Mountainbiker fordern legale Trails in Dortmunds Wäldern

mlzStreitthema

Mountainbiker im Wald – da bleibt der Ton der Diskussion längst nicht immer im grünen Bereich. Gegner und Vertreter dieses Sports nähern sich aber an und fassen eine Lösung ins Auge.

Syburg

, 06.06.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Thema Mountainbiker im Wald spaltet die Gemüter. Mit der Forderung, das unkontrollierte und illegale Biken durchs Gehölz abseits der Wege zu verhindern, hat Hördes Bezirksbürgermeister Sascha Hillgeris eine Lawine losgetreten – und zwar von zwei Seiten: Die einen pflichten ihm bei, fordern hartes Vorgehen und Strafen für die Freizeitsportler; unserer Berichterstattung über das Thema werfen sie Verharmlosung vor.

Die anderen fühlen sich ungerechterweise verfolgt, stereotyp gezeichnet und an den Pranger gestellt.

Das Gute an der Kontroverse ist: Es entsteht ein Dialog zwischen den Parteien, und der könnte nicht nur zu mehr gegenseitigem Verständnis führen, sondern vielleicht sogar zu einer Lösung. Den ersten Schritt dazu hat Bezirksbürgermeister Hillgeris getan, indem er die Mountainbiker zum Gespräch einlud.

Auf befestigten Forstwegen ist das Radfahren erlaubt.

Auf befestigten Forstwegen ist das Radfahren erlaubt. © picture alliance / dpa

Eine sehr aktive Biker-Szene hatte sich nach Hillgeris‘ Vorstoß in der Bezirksvertretung Hörde lautstark in Internetforen, Mails und Leserbriefen zu Wort gemeldet und gegen Anfeindungen gewehrt. „Die Politik versucht, das ,Problem Mountainbiker´ durch Kriminalisierung der Sportler und das Aufstellen von Schildern zu lösen. Dass dies lediglich zu neuen Spannungen führt, ist nachvollziehbar“, schreibt Matthias Kooke.

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Man solle nicht alle über einen Kamm scheren, meinen einige. Die „überwältigende Mehrheit der Mountainbiker im Dortmunder Süden“ verhalte sich „freundlich, rücksichtsvoll und kooperativ“. „Spaziergänger, die mit ihren unangeleinten Hunden dort unterwegs sind, stellen für das Wild eine größere Störung dar, als der typische Mountainbiker, der relativ leise den Berg herunter rollt.“

Die Befürworter führen ins Feld, dass sich auch Spaziergänger im Wald nicht immer wie Engel benehmen würden. Ein wenig Aufmerksamkeit sei nicht zu viel verlangt, meint Mountainbiker Andreas Zabel. Und „die wenigen schmalen Schneisen, die Downhiller möglicherweise in den Wald gefräst haben“, seien „wohl kaum als ernsthafter Schaden zu betrachten“.

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Gleichzeitig kommt aber auch viel Beifall von Spaziergängern, die sich durch die Biker massiv gestört und gefährdet fühlen. „Wälder sollten, neben der forstwirtschaftlichen Nutzung, in erster Linie zur Erholung dienen“, schreibt Leserin Sonja Hausberg.

„Hier wird ein drastisches Problem doch sehr zerredet, in seiner Schwere und Dreistigkeit beinahe verniedlicht“, wendet sich ein Leser an die Redaktion. „Heerscharen von Downhill-Freaks zerstören die Wälder – und zwar wissentlich (...). Kommt man diesen Irren ins Gehege, heißt es der Wald gehört allen...“. Er stellt fest: „Diese ,Sportart´ gehört auf abgesperrte Trails.“

„Es gibt kein Recht auf rücksichtsloses Mountainbiken“

Bernd Schäfer formuliert es in seinem Leserbrief so: „Wenn Biker die Natur mutwillig zerstören, müssen sie bestraft werden, denn es gibt kein Recht auf rücksichtsloses Moutainbiken. Das ist ganz einfach mit Verbotsschildern zu regeln und mit Kontrollen einzuhalten. Ich kann als Fußgänger auch nicht quer durch Wälder, Wiesen und Felder ,latschen´. Also bitte mehr Disziplin und effektives Durchgreifen.“

Am Deusenberg in Huckarde gibt es eine Moutainbike-Arena.

Am Deusenberg in Huckarde gibt es eine Moutainbike-Arena. © Dieter Menne

Die meisten Beteiligten drängen auf eine vernünftige, friedliche Koexistenz. Allerdings fürchten einige der Sportler, eine in Aussicht gestellte Legalisierung sei „lediglich ein Lippenbekenntnis“.

Aufwendiges Konzept wurde abgelehnt

Viele verweisen auf ein Konzept, das im vergangenen Jahr für ein Trail-Projekt erstellt und das vom Umweltbeirat der Stadt abgelehnt wurde. Matthias Kooke: „Ein Arbeitskreis aus zahlreichen Mountainbikern aus Dortmund hatte über einen Zeitraum von zwei Jahren ein Konzept erarbeitet, das dafür sorgen sollte, den Mountainbike-Sport in den Wäldern zu kanalisieren, den Umweltschutz voranzutreiben und Konfliktherde mit anderen Waldnutzern zu eliminieren.“

Dortmund hätte die Chance gehabt an dieser Stelle einer der Vorreiter bei der Legalisierung eines Trail-Netzes in Deutschland zu sein, schreibt Kooke weiter.

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Auch andere Biker verweisen auf Nachbarstädte wie Herten, Witten und Hagen. Sie machten uns vor, „wie ein konstruktives, sicheres, legales und naturschützendes MTB-Trailnetz verwirklicht werden kann“. Selbst kleine Städte im Sauerland würden mit aufwendigen Strecken intensiv um die Gunst und Kaufkraft der Mountainbiker werben. „Warum Dortmund als selbsternannte ,Sportstadt´ dazu nicht in der Lage ist, bleibt ein Geheimnis.“

Fast alle, ob pro oder contra, wünschen sich einen Dialog. Insbesondere die Politik sei gefordert, ein Konzept für ein gesundes Miteinander zu entwickeln. „Aber bitte keine Pseudotrails oder Autobahnen“, betont Mountainbiker Rudi.

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Der erste Schritt ist mit einem konstruktiven Austausch zwischen den Kommunalpolitikern und drei Vertretern einer organisierten Biker-Gruppe getan. „Alle haben ihre Positionen vorgestellt und damit eine Basis für das weitere Vorgehen geschaffen“, so Hillgeris.

Politik sucht nach einer Lösung

Die Politik war sich einig, die Biker nicht zu verteufeln, aber auch Gefahren für Spaziergänger abzuwenden, fasst Ulrich Spangenberg, Geschäftsführer der Bezirksvertreung Hörde, das Treffen zusammen. Die Fraktionen hätten Bereitschaft signalisiert, ein eigenes, legales Angebot für den Mountainbike-Sport zu schaffen.

Bei einem Runden Tisch mit allen Beteiligten und Entscheidungsträgern soll nun ein Kompromiss gefunden werden, mit dem alle leben können.

Kommentar

Der Wald ist kein Freizeitpark

Wem gehört der Wald? Den Spaziergängern und Joggern? Hund und Herrchen? Oder den Bikern? Was ist mit den Reitern? Der Wald gehört keinem von ihnen. Er gehört den Tieren, die dort leben, und der Natur. Wir sind dort nur zu Gast, dürfen die Vegetation, die Luft, die Stille genießen.
Der Wald ist kein Freizeitpark, in dem wir dafür bezahlen, dass wir uns austoben können und hinter uns hergeräumt wird. Der Wald ist ein Geschenk, und das müssen wir uns teilen. Wenn das alle Nutzer einsehen würden, wäre schon viel gewonnen.
Dann würden alle pfleglich mit der Natur umgehen und sich rücksichtsvoll benehmen. Hunde streiften nicht durchs Gebüsch und jagten Tiere, niemand hinterließe Müll, Radfahrer, Fußgänger, Jogger und Reiter teilten sich friedlich die vorgesehenen Wege.
Und für die Biker würde eine Lösung gefunden, die auch ihnen ein Gastrecht im Wald einräumt – auf begrenzten Strecken, wo niemand gefährdet oder gestört wird.
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