Im Café "Guttut" an der Lindemannstr. 4 kümmert sich Inhaberin Ramona Dworschak persönlich ums Kochen und "Verpacken". © Didi Stahlschmidt
Mehrweg-Gastronomie

Müllberge durch To-Go-Trend: Dortmunds Gastronomen werden kreativ

Der To-Go-Trend im Lockdown bringt gigantische Müllberge aus Verpackungen mit sich. Dortmunds Gastonomen entwickeln Strategien zur Vermeidung - und gehen ganz unterschiedlich vor.

Erst massenweise Coffee-To-Go Wegwerfbecher, nun auch Unmengen an Einweggeschirr, Pizzakartons oder Pommesschalen. Während die Diskussion um den Kaffee aus Einwegbechern seit einiger Zeit anhält, liefert der Lockdown ein neues Problem: Da die Restaurants und Cafés geschlossen sind, boomen Lieferservices und Essen zum mitnehmen. Damit wächst der Müllberg und achtlos weggeworfene Verpackungen säumen das Straßenbild.

Außer-Haus-Verzehr nimmt immer mehr zu

In Dortmund sieht der Trend für den Außer-Haus-Verzehr genauso aus. Viele Restaurants haben mit dem To-Go-Geschäft die letzte Einnahmequelle und kämpfen mit ihr um das Überleben im Lockdown.

Erfreulicher Weise gelingt dies vielen auch. Teilweise mit außergewöhnlichen Ideen wie dem „Frühstück ans Bett“-Lieferservice oder Kaffee aus Marmeladengläsern. Noch erfreulicher ist, dass nach und nach in Dortmund Mehrweg-Geschirr in den Umlauf kommt. Und das ist bei den erschreckenden Zahlen zum Verpackungsmüll auch dringend notwendig.

Der Müllberg steigt seit Corona noch mehr an

Zu den stündlich bundesweit 320.000 verbrauchten Coffee-To-Go-Bechern kommen pro Kopf und Jahr laut Umweltbundesamt 226 kg Verpackungen hinzu. Allein die sogenannten Serviceverpackungen beim To-Go-Geschäft sind seit dem Jahr 2000 um 40 Prozent gestiegen. So alarmierend die Zahlen auch sind, sie nehmen sogar zu. Laut „Der Grüne Punkt“ gibt es seit März 2020 gut zehn Prozent mehr Verpackungsabfälle.

Bei
Bei „Benberg´s Fritten“ (Saarlandstr. 111) sieht das System schon anders aus: hier sind es eigens gefertigte Schalen in verschiedenen Größen, die Inhaber Benjamin Pomberg täglich nutzt. © Didi Stahlschmidt © Didi Stahlschmidt

In Dortmund gibt es seit der Schließung der Gastronomie unterschiedliche Systeme und Variationen, um dem Müllberg Herr zu werden. Während das Restaurant „Fabulose“ in der Nordstadt aus Prinzip seit ihrer Eröffnung im September 2020 auf Nachhaltigkeit und Mehrweg in Schraubgläsern setzt, ziehen einige Gastronomen mit weitergehenden Ideen nach.

Der neue Trend kommt bei Kunden gut an

„Benbergs Fritten“ in der Saarlandstraße setzt beispielsweise seit Ende Dezember auf das „vytal“-Pfandschalen-System. Benjamin Pomberg hatte es durch eine TV-Sendung kennen gelernt.

Die stylischen Schalen aus recycelbarem Polypropylen gibt es in verschiedenen Größen, sogar für andere Gastronomen speziell für Sushi oder Pizzen. „Seitdem wir das System nutzen, sparen wir pro Tag einen großen Müllbeutel an Verpackungen und Abfall ein“, so Pomberg.

Seine Kunden registrieren sich per App beim Anbieter und von da an ist das Mehrwegsystem digital und personalisiert. „Für mich ist erstmal wichtig, dass die Leute verstehen, dass es um Müllvermeidung und Umweltschutz geht“ erklärt Pomberg. Neben „Benbergs Fritten“ bieten auch das „Road Stop“ an der Hohensyburg und das „Beezou“ in Hörde dieses System an.

Weckgläser in unterschiedlichen Größen

Eine ebenso nachhaltige wie auch witzige Idee hatte der „Grüne Salon“. „Wir haben seit dem 1.1. ein besonderes Mehrweg-System, das bestens funktioniert und guten Anklang findet“, erklärt Milena Rethmann. Hier wird unter dem Motto „Frühstück ans Bett“ die komplette Frühstückskarte in sechs verschiedenen Weckgläser angerichtet und geliefert. Pro Person wird hierbei ein symbolisches Pfand von fünf Euro erhoben, was allerdings nicht dem realen Wert der jeweiligen Gläser entspricht.

Der Grüne Salon am Nordmarkt hat gleich sechs unterschiedliche Größen und Formen von Weckgläsern für jeden Anlass angeschafft.
Der Grüne Salon am Nordmarkt hat gleich sechs unterschiedliche Größen und Formen von Weckgläsern für jeden Anlass angeschafft. © Didi Stahlschmidt © Didi Stahlschmidt

Ähnlich auch beim veganen Bistro-Café „Guttut“ an der Lindemannstraße. Hier wird seit dem Lockdown eine vegane Wochenkarte frisch in Weckgläsern präsentiert. Zwei große Glasformate reichen hier aus, um direkt vom Herd ins Glas zu kochen. „

300 bis 400 Gläser sind wohl bei Kunden geblieben

Die Mehrweg-Variante wird sehr positiv und gut angenommen“, so Inhaberin Ramona Dworschak. Dabei sei es aber auch wichtig, dass das Essen im Glas gut aussieht, da das Auge mit isst.

Wer im „Guttut“ Essen mitnimmt, zahlt zwei Euro Pfand auf das Glas – was allerdings bis dato dazu führte, dass 300 – 400 Weckgläser den Weg nicht mehr zurückgefunden haben. Eine weitere, so witzige wie nachhaltige Idee wird hier auch schon seit längerem praktiziert: den Kaffee-To-Go gibt es in Marmeladengläsern.

Rechtliche Grundlagen ändern sich schon in 2021

Kreativität, Ideenreichtum und die Motivation, die Umwelt zu schonen und Müll zu vermeiden paaren sich bei diesen Beispielen aus der Gastronomie. Und es bleibt zu wünschen, dass dieser Trend anhält und viele Nachahmer findet.

Zumal sich die rechtliche Grundlage dazu Mitte des Jahres 2021 verändert. Denn die bereits vom Kabinett beschlossene Richtlinie zur Umsetzung der europäischen „Einwegkunststoffverbotsverordnung“ ist bis zum 3. Juli 2021 in nationales Recht umzusetzen und tritt somit europaweit in Kraft. Somit erfolgt auf bestimmte Produkte aus Einwegkunststoff wie Wattestäbchen, Einmalbesteck und -teller, Trinkhalme, Rührstäbchen und Luftballonstäbe ein Verbot. Dazu zählen auch To-Go-Lebensmittelbehälter und Getränkebecher aus Polystyrol, besser bekannt als Styropor.

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Freier Mitarbeiter
Seit Februar 2007 bin ich als freier Redakteur mit der Kolumne "quer gehört" für die Bereiche Musik/ Nightlife/ Kultur/ Creativ Industries bei den Ruhr Nachrichten aktiv. Parallel arbeite ich als freier Journalist für verschiedene Magazine, Gastronomie-Führer, als freier Fotograf und als Autor und Werbe-Texter.
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