Eltern von Mordopfer Nicole Schalla (†16): „Wir hatten immer gehofft, dass es bald zu Ende geht“

mlzProzess geplatzt

Nur wenige Prozesstage waren ursprünglich angesetzt. Nach über 20 Terminen platzt nun der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder von Nicole-Denise Schalla. Was macht das mit ihren Eltern?

Dortmund

, 09.03.2020, 16:32 Uhr / Lesedauer: 2 min

Geahnt haben sie es ja schon am vergangenen Wochenende. Dass der Prozess platzen würde. Der Prozess, bei dem sie an jedem Tag dabei waren, über 20 waren es inzwischen. Am Montag rief ihre Anwältin an und sagte es den Schallas. Der Prozess gegen den Mann, den sie für den Mörder ihrer Tochter halten, ist geplatzt.

Eigentlich hatte es schnell gehen sollen

Eigentlich sollte alles schnell gehen, nachdem viele Jahre nichts passiert gewesen war. 1993 im Herbst war die Tochter ermordet worden. In der Nähe ihres Elternhauses war sie gegen 23 Uhr aus einem Bus gestiegen, am nächsten Morgen fand man ihren Körper, nassgeregnet lag er da.

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Ein totes Mädchen, 16 Jahre alt, keine Hinweise, keine brauchbaren Spuren, nur der Verlust und die Leere. An einem Mittwoch im Juni 2018 schellten Polizisten bei den Schallas, das kam ab und an mal vor, an diesem Tag war alles anders.

„Wir haben einen Treffer“, sagten sie. Mit diesem Treffer gab es einen mutmaßlichen Täter. Nach all den Jahren war eine Hautschuppe gefunden worden. Jetzt sollte die Tat doch noch gesühnt werden. Es begann eine Verhandlung. Drei Tage waren angesetzt. Und es kam doch alles anders.

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Hoffen auf ein Ende

„Jeder einzelne Prozesstag war anstrengend“, sagt Sigrid Schalla, „wir hatten immer gehofft, dass es bald zu Ende geht.“ Die Hoffnung, dass es im Oktober zu Ende geht, zum Todestag. Der Oktober verstrich. Dann die Hoffnung, dass es im März zu Ende geht, zum Geburtstag von Nicole-Denise Schalla, Rufname Nici. 43 Jahre alt wäre sie am 7. März 2020 geworden.

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Im vergangenen Sommer hatten die Schallas in ihrem Garten gesessen und erzählt. Von ihrem Kind, der Schwere der Prozesstage, wenn sie dem mutmaßlichen Täter gegenübersitzen. Der Belastung, dem Stress und dem Wunsch, ein Urteil zu hören.

Im Dezember 2019 erkrankte die Richterin. Der Prozess, der zuvor durch Gutachten und Gegengutachten ins Stocken kam, ruhte. „Das muss“, sagt Sigrid Schalla ohne Bitterkeit oder Vorwurf, es ist eher Besorgnis, „schon etwas Ernstes sein“.

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Am Wochenende erfuhren sie, dass auch der für Mittwoch angesetzte Verhandlungstag abgesagt worden war. Seitdem haben sie vermutet, dass der Prozess platzen könne. Der Rechtsstaat hat für alles seine Regeln. Für diesen Fall: Paragraph 229 Abs. 3 S. 1 StPO. Für die Erkrankung eines Richters gibt es eine Höchstfrist von zwei Monaten. Wird sie überschritten, muss von neuem mit der Hauptverhandlung begonnen werden.

Hoffnung darauf, dass es schneller geht

Neue Beweiserhebung, neue Zeugenvernehmung, alles auf Anfang. Wieder hoffen die Schallas. Diesmal darauf, dass es schneller geht. Denn die Gutachten gibt es jetzt ja schon. „Wir haben es immer geschafft. Und werden es weiter schaffen.“ Sagt Sigrid Schalla.

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