30 statt 300 Menschen beim Gebet – in der Gemeindekasse fehlt das Geld

mlzSultan-Ahmet-Moschee

Wochenlang waren wegen Corona keine Besucher in der Moschee in Hörde erlaubt, die notwendigen Spenden gingen dramatisch zurück. Und selbst die Lockerung brachte kaum eine Besserung.

Hörde

, 26.05.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mitte März erhielt die Sultan-Ahmet-Moschee am Friedensweg das lang geplante Minarett, mittlerweile sind auch letzte Arbeiten an dem Turm erledigt. Nach Jahren des Sammelns von Geldern und der Bauarbeiten ist die Moschee nun weitgehend fertiggestellt.

Alles gut, sollte man meinen – doch dem ist nicht so: Aufgrund der Corona-Krise sind die Spenden bei der türkisch-islamischen Gemeinde in Hörde dramatisch zurückgegangen.

„Ein sehr großes Problem“

„Es ist wirklich ein sehr großes Problem“, sagt Kadir Bülbül, der Gemeindevorsitzende der Sultan-Ahmet-Moschee, „denn wir leben ja von Spenden.“ Als aufgrund der Corona-Pandemie die Hörder Moschee wie alle Gotteshäuser in Deutschland geschlossen wurde und keine Besucher mehr kamen, machte sich das umgehend in der Gemeindekasse bemerkbar.

Jetzt lesen

Und an dieser negativen Entwicklung habe die Wiedereröffnung Anfang Mai kaum etwas geändert, erläutert Bülbül: „Normalerweise sind hier beim Gebet fast 300 Menschen, wegen der Einschränkungen dürfen zurzeit kaum 30 daran teilnehmen.“

Glücklicherweise keine Schulden

Glücklicherweise sei die Gemeinde aber nicht verschuldet, schildert der Vorsitzende, wie in den vergangenen Jahren das Projekt Moschee-Bau in Angriff genommen wurde: „Wir haben das Geld erst ausgegeben, wenn es auch da war.“

Zwar seien die meisten Arbeiten nun erledigt, doch Kosten wie Grundsteuer, Wasser oder Müllabfuhr liefen ja weiter: „Momentan bezahlen wir das mit unseren Rücklagen. Ich schätze, das können wir noch zwei oder drei Monate so fortsetzen – dann wird’s eng.“

Im Frühjahr 2016, kurz vor der Eröffnung des Moschee-Neubaus, empfingen Kadir Bülbül (l.) und andere Gemeindemitglieder Oberbürgermeister Ullrich Sierau (3.v.l.) sowie den evangelischen Pfarrer Niels Back (5.v.l.) im Gebetsraum der Moschee.

Im Frühjahr 2016, kurz vor der Eröffnung des Moschee-Neubaus, empfingen Kadir Bülbül (l.) und andere Gemeindemitglieder Oberbürgermeister Ullrich Sierau (3.v.l.) sowie den evangelischen Pfarrer Niels Back (5.v.l.) im Gebetsraum der Moschee. © Archiv

Bülbül weiß nur zu gut, dass die vergangenen Wochen und Monate nicht nur den muslimischen Glaubensgemeinschaften finanziell zu schaffen machten: „Zum Beispiel die jüdischen Gemeinden leben ja ebenfalls von Spenden. Für uns wie für sie sind es schwere Zeiten.“

Sollte sich die Situation in absehbarer Zeit nicht bessern, schlägt der Vorsitzende ein Gespräch mit Vertretern der Stadt vor. Eventuell könnten manche Kosten ja gestundet werden, bis die Normalität wieder Einzug gehalten hat.

Minarett verfügt nicht über Lautsprecher

Überhaupt sei die derzeitige Situation nur zu meistern, weil sich in der Sultan-Ahmet-Moschee viele Menschen ehrenamtlich engagierten, sagt der Vorsitzende: „Das betrifft unter anderem Wartung und Pflege. Und auch das Minarett haben zwei Gemeindemitglieder angestrichen.“

Wenngleich noch nicht absehbar ist, wann die Beschränkungen für Gotteshäuser aufgehoben werden, steht eines fest: Das Minarett ist ein Blickfang geworden. Obwohl solch ein Turm laut Bülbül keineswegs vorgeschrieben sei: „Wie bei christlichen Kirchen gibt es auch Moscheen ohne Turm.“

Zumal das Hörder Minarett nicht über Lautsprecher verfügt. Die befinden sich vielmehr im Eingangsbereich und rufen jeweils freitags sowie an Feiertagen die Gläubigen zum Gebet.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt