracht gezogen. „Was aber dann nicht gebraucht wurde, weil die Flüchtlingszahl rückläufig war“, sagt Schön.

Flüchtlinge hätten in der Schule wohnen können

Zu diesem Zweck sei 2016 noch einmal die Raumluft untersucht worden. „Das Ergebnis war: temporäres Wohnen wäre dort unter Auflagen (Lüften usw.) möglich gewesen“, schreibt Christian Schön.

Christoph Ertel beschäftigt noch eine weitere Frage: „Bis zur Schließung der Hauptschule war das Gebäude nicht nur außen, sondern auch innen in einem hervorragenden Zustand. Warum wurde das Gebäude nicht z.B. als Dependance zu überfüllten anderen Schulen genutzt?“

Die Erschließung des zukünftigen Wohngebiets ist noch unklar, weil das Gebäude zum Teil auf einem Erbpacht-Grundstück liegt.

Die Erschließung des zukünftigen Wohngebiets an der ehemaligen Hauptschule Bövinghausen ist noch unklar, weil das Gebäude zum Teil auf einem Erbpacht-Grundstück liegt. © Stephan Schütze

In den Augen der Stadt ist diese Idee nicht umsetzbar: „Es gibt erhebliche Zweifel daran, dass sich das Gebäude als Schulstandort reaktivieren lässt – dies hängt jedoch vor allem damit zusammen, dass moderne pädagogische Konzepte ganz andere Anforderungen an Schulgebäude stellen.“

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Wohnbebauung Bövinghausen: Bezirksvertretung will jetzt Druck machen

Ohnehin steht ja schon länger fest, dass das Schulgebäude neuem Wohnraum weichen soll. Genaue Pläne und ein konkretes Zeitfenster gibt es dafür allerdings noch nicht. Die Bezirksvertretung Lütgendortmund will jetzt Druck machen, dass das Gebäude endlich abgerissen und das Areal vermarktet wird.

Bereis im März 2019 berichtete Stadtsprecherin Katrin Pinetzki auf Anfrage, das geplante Wohnquartier werde voraussichtlich eine „Mischung aus Einfamilienhäusern und Geschosswohnungsbau“ beinhalten.

Generationsübergreifendes Wohnen wie am Tremoniapark wünschen sich die Grünen auf dem Gelände der ehemaligen Hauptschule Bövinghausen.

Generationsübergreifendes Wohnen wie am Tremoniapark wünschen sich die Grünen auf dem Gelände der ehemaligen Hauptschule Bövinghausen. © Oliver Schaper (A)

Der Anteil an öffentlich gefördertem Wohnungsbau stehe noch nicht fest, er werde gemäß Ratsbeschluss aus 2014 mindestens 25 Prozent betragen. „Um das Areal zu entwickeln, ist ein Bebauungsplan erforderlich“, so Pinetzki.

Grüne wünschen sich hier generationsübergreifendes Wohnen

Die Grünen in der Bezirksvertretung (BV) Lütgendortmund wünschen sich hier „Mehrgenerationenwohnen mit ökologischer Ausrichtung“, ähnlich dem Wohnprojekt am Tremoniapark. Einen entsprechenden Antrag hat die Fraktion für die nächste BV-Sitzung am 17. März (Dienstag) vorbereitet. Sie beginnt um 17 Uhr im Haus der Sozialen Dienste, Werner Straße 10, in Lütgendortmund

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