Musiker auf Matten: Bratschist Armin Behr

mlzSelbstschutz am Theater

Wenn Armin Behr Bratsche spielt, sieht das ganz leicht aus. Und wie vieles, was leicht aussieht, ist es schwer: für seine Schultern und seinen Rücken. Deswegen rollt Behr die Yogamatte aus.

Dortmund

, 22.02.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Name:

Armin Behr

Beruf:

Bratschist

Sparte:

Philharmoniker

Besonders schützenswerter Körperteil:

Schultern und unterer Rücken

Die Bratsche ist ein Pfund Holz, das immer schwerer wird

Armin Behrs Bratsche wiegt etwa ein Pfund. Doch auch das wird in den Stunden der Proben und Konzerte schwerer und schwerer.

Zumal die Bratsche, wie auch die Geige, beim Spielen fast waagerecht gehalten wird und der andere Arm mit weiten Bewegungen den Bogen führt. Behr: „Das geht auf die Schultern und die Lendenwirbelsäule.“

Mit dem Orchestermanager gründeten sie den „Gesundheitszirkel“

Vor zwei Jahren hat der 48-Jährige sich mit fünf bis sechs Kollegen und Michael Dühn, dem damaligen Orchestermanager, zu einem „Gesundheitszirkel“ zusammengetan. „Um zu überlegen, was wir für die Musiker des Orchesters anbieten können.“ Um den typischen Belastungen des Orchesterspiels entgegenzuwirken.

„Wir haben oft die gleichen Probleme des Bewegungsapparats“, sagt Behr. „Bei den Bläsern ist es die statische Haltung, bei den Streichern sind es die ausladenden Bewegungen.“ Dazu komme die Enge im Orchester, bei der „man sich noch mehr verdreht“.

Bei Musikern denkt kaum jemand an die körperliche Belastung

Balletttänzer würden sehr regelmäßig betreut, weil ihr Körper als Sportgerät offensichtlich ist. Bei Musikern sei die Belastung auch hoch, doch weniger offensichtlich. „Wenn wir dann was haben, müssen wir zum Arzt und uns Physio verschreiben lassen.“

Doch die entsprechenden Praxen seien meist ausgebucht, lange Wartezeiten sind die Folge, die wiederum die Beschwerden verschlimmern.

Also engagierte der Gesundheitszirkel einen Physiotherapeuten. Musiker können sich in die aushängende Liste eintragen, und wenige Tage später kümmert sich „der Physio“ um das Problem.

Viele Orchestermusiker machen Yoga – jetzt auch im Probesaal

Um akute Beschwerden von vornherein zu vermeiden, rief der Zirkel außerdem eine Yogagruppe ins Leben. Das Theater zahlt einen Teil der Kosten für die drei Lehrerinnen, die sich mit den Kursen abwechseln. Das macht die Teilnahme für die Musiker sehr günstig.

„Ich habe früher Yoga gemacht in Mengede, wo ich wohne. Einen Kurs am Dienstagabend, der andere Donnerstag früh. Aber ich hatte Monate, in denen ich nur ein einziges Mal teilnehmen konnte.“ Denn die üblichen Zeiten für solche Kurse lassen sich nicht mit den Arbeitszeiten der Philharmoniker vereinbaren: morgens Probe, abends Probe oder Aufführung.

„Unser Yogakurs findet nachmittags um halb fünf statt. Für uns die ideale Zeit.“ Das Training ist einmal in der Woche, anderthalb Stunden. Insgesamt sind um die 16 Philharmoniker dabei, im Schnitt 10 bis 12 pro Termin. Dem Rücken hilft‘s gut, sagt Behr.

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