Moscheebau geht kaum voran: Probleme mit dem Grundwasser

mlzIslam

Große Skepsis begleitet einen Moscheebau in Lindenhorst. Nachdem das Bauvorhaben seit einem Jahr stockt, kann der regelmäßige tagende Begleitkreis nun Neues verkünden.

Lindenhorst

, 06.03.2020, 17:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Drei Mal hat sich inzwischen der Runde Tisch getroffen, den der evangelische Pfarrer Friedrich Stiller und der katholische Stadtdechant Ansgar Schocke wegen Streitigkeiten über den Bau einer Moschee in der Lindenhorster Straße 80 - 82 vor einigen Monaten einberufen haben. Erste Ergebnisse werden das "friedliche Miteinander ganz sicher befördern", sagt Pfarrer Stiller, der Moderator der Gespräche.

Die Bezirksvertretung Eving hatte den Verein Çağrı Vakfı im September 2018 vor den Kopf gestoßen, indem sie den Moscheebau mehrheitlich ablehnte. Der Moscheeverband Çağrı Vakfı hätte im Bauantrag die Planung eines Minaretts und einer Kuppel nicht offengelegt, sagten die Politiker damals.

Die geplante Moschee in Dortmund-Eving

Diese Skizze zum Moscheebau in Lindenhorst wurde den Lokalpolitikern vor über einem Jahr vorgelegt. Die große Kuppel und das Minarett stießen auf Kritik.

Süleyman Arslan von der „Arslan Hausverwaltung", die das Grundstück verwaltet, hat die Aufregung nie verstanden: „Erstens: Minarett und Kuppel waren von Anfang an mit beantragt. Zweitens: Warum stören sich Menschen an Minarett und Kuppel? Haben Sie jemals eine Kirche ohne Turm und Glocke gesehen?" Der Rat der Stadt Dortmund beschloss schießlich, dass der Bau weitergehen darf.

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Trotzdem stocken die Bauarbeiten. Anwohner berichten, dass seitdem die Baugrube vor „knapp einem Jahr" ausgehoben wurde, nichts mehr passiert sei. Pfarrer Stiller dazu: „Es gab erhebliche Verzögerungen im Bau." So mussten zunächst Leitungen im Boden beseitigt werden. Derzeit gebe es „Probleme im Grundwasser". Deshalb verzichtet Çağrı Vakfı auf den Keller, der in vier Meter Tiefe gebaut werden sollte. Laut Arslan hätte Grundwasser in dieser Tiefe den Bau zu teuer gemacht. Die Bauarbeiten sollen ihm zufolge in zwei Wochen fortgesetzt werden.

„Zeichen an die Nachbarschaft"

Für Pfarrer Stiller, Sprecher des Runden Tisches, ist das „persönliche Kennenlernen" von Moscheeverband und Bezirksgemeinschaft wichtiger. Da Çağrı Vakfı in Eving bisher unbekannt war, hätten die Bauplanungen Befürchtungen ausgelöst. Stiller berichtet: "Çağrı Vakfı hat deutlich gemacht, dass sie zu keinem der großen Verbände Ditib oder Millî Görüş gehören." Vielmehr stehe Çağrı Vakfı in einer "mystischen Tradition" des Islams, "des Sufismus". Die 100 Gläubigen Mitglieder von Çağrı Vakfı wollten „ihren Glauben vertiefen"; einen politischen Zweck „können wir nicht erkennen", so Stiller.

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Das Vertrauen, das die Vertreter am Runden Tisch aufbauen konnten, möchte Çağrı Vakfı nun nach draußen tragen. Dazu habe der Runde Tisch vereinbart, dass Çağrı Vakfı eine Website anlegt, um Fragen zu beantworten und sich vorzustellen, sagt Stiller. Im Sommer möchte Çağrı Vakfı wieder einen "Tag der offenen Tür" veranstalten.

Bezirksbürgermeister Stens hat angeregt, dass der Verband sich beim Stadtteilfest am 7. Juni mit einem Stand beteiligt: „So kann der Verein sich bekannt machen und Vorurteile abbauen." Über Pfarrer Stiller lässt Sinan Temel von Çağrı Vakfı, ausrichten: „Das soll auch ein Zeichen an die Nachbarschaft sein."

Gesprächsbedarf weiter groß

Nachfragen auf dem weitläufigen Gelände an der Lindenhorster Straße 80-82 haben ergeben, dass die Anwohner mit der Kommunikation unzufrieden sind. „Niemand ist auf uns zugegangen und hat uns gesagt, dass hier eine Moschee gebaut werden soll", sagt eine Anwohnerin, die direkt neben der Baugrube lebt. Davon habe sie nur vom „Hörensagen" erfahren: „Das macht uns traurig."

Laut Arslan gehe es bei dem Bauprojekt auch darum, dass die Muslime „aus den Hinterhöfen rauskommen." Die Moschee solle 200 Quaratmeter groß werden – „plus eine Zwischendecke von 100 Quadratmetern für die Damen", erklärt Arslan die Pläne. Langfristig möchte Arslan auch die Werkstätten von dem „seit Jahren brachliegenden Gelände" entfernen, damit dort „etwas Schönes" entstehen könne. Zumindest eine Reperaturwerkstatt auf dem Gelände musste bereits schließen.

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